zurück zur Caravan-und-Reisen.de Startseite
Zurück zur Norwegen-Startseite Tour Galerie Tagebuch Gästebuch Links
Angelikas Tagebuch

Immer wieder holt Angelika ihr Reisetagebuch hervor und verfasst täglich ihre Notizen um Ihnen hier den Urlaub so nahe wie möglich zu bringen. Viel Text und ein paar Bilder zu einem unvergesslich schönen Urlaub!

Lesen und schauen Sie selbst!

Reisetagebuch Norwegen 30.05.2008 - 25.06.2008

30.05.2008

Es ist ein wenig wie in den Jahren zuvor. Viel zu früh sind wir wieder einmal aufgestanden, immer noch schlaftrunken von der Nacht verstauen wir die letzten Sachen im Wohnwagen und dem Auto. Alles ist bestens vorbereitet, die Katzen sind versorgt, Doris, unsere "Katzen-Nanny" (an dieser Stelle einmal einen lieben Gruß und recht herzlichen Dank) hat die Schlüssel für die Wohnung schon am Vorabend bekommen, das Auto ist betankt, jetzt kann es ohne Sorge los gehen.

Es ist noch still in der Siedlung, nur ein paar wenige Leute, entfernte Nachbarn die auf dem Weg zur Arbeit sind, bemerken unsere Regsamkeit. Schnell verabschiedet man sich per Zuruf, dann sind wir wieder allein mit uns und dem Gedanken an die bevorstehende Etappe. Der Kilometerstand steht bei 168133 Kilometer, die Uhr im Auto zeigt auf den Kopf 7 Uhr an als Norbert zum ersten Mal während der diesjährigen Urlaubsreise den Zündschlüssel herumdreht. Endlich, endlich, eine lange Durststrecke ist überwunden, wir sitzen im Auto und - a dream come true - wir starten nach Norwegen. In diesem Jahr haben wir uns wieder für die bewährte Fahrt über die Autobahn 2 bis Hannover und dann der Autobahn 7 / Europastraße 45 bis nach Frederikshavn in Dänemark entschieden. Im letzten Jahr hat Norbert die Strecke über die Autobahn 1 gewählt, ein Fehler, den er in diesem Jahr nicht noch einmal begehen wollte. Ohne Probleme oder gar Staus führen wir die bekannte Route, Hannover, Hamburg bis zur Mittagsrast mal wieder am Nord-Ostsee-Kanal . Fast eine Stunde verbrachten wir dort bei herrlichstem Wetter, wir aßen zu Mittag und vertraten uns ein wenig die Beine. Dänemark war jetzt schnell erreicht, was soll ich zu diesem Land und dieser Strecke schreiben, meine Meinung dazu sollte aufmerksamen Lesern bekannt sein. Die Europastraße 45 ist einfach nur öde. Ohne irgendwelche Highlights, sieht man einmal von der Vejlefjord-Brücke und dem Limfjordtunnel ab, zieht sie sich scheinbar endlos durch dieses Land, das es, wie in den Jahren zuvor, längs zu durchqueren galt. Allerdings sollte in diesem Jahr unsere erste Etappe in Frederikshavn enden. Verschiedene Umstände haben uns veranlasst auf die Stena-Line auszuweichen und die fährt halt nicht wie gewohnt von Hirtshals sondern von Frederikshavn. Aber auch hier war alles bekannt. Schon wie zu unserer ersten gemeinsamen Norwegenreise und auch der Reise nach Island mit den Kindern entschieden wir auf dem Campingplatz Nordstrand Quartier zu beziehen. Nach wieder einmal 852 Kilometern und 12 langen Stunden stehen wir hier gern und vor allem komfortabel. Wir haben beide die Nase voll vom vielen Fahren (Soest-Frederikshavn ist die längste Etappe des Urlaubes), gerne spazieren wir noch am Strand entlang , schauen uns den neu angelegten Palmenstrand an und begeben uns dann auch nur noch zur Ruhe.

31.05.2008

Kann ein Tag besser beginnen? Es ist nun 7:32 Uhr und das Thermometer zeigt schon sommerliche 19,5 ° Celsius.

Wir haben uns um sechs Uhr vom Klingeln des Wecker wecken lassen und nachdem wir uns frisch gemacht hatten, genossen wir erst mal das Frühstück. So viel Zeit muss einfach sein! Erst danach, alles schön in Ruhe, hingen wir den Wohnwagen wieder an und begaben uns zum Fährhafen. Die Tickets hatten wir ja schon zuhause ausgedruckt, die Wartelinie wurde uns zugeteilt und nun begann das Warten auf die Einschiffung . Das was die Deutsche Bahn wohl nie wirklich schaffen wird, hier im Norden Dänemarks ist es wohl machbar, die Stena Saga setzte sich pünktlich in Bewegung. Zwar war uns das Schiff der Stena Line bekannt, dennoch sahen wir uns, nachdem wir das Ablege- und Ausfahrtmanöver aus dem Hafen beobachtet hatten, im Schiff um. Nur weniges hatte sich verändert, vielleicht hatten wir es auch nur anders in Erinnerung, wir fanden uns jedenfalls schnell zurecht und buchten, nachdem wir an der Minibank die ersten norwegischen Kronen abgebucht hatten, unser Mittagsbuffet. Wir bekamen einen Platz direkt vor der großen Scheibe im Bug zugewiesen. Herz was willst du mehr? Wir genossen unser Mittagsmahl mit dem Blick über das Vorschiff und die vor uns liegenden Weiten des Skageraks. Nur hier und da waren irgendwelche Schiffe zu sehen, Frachter vielleicht oder auch andere Fähren, sonst waren da nur blauer Himmel, Wasser und die Vorfreude auf Norwegen. Noch war davon aber nichts zu sehen...

Das Wetter war heute einfach zu schön um sich nur im Schiff aufzuhalten, wir wollten ebenso wie die anderen Reisenden die herrliche Sonne und die angenehmen Temperaturen genießen. Manche mögen die Schiffspassage nur als Mittel zum Zweck sehen, wir erlebten den Aufenthalt hier an Bord als Teil unseres Urlaubes mit allen Freuden, die ein solcher Tag mit sich bringt. Was aber die wohl hauptsächlich norwegischen Reisenden an Bord daraus machten war alles andere als ansprechend. Schon des Vormittags traf man sich in geselliger Runde auf dem Sonnendeck und vernichtete dabei so manche Flasche Smirnoff (Wodka mit Limonensaft), Jägermeister oder einfach nur Bier in großen Bechern. Die Wirkung des Alkohols ließ gerade bei der starken Sonnenbestrahlung nicht lange auf sich warten, bald flogen die ersten Kleidungsstücke, es wurde getanzt, später sogar auf den Tischen . Die Security störte es wenig, die waren das wohl schon gewohnt, nur diejenigen, die durch den übermäßigen Alkoholgenuss einschliefen wurden vorsorglich geweckt und aus der Sonne in den Schatten gelegt. Wir haben uns tatsächlich die Frage gestellt, wie so mancher das Schiff auf eigenen Beinen verlassen konnte. Und bald war es dann auch für uns so weit, wir hatten Oslo erreicht und konnten am Abend das Schiff pünktlich verlassen. Schon während der Überfahrt entschlossen wir uns nicht in Oslo zu bleiben, die dortigen Campingplätze sprachen uns nicht sonderlich an und waren zudem zu teuer, daher zogen wir es vor noch einmal bis an das südliche Ende des Mjøsa-Sees zu fahren . Dort haben wir schon im Jahr 2004 in Minnesund unser erstes Nachtquartier in Norwegen aufgeschlagen, warum nicht auch in diesem Jahr?

01.06.2008

Problemlos und entspannt ging es heute weiter Richtung Norden. Zum Glück war Sonntag, die norwegischen Lastwagen hatten, bis auf wenige Ausnahmen (Tine-Milch lässt grüßen) Fahrverbot und der restliche Verkehr war nicht das, was Norbert hätte aus der Ruhe bringen können. Gerade richtig für einen so weiten Weg. Entlang der Europastraße 6 fuhren wir bis hinauf nach Oppdal, erst dort verließen wir die "Nordkapp-Rennbahn" wieder und bogen in das gleich hinter Oppdal beginnende, überaus imposante Sunndalen ab. Ursprünglich wollten wir in der Nähe des Ortes Oppdal unser nächstes Quartier beziehen, die Plätze rund um den Ort waren aber alle nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Riesige Wintercampingplätze, meist direkt an der Straße gelegen, vorwiegend für Dauercamper ausgelegt und ausgestattet, da wollten wir uns einfach nicht einreihen. Ein nächster Versuch dann im kleinen Ort Lønset am RV 70. Der Platz ansich war ja nicht schlecht, einen einigermaßen geraden Platz auf dem wir hätten stehen können gab es aber auch hier nicht. So zogen wir wieder weiter. Das Sunndalen zog sich immer enger zusammen, fast bedrohlich steil erschienen uns die Berge, die das Tal flankierten. Es kam so ein bisschen Endzeitstimmung auf, das Wetter war jedenfalls gar nicht mehr so sonnig wie noch am Morgen in Minnesund, zwischenzeitig hatte es sogar geregnet und die Wolken hingen tief im Tal und verdunkelten die ganze Bergszenerie. Außerdem zeigte die Tankuhr schon seit Kilometern Reserve an und auch Norbert hatte bald keine Lust mehr zu fahren. Für den ersten Tag waren wir weit voran gekommen, mein Schatz hat es sich verdient auszuruhen und den Wagen abzustellen (ich selbst fahre ja bekanntlich nicht mit Wohnwagen und schon gar nicht in Norwegen), es musste also bald ein Campingplatz und auch eine Tankstelle her. Und was für ein Campingplatz dann kam, einfach unglaublich! Im kleinen und eher unscheinbaren Ort Gjøra haben wir dann unseren Campingplatz gefunden, ein echter Geheimtipp . Abseits der Hauptstraße, an einem kleinen Zuweg zur Schlucht Åmotan liegt der Campingplatz inmitten eines Wäldchens in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Wasserfall und der Flüsse Driva und Grøvu. Uns erwarteten super Sanitäranlagen und ein Stellplatz inmitten des Wäldchens unter hohen Bäumen, dennoch licht, offen und gar nicht beengend. Lediglich die Tatsache, dass hier kein Satelitenempfang deutschen Fernsehens möglich ist trübt die Freude über diesen sagenhaft schönen Platz aber wir haben ja auch Urlaub und können es uns auch einmal bei einem Tee und einem guten Buch gemütlich machen. (Anmerkung: Gjøra-Camping ist wohl der beste Campingplatz während der diesjährigen Reise gewesen.)

02.06.2008

Der Wettergott muss ein Einsehen mit uns armen Urlaubern gehabt haben, die dicken Regenwolken von gestern Nachmittag waren jedenfalls verschwunden und es strahlte die Sonne wieder mit wärmenden Temperaturen, wie sie in Norwegen wohl eher nicht so häufig zu erleben sind. Gjøra-Camping erwies sich als optimale Basisstation für so manche Unternehmung in naher und weiterer Entfernung, heute blieben wir aber in der Nähe und unternahmen eine Wanderung in und um die Schlucht Åmotan. Gleich vom Campingplatz aus folgten wir zunächst mit dem Auto der Straße zum Hof Jenstad, von wo aus die Wanderung beginnen sollte. Was für eine Überraschung, am Parkplatz dort stand doch tatsächlich eine Parkuhr! Wir entrichteten unsere Parkgebühr, klemmten das Ticket hinter die Scheibe des Volvo, schulterten unsere Rucksäcke und folgten zunächst einem Wirtschaftsweg immer höher entlang der Bergflanken, die die Schlucht Åmotan umranden. Schon hier war es beeindruckend zu sehen, von wo und wie die Wassermassen in den Talkessel stürzten. Unser Blick richtete sich auf noch immer schneebedeckte Berge, darüber nichts als blauer Himmel und Temperaturen, die uns beim Aufstieg in Schweiß trieben. Der Wirtschaftsweg war erst mal gar nicht so mein Ding, trotz der immer besser werdenden Aussicht mag ich eigentlich kleine, fast zugewachsene Pfade lieber. Dennoch, auch dieser Weg hielt Überraschungen für uns bereit. Bald erreichten wir den Abzweig zu einem kleinen Treckerpfad. Immer noch deutlich zu erkennen, jedoch schon lange nicht mehr befahren holte sich die Natur hier den Weg wieder zurück. Inmitten der alten Fahrspur wuchsen schon wieder niedere Gewächse, Auswaschungen hatten sich mit Wasser gefüllt und bildeten kleine Biotope. So manches Getier und Gewächs hatte sich an den sumpfigen Rändern niedergelassen. Nach ein paar Minuten erreichten wir ein weiteres Highlight der Tour, die Gammelsetra . So ein uriges Gebäude, so gedrungen, dass selbst ich mit 1,58 Metern Größe meinen Kopf beim Betreten der Räumlichkeiten einziehen musste. Ausgesprochen liebevoll eingerichtet, ein kleiner gusseiserner Ofen, ein Herd, viele, kleine Fenster und Betten so groß, da hätte man meinen können, die sieben Zwerge hätten hier ihre Schlafstatt. Vor der Tür ergoss sich eine kleine Quelle. An deren Ufern war ein kleiner Garten angelegt, ganz idyllisch mit Bänken aus Holz und Steinen, üppiger Blumenpracht und dem leisen Plätschern des Wassers . Dazu die Ruhe hier oben in den Bergen, nur unseren eigenen Atem hörten wir hier, sonst nur Stille.

Der Weg führte bald weiter, wieder entlang des schon eingangs erwähnten Wirtschaftsweges. Doch auch diesen wenig spektakulären, dafür aber komfortablen Weg mussten wir bald verlassen und über einen wirklich kleinen, dafür sehr steilen Weg erfolgte dann der Abstieg hinunter in die Schlucht Åmotan, in der sich die Wassermassen der umliegenden Berge vereinen . Immer lauter wurde das Rauschen, das aufgischtende Wasser der wild rauschenden Flüsse und des Wasserfalles der Grødøla versetzte die Landschaft umher in immerwährende Feuchtigkeit, der Boden war nass und rutschig, die Luft gekühlt wie von einer Klimaanlage. Es war einfach überwältigend hier, der Regenbogen über dem Talboden hatte etwas märchenhaftes. Noch ein Highlight wartete auf dem Weg zurück. Es war nicht der steile Aufstieg zurück nach Jenstadt, es war erst einmal die Hängebrücke über den Fluss Lindøla die unsere volle Aufmerksamkeit erforderte. Ich hatte auf der durchaus wackeligen Brücke meinen Spaß, Norbert erwies sich aber als gar nicht so begeistert vom schnell unter der Brücke fließenden Wasser . Das jedenfalls bereitete ihm mehr Schwindel als die Brücke in ihrem wackeligen Zustand, dennoch erreichte auch er, nach gutem Zureden von mir, das Ufer auf der Jenstader Seite.

Welch eine Genusstour und das gleich zu Beginn unseres Urlaubes! Ob das noch zu toppen ist? Zurück am Wohnwagen ließen wir den Tag ganz gemütlich ausklingen. Der Grill ist heiß, die Würstchen darauf bruzzeln vor sich hin, das Ringnes-Bier schmeckt ausgezeichnet, die Sonne wärmt immer noch, wir bleiben noch etwas draußen und genießen den Abend vor dem Wohnwagen sitzend. Ein herrlicher Tag und der perfekte Ausklang dessen.

03.06.2008

Sightseeing stand am heutigen Tag an. Mit noch immer schweren Beinen, der Abstieg in die Schlucht Åmotan steckte uns noch in den Beinen, beschlossen wir nach Trondheim zu fahren. Norbert war schon einmal vor Jahren dort und konnte davon berichten, dass Trondheim unbedingt einen Besuch wert sei. Gerne wollte auch ich mich davon überzeugen. Zunächst folgten wir der Europastraße 6, ziemlich unspektakulär, dafür aber zügig befahrbar bis direkt hinein in die City von Trondheim. Welch ein Verkehr hier, sofort wird die Bevölkerungsdichte deutlich spürbar. Ampeln und Fußgängerüberwege, mehrspurige Straßen stadtein- als auch -auswärts, Verkehr wie in der Großstadt eben, fast schon hektisch hier für norwegische Verhältnisse. Erstes Ziel und das auch gleich per Pedes erreichbar, der Nidaros-Dom . Der gehört tatsächlich zum touristischen Pflichtprogramm. Krönungskirche und heutiger Bischofssitz, die Krönungsinsignien lagern hier ebenso wie es ein Museum mit Skulpturen des Nidaros-Doms, archäologischen Funden sowie Münzen aus der bischöflichen Prägewerkstatt zu besichtigen gibt. Um 15 Uhr war mit weiteren Besichtigungen innerhalb des Erkebispegården Schluss, die Museen schlossen die Tore. So blieb uns nur noch die Altstadt und die Festung Kristiansten zu besichtigen. Das schöne an Trondheims City ist, dass alles in erreichbarer Nähe liegt, das Auto kann geparkt bleiben, es geht bequem zu Fuß weiter. Nicht weit vom Nidaros-Dom entfernt überquerten wir auf der Bybrua den Fluss Nidelv und gelangten so in die historische Altstadt und das Arbeiterviertel Bakklandet . Hier erlebten wir Trondheim ganz anders, gemächlich, gar nicht mehr hektisch. Autos gab es hier zwar auch, Fahrräder waren hier aber das Verkehrsmittel der ersten Wahl. Wir hätten uns sogar welche leihen können, die Verleihstation dazu befindet sich gleich an der Kreuzung Bybrua/Øvre Bakklandet/Nedre Bakklandet. Der Aufstieg hinauf zur Festung Kristiansten ist allerdings gar nicht so recht fahrradfreundlich. Steil zieht die Straße hinauf, so steil, dass es hier tatsächlich Europas einzigen Fahrradlift gibt. Leider war der aber heute außer Betrieb, wir hätten gerne zugesehen, wie dieser Lift funktioniert. Theoretisch ja ganz einfach, Fuß auf eine Platte stellen und sich mitsamt dem Fahrrad aufwärts ziehen lassen - aber praktisch?

Kristiansten wurde als Festung im Jahr 1681 erbaut und war in der Vergangenheit auch Zufluchtsort für die Stadtbewohner während der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Schweden. Auch während des 2. Weltkrieges erlangte die Festung zweifelhaften Ruhm, hatten sich hier deutsche Soldaten niedergelassen, die hier norwegische Widerstandskämpfer zum Tode verurteilten und erschossen. Uns interessierte die kriegerische Vergangenheit des Ortes aber weniger als die phantastische Aussicht vom Festungshügel Kristianstenbakken. Eine tolle Rundumsicht eröffnete sich gerade heute bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen. Da lag der Nidaros-Dom gegenüber auf der Halbinsel inmitten der Nidelv-Mündung , weiter draußen, im Trondheimfjord, entdecken wir die kleine Insel Munkeholmen , davor liegt der Hafen und dazugehörige Industrie. Zur anderen Richtung erstrecken sich sanfte Hügel, bewaldet, dazwischen stehen Häuser. Trondheim sieht gerade von hier aus grün und idyllisch aus, wir haben nicht den Eindruck uns in Norwegens drittgrößter Stadt zu befinden. Eindrücke, die auch mir in Erinnerung bleiben werden.

04.06.2008

Was für eine Tour! Der Wettergott war auf unserer Seite, das war klar, so klar, wie der blaue, wolkenlose Himmel über uns. Aber alles der Reihe nach...

Gjøra erwies sich auch heute als ideales Basislager für Unternehmungen im Sunndalen, nach nur kurzer Fahrstrecke erreichten wir das kleine Dorf Lønset am RV 70 von wo es über eine Stichstraße hinein in die Bergwelt Trollheimens zur Ferienhaussiedlung Storli ging. Dort war für das Auto Schluss, auf einem Parkplatz unterhalb der Ferienhäuser stellten wir den Wagen ab und folgten der Wegweisung zur Vassendsetra. Zunächst durch mehr oder weniger dichtem Birkenwald mit nur mäßig hohen Bäumen erreichten wir bald ein so genanntes Toteis-Gebiet . Wie stand es im Wanderführer beschrieben? Beste Jahreszeit Juli bis September. Wir waren wohl eindeutig zu früh im Jahr hier, keine Spur, der wir hätten folgen können, Markierungen lagen selbst hier, und wir waren noch nicht viel aufgestiegen, unter Schneefeldern versteckt. Dazu stellte sich der vermeintliche Weg, oft mussten wir größere Schneefelder auch umgehen, als ausgesprochen morastig dar. Dennoch, die uns umgebende Stille, die in diesem Jahr noch unberührte Landschaft vor uns trieb uns weiter. Wir waren sicher, hier waren wir die ersten in diesem Jahr. Irgendwie verständlich, es dauerte viel länger als im Wanderführer beschrieben, dennoch erreichten wir die Alm Vassendsetra am Ende des Gjevilvatnet . Hier gönnten wir uns erst einmal eine ausgiebige Brotzeit, wir studierten den weiteren Wegverlauf, der von nun an deutlich steiler wurde und in das Gebirge bis auf etwa 1100 Metern ansteigen sollte. Wir waren uns einig, wir versuchten den Rundweg wie im Wanderführer beschrieben zu gehen, sollte es aber gar nicht möglich sein den Weg zu gehen, würden wir umkehren wollen und auf gleichem Weg nach Storli zurück gehen. Aber wie ist das so schön mit den Vorsätzen? Sind die nicht dazu da um gebrochen zu werden? Hinter der Alm Vassendsetra stiegen wir zunächst durch ein sanft geschwungenes Tal bergan, der Schnee wurde hier schon deutlich mehr , wir erreichten einen Sattel und überblickten dabei eine tief verschneite Hochebene aus der nur ein einzelner Schilderbaum herausragte und den weiteren Weg nur erahnen ließ. Wir waren schon zu lange unterwegs und der Ehrgeiz trieb uns weiter. Umkehren? Jetzt? No go! Ohne Spur, nur nach Gefühl und der ungefähren Wegweisung, die uns der einzelne Schilderbaum anzeigte, stapften wir durch den Schnee, immer weiter aufwärts bis auf die Höhen des Hælbrona auf besagte 1100 Meter Höhe. Die Aussicht war einfach überwältigend. Tief unter uns lag der See Gjevilvatnet, unweit des Ufers konnten wir auch die Alm Vassendsetra ausmachen . Die Berge, einige sicher höher als unser Standpunkt, waren noch reichlich schneebedeckt. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel, so heftig, dass wir mit Sonnencreme unsere unbedeckte Haut schützen mussten. Mittlerweile waren Stunden vergangen, das Wandern wurde für uns nicht einfacher, der Schnee machte es uns nicht leichter vorwärts zu kommen. Als ob das alles noch nicht reichte mussten wir auch noch einen Gebirgsbach überqueren. Das war uns zwar klar, es stand ja schließlich auch im Wanderführer und wir hatten eigens dafür Sandalen in den Rucksack gepackt, doch was uns erwartete übertraf alle Vorstellungen. Die Ufer waren teilweise noch mit Schneewächten verhangen, nur unter erschwerten Umständen und deutlich weiter ab vom Weg gelang es uns einen geeigneten Punkt zu finden, an dem der Bach, der ja auch noch reichlich Schmelzwasser führte, zu furten war. Norbert wagte sich zuerst in die Strömung, tastete sich vorsichtig, auf die Wanderstöcke gestützt, Schritt für Schritt weiter bis er endlich das gegenüber liegende Ufer erreichte. Noch bevor ich mich in die Fluten stürzen konnte passierte mir ein Missgeschick: Während ich mir die Sandalen anzog trat ich auf die Schlaufe meines Rucksackes. Dort befestigt hing aber das Etui meiner Sonnenbrille. Knack - da war sie hin! Egal, nicht aufregen, selber Schuld, muss es halt auch ohne gehen. Gut, dass ich eine selbsttönende Brille habe, die wenigstens etwas verdunkelt, sonst wäre das Wandern gerade hier im Schnee nicht so toll gewesen. Etwa bis zur Hälfte schaffte ich die Furt bei eisig kaltem Wasser, dann verließ mich der Mut und auch die Kraft. Norbert stand auf der anderen Seite, redete auf mich ein, zeigte mir mit verlängerten Wanderstöcken auch den Weg aber ohne Hilfe war hier Schluss für mich. Was blieb Norbert anderes übrig, er kam zurück. Irgendwie schaffte er es doch mit gutem Zureden, gemeinsam überwanden wir schließlich doch den Bach. Trotz der anfänglichen Panik, ich war stolz auf mich. Ich hatte so etwas noch nie gemacht, es kostete mich reichlich Überwindung aber ich habe den inneren Schweinehund besiegt und eine Erfahrung dazu gewonnen. Der weitere Weg war danach schon fast unspektakulär, sieht man einmal davon ab, dass noch weite Wege über Schnee folgten. Erst später, der Abstieg zurück in das Toteis-Gebiet lag nun vor uns, wurde der Schnee wieder weniger, dafür aber der Morast wieder mehr. Dennoch gelang es uns genau die Weggabelung zu finden von wo wir auf bekanntem Weg auch zurück nach Storli wandern konnten.

Die Tour war schon sehr anstrengend, unter den genannten Umständen bestimmt auch nicht wirklich empfehlenswert sie zu gehen, dennoch wollen wir nicht einen Meter davon missen. Wir haben uns gefordert, schließlich hat es uns Spaß gemacht und die Erinnerung daran kann uns keiner mehr nehmen.

05.06.2008

Abschied nehmen! Es war einfach traumhaft hier in Gjøra. Wir verabschiedeten uns ganz herzlich bei Endre, dem Besitzer des Campingplatzes. Ein freundlicher, aufgeschlossener Mensch, der uns nicht nur gerne bei sich auf dem Campingplatz aufgenommen hat sondern uns auch gerne von Land und Leuten speziell aus dem Sunndalen erzählt hat. Das hinterlässt einen bleibenden Eindruck, Norbert und ich sind uns sicher, hierher wird es uns sicher noch einmal führen. Aber der Urlaub ging ja nun auch weiter, wir hatten noch so viel vor. Unsere nächste Destination sollte daher Åndalsnes sein. Von dort waren wieder einige Touren und Ausflüge geplant. Zunächst stand dazu aber mal der Weg dorthin an, den wir problemlos unter die Räder genommen haben. Niedergelassen haben wir uns auf dem Åndalsnes Camping direkt am Ufer des Flusses Rauma . Der Platz ist ziemlich groß und die Motorengeräusche der Fahrzeuge, die auf der gegenüber liegenden Flussseite dem Wegverlauf der Europastraße 136 folgen ist deutlich zu hören, der Ausblick auf die umliegenden Berge entschädigt aber für so manchen Kompromiss.

06.06.2008

Hätten wir gleich zu Beginn des Tages gewusst was uns im Laufe dessen so alles erwartet, wir wären sicherlich erst gar nicht aufgestanden oder hätten nur bequem vor dem Wohnwagen gesessen. Da wir aber nicht hellsehen können haben wir uns wohl auf die mit Abstand längste Tour begeben, die wir während unserer gemeinsamen Norwegenurlaube gemacht haben. Die Beschreibung im Wanderführer las sich so überzeugend, umringt von Zinnen hies es da, es stand was von einfacher Streckenwanderung, 15 Kilometer Länge und 5 Stunden reine Gehzeit, das sollte doch zu meistern sein! Eigentlich hätten wir schlauer sein müssen, schon am Gjevilvatnet war es ja nicht so einfach und die topografische Höhe sollte bei der heutigen Tour auch in etwa auf diesem Niveau stattfinden, bei dem wir zur Vassendsetra gestartet waren.

Zunächst ging es ja auch gut voran. Kaum hatten wir das Auto in Bøstølen abgestellt stiegen wir auf gut zu gehendem Pfad etwas an. Vorbei an tief eingeschnittenen Felsspalten die ein Gebirgsbach gegraben hat, wanderten wir durch üppige Vegetation, die, je höher wir voran kamen, immer lichter wurde und schließlich den Blick auf die umliegenden Berge freigab. Zur Rechten lag der Gebirgszug des Kammen, eben jenes Berges, den es im Laufe der Wanderung zu umrunden galt. Wir befanden uns nun auf einer Hochfläche, bisher trafen die Attribute aus der Beschreibung zu. Ein erstes Highlight auf dem Weg war die Hütte "For Fattig og Rik" . Schon von Weitem sahen wir diese kleine Hütte, die, wie es der Name schon sagt, offen steht für Arm und Reich. Auch wir haben uns darin umgesehen und eine kleine Rast eingelegt, beeindruckend aber war dort nicht die Einrichtung sondern die Gästebücher. Wir entdeckten im großen Stapel derer sogar ein Buch aus den späten 30er Jahren des letzten Jahrhundert. Auch deutsche Touristen (oder waren es vielleicht doch Wehrmachtsangehörige?) haben sich darin verewigt. Beeindruckend und erschreckend zugleich, berichtete gerade derjenige Schreiber davon ein paar Schafe geschlachtet und mit seinen Freunden gegessen zu haben. Nach der Hütte führte der Weg zunächst ganz sanft bergab. Bisher war noch alles so, wie es im Wanderführer beschrieben war. Spätestens beim Anblick des zugefrorenen Storvatnet aber hätten wir darüber im Klaren sein müssen, dass der Monat Juni sicher nicht der beste Wandermonat im Fjell ist. So idyllisch der See auch anzusehen war, die Berge umher lagen noch mit Schnee bedeckt vor uns und auch der Weg entlang des Sees erwies sich hier zunehmend morastig. Die starke Sonneneinstrahlung gerade hier auf der Südflanke des Kammen hatte den Schnee schmelzen lassen, der Boden war aber noch nicht abgetrocknet und entsprechend aufgeweicht stellte er sich dar. Bequemes Wandern darauf sah jedenfalls anders aus. Aber es sollte noch besser werden. Wir passierten auf einer guten und stabilen Holzbrücke den Abfluss des Storvatnet, jedoch änderte sich der Weg jenseits dramatisch . Zwar war die Navigation hier ganz leicht, wir brauchten nur dem abfließenden Wasser durch das vor uns liegende Tal zu folgen, der Boden wurde aber zunehmend morastiger und auch Markierungen waren eher selten. Dennoch fanden wir den Weg und Hinweise darauf wieder, vermutlich auch deshalb, weil uns aus Richtung Stordal ein dänisches Ehepaar entgegen kam. Die einzigen Menschen, denen wir heute begegnen sollten und wir waren erst (oder schon?) 4 Stunden unterwegs. Immer breiter erstreckten sich mittlerweile die Schneefelder die es zu überwinden galt, zwischen niederen Bäumen und gelegentlichen Bächen war es für uns nur schwer den richtigen Weg zu finden, irgendwie schafften wir es aber wohl auch meines ausgeprägten Spürsinns wegen immer wieder eine Markierung zu entdecken. Den Wendepunkt der Tour markierte die Fokhaugstova . Eine große, zweigeschossige Hütte, schon von Weitem zu sehen und daher kaum zu verfehlen. Eine Pause dort hatten wir uns verdient, viel länger als es im Wanderführer beschrieben stand hatten wir bis hierher gebraucht. Die Sonne brannte unerträglich warm, wir suchten Schutz unter Handtüchern, die wir für eine Furt im Rucksack eingepackt hatten. Bei aller Sorgfalt, die Arme, Hals und Gesicht hatten wir mit Sonnencreme eingerieben, die Beine hatten wir aber dabei vergessen. Wir versuchten die Gefahr des Sonnenbrandes damit zu minimieren indem wir unsere Hosen wieder anzippten, zu spät, die Waden und Schienbeine hatten allzu viel Sonne abbekommen und brannten prächtig. Erst jetzt begann der Weg richtig anstrengend zu werden. Gleich hinter der Fokhaugstova führte der Weg zunächst über freies Wiesengelände, im Sommer mögen hier auch Kühe weiden, heute erwies sich aber gerade dieses Teilstück als schwierig. Auch hier war der Schnee wohl noch nicht lange geschmolzen, der Boden war tief und von kleinen Wasserläufen wie Adern durchzogen. Immer wieder mussten wir ausweichen, der Weg verlängerte sich daher mit jedem Umweg. Die Stunden auf den Beinen machten sich jetzt bemerkbar als wir endlich die Furt erreichten, die auch im Wanderführer beschrieben stand. Was uns hier aber erwartete übertraf all unsere Vorstellung . Da standen wir am Ufer eines ausgewachsenen Flusses. Schnell fließend, unterspülte Ufer, tiefe Rinnen darin, Schneefelder bis an den Rand, wie sollten wir da rüber kommen. Etwa 1einhalb Stunden suchten wir nach einer geeigneten Stelle zum Furten, die eigentliche Furt, vom Vorjahr noch mit Stangen markiert, erwies sich nämlich als gänzlich unpassierbar. Wir überlegten sogar von hier aus zurück zu gehen, waren uns aber bewusst darüber, dass es wohl wieder 7 Stunden bis zum Ausgangspunkt zurück bedeuten würde. Mit dem Mut der Verzweifelung machte ich diesesmal den Anfang. Ich kletterte über den unterspülten Rand des Ufers, setzte meinen Wanderstock fest auf den Boden auf, und rutschte langsam mit dem ganzen Körper in das Wasser, das mir gerade zu Beginn der Furt bis deutlich über den Schritt reichte. Der Wasserdruck war enorm, mit aller Gewalt stemmte ich mich gegen die anströmenden Fluten. Ich weis nicht wie, irgendwann wurde das Wasser flacher, ein vom gegenüberliegenden Ufer herabhängender Ast kam mir in greifbare Nähe, ich zog mich daran weiter und stand dann auf der anderen Flussseite. Welch ein Wahnsinn, was hätte da alles passieren können! Auch Norbert hatte so seine liebe Mühe aufrecht zu bleiben, auch er stemmte sich fest auf seine Wanderstöcke und gelangte so auch auf die andere Flussseite. Die Sandalen konnten wir aber gleich anlassen, ein weiterer Flussarm musste gequert werden, ein Kinderspiel im Vergleich zu dem, der hinter uns lag. Endlich hatten wir die Furten hinter uns, jede Menge Schnee lag aber nun vor uns. Der Litlevatnet zeigte sich ebenso zugefroren wie der Storvatnet noch am Morgen, direkt an dessen Ufern sollte der Wanderweg eigentlich vorbei führen. Aber nichts davon zu sehen, Schneefelder bedeckten förmlich den ganzen Berghang und liefen im zugefrorenen See aus . Wie sollten wir da durchkommen? Dennoch, auch hier war die Navigation recht simpel, wir brauchten nur geradeaus weiter zu kommen, immer am See lang und aufpassen, dass wir nicht im Schnee oder Eis des Sees einbrachen. Es war fürchterlich, uns war es zwischenzeitig egal ob der Schnee in den Schuhen schmolz, ob die Hosen dreckig und nass waren, wir wollten einfach nur zurück, zurück zum Wohnwagen und nur noch die Beine hochlegen. Nach 11einhalb Stunden schafften wir es tatsächlich. Völlig ausgepowert erreichten wir das Auto, nur noch der Gedanke an ein Bier hielt uns aufrecht. Das allerdings blieb uns an diesem Abend verwährt, der Kiwi in Åndalsnes jedenfalls wies uns darauf hin, dass es in Norwegen nach 20 Uhr kein Bier mehr im Supermarkt gibt. Und die Uhr zeigte schließlich 22 Uhr 45. Schade drum, hätten wir das gewusst, wir hätten uns vorher eingedeckt damit.

Rückblickend können wir es nur bestätigen, der Monat Juni ist für Fjellwanderungen speziell in den Gebieten, in denen im Winter viel Schnee gefallen ist, nicht wirklich geeignet. Wir haben aber wieder Eindrücke erlebt, die so unwahrscheinlich schön waren, uns so viel Überwindung gekostet haben und dennoch haben wir jeden Schritt genossen. Das Erlebnis ist so intensiv, davon können und wollen wir im Nachhinein nicht einen Meter, nicht eine Sekunde missen. Sind es nicht gerade diese Herausforderungen denen man sich stellen muss, die in Erinnerung bleiben? Wir werden auch in Jahren davon erzählen können, soviel ist sicher.

07.06.2008

Schöne Ausrede um Nichts zu tun: Die Schuhe sind noch nicht trocken!

Im Ernst, heute geht gar nichts, selbst der Einkauf des gestern so sehnlich erwarteten, dennoch nicht bekommenen Bieres fällt uns ziemlich schwer. Die Beine sind zwar dran, irgendwie wollen die aber nicht so, wie wir wollen. Wer Muskelkater hat soll gleich weitermachen, so heisst es, wir haben uns aber entschlossen diese Regel zu ignorieren. Ist zwar ein wenig traurig, in der Sonne liegend die Stunden vergehen zu lassen und wirklich nichts zu tun hat aber auch mal was. So geschehen am heutigen Tag, daher auch kein so umfangreicher Tagesbericht.

08.06.2008

Schade, das Wetter war über Nacht schlechter geworden. Der Himmel hatte sich zugezogen, nichts mehr mit blauem Himmel und Sonne. Auch die Temperatur war merklich in den Keller gegangen aber immer noch so gut, dass wir es doch noch mal versuchen wollten ein paar Schritte zu machen. Wir hatten wir uns eine Tour zum Reindalseter ausgesucht. Dazu mussten wir aber erst einmal nach Tafjord anreisen. Den Trollstig kannte ich bisher ja nur von unten, im Jahr 2004 war die Straße ja noch gesperrt und es blieb nur die Ansicht von unten, heute hatte ich dann das Vergnügen mit Norbert auch einmal diese berühmte Passstraße zu passieren. Meine Güte, die Straße ist ja doch spektakulärer als ich angenommen hatte, die Aussicht in das Isterdalen ist auch bei diesem Wetter klasse, was mich aber viel mehr beeindruckt hat war der viele Schnee hier oben . Davon hatten wir zwar in den letzten Tagen während unserer Wanderungen noch genug abbekommen, dass es aber sogar noch möglich war hier Ski zu fahren beeindruckte mich doch sehr.

Von Tafjord aus befuhren wir mindestens genauso bezaubernde Straßen wie den Trollstig, klein und verwinkelt schraubten wir uns Meter um Meter höher bis zum Parkplatz am im Fels gehauenen Kraftwerk am Sakrisvatnet. Hier ist der Ausgangspunkt der Wanderung, eigentlich als ganz leicht beschrieben, doch was machten da meine Beine? Irgendwie gehörten die immer noch nicht so richtig zu mir, ich stolperte ziemlich unwillig hinter Norbert her und konnte, vielleicht lag es auch am regnerischem Wetter, die Tour so gar nicht genießen. Die Hälfte des Weges schafften wir trotzdem, vielleicht auch das Highlight. Schon von weitem hörten wir das Rauschen des Reindalsfossen der sich am Ende des Sakrisvatnet darin ergießt. Nur vereinzelt gelingt aber ein schöner Blick auf den Wasserfall, zu tief eingeschnitten liegt der Fels, durch den die Wassermassen strömen. Daher wanderten wir zunächst noch ein Stück weiter. Erst von der oberen Abbruchkante gelang uns ein schöner Blick auf den Verursacher des Rauschens. Wir haben auf einem Felsvorsprung Platz genommen , haben etwas getrunken und einfach nur geschaut. Für heute musste das reichen, noch höher aufsteigen wollte ich auf gar keinen Fall und zurück mussten wir ja auch noch. Das Wetter leistete an sich auch wertvolle Überzeugungsarbeit, auch Norbert, der war eindeutig besserer Dinge als ich, ließ sich angesichts des einsetzenden Regens zur Umkehr bewegen.

Schon früh führte uns der Weg dann wieder zurück zum Wohnwagen. Die Bergwelt entlang des Trollstigen war durch die tiefhängenden Wolken noch dramatischer, fast düster geworden. Immer noch zogen vereinzelte Skiläufer ihre Bahnen. Mir war es hier zu ungemütlich, der Wind hatte deutlich aufgefrischt und der Regen war kräftiger geworden. Norbert ließ es sich aber nicht nehmen vom Parkplatz an der Passhöhe des Trollstiges noch ein paar Photos zu machen. Irgendwie war meine Stimmung und auch Motivation mit der Sonne der vergangenen Tage verschwunden, ich brauchte noch ein wenig Entspannung, zu sehr steckten mir noch die Strapazen der Tour um den Kammen in den Knochen. So war ich froh zurück zum Wohnwagen zu kommen und den Rest des Tages, gemütlich bekleidet und vor der Flimmerkiste sitzend ausklingen zu lassen.

09.06.2008

Das Wetter war immer noch nicht viel besser geworden, in der Nacht hat es sogar kräftig auf das Wohnwagendach getrommelt. Uns fiel der Abschied in Åndalsnes daher auch nicht besonders schwer, hatten wir doch die Hoffnung, dass es sich bis zu unserer nächsten Destination gebessert haben könnte. "Back to the Roots" - so hätte unser Motto für den heutigen Tag lauten können. Uns zog es wieder an den Nordfjord, nach Stryn, nach Olden und auf den Gryta-Camping. Ein Geheimtipp, den es aber von Åndalsnes auch erst mal zu erreichen gilt. Manchmal bewundere ich die Ausdauer und Gelassenheit Norberts am Steuer. Nicht immer sind die Straßen breit genug und gut ausgebaut, da gehört schon ein bisschen mehr Konzentration beim Fahren dazu, wieder brauchten wir Stunden mit dem Wohnwagen hinten dran. Unser Wunsch ging leider nicht in Erfüllung. Immer wieder regnete es kräftig, wir erreichten Gryta am Oldevatnet und es regnete immer noch. Nur eine kurze Lücke zwischen zwei Schauern blieb uns zur Installation des Wohnwagen, danach mal wieder süßes Nichtstun.

10.06.2008

Es regnete immer noch, es war so gar kein Wetter um irgendwelche Outdoor-Aktivitäten zu unternehmen. Das einzige was ging war Sightseeing und Einkauf. Lebensnotwendige Sachen waren das aber nicht gerade, Marmelade halt von Lerum, unserer favorisierten Marke in Norwegen und in ein Sportgeschäft mussten wir auch noch. Ich hatte an einem meiner Wanderstöcke den Teller verloren, mal sehen, ob es den im Sportgeschäft in Stryn ersatzweise gibt. Leider gab es den Teller in Stryn nicht, die Marmeladen waren auch nicht in den Sorten vorrätig, die wir gerne gehabt hätten, da blieb nur der Bummel entlang der Einkaufsstraße in Stryn. Norbert interessierte sich für zwei schön anzuschauende Kerzenständer aus Glas und Edelstahl, stellte die Objekte der Begierde dann angesichts des Preises aber schnell wieder zurück ins Regal. Nein, es lag jetzt nicht am Regen und dem damit zusammenhängenden Frust der auch gerne mal im Kaufrausch endet aber ich hatte da doch etwas mehr Glück als Souvenirjäger. Ich entdeckte eine Fleece-Jacke im Stil der norwegischen Flagge . Ich denke, mein Augenaufschlag und die Kunst Norbert davon zu überzeugen, dass ich dieses Kleidungsstück einfach brauchte um glücklich zu sein, haben den Ausschlag dazu gegeben, dass ich heute stolzer Besitzer dieses wunderschönen Teils bin.

Noch war es viel zu früh am Tag als das wir wieder zurück zum Wohnwagen gewollt hätten. Wir berieten uns kurz und entschlossen das Jostedalsbreen Nationalparkcenter zu besuchen. Nicht wirklich günstig, dafür aber sehenswert. Schwerpunktmäßig dreht es sich in der Ausstellung um die Geologie, Entstehung und Vergang des Jostedalsbreen, die Tier- und Pflanzenwelt nicht nur im Nationalpark Jostedalen und um die Kulturgeschichte von den frühen Jahren der Besiedlung bis heute. Erst in der Ausstellung erfuhren wir von den Lawinenunglücken im Lodalen. Entsprechend informiert interessierte es uns beide, den Ort der Ereignisse einmal live und aus nächster Nähe zu betrachten, so machten wir uns vom Nationalparkcenter auf zur Unglückstelle im Lodalen . Zunächst führte uns eine wirklich kleine Straße von Loen entlang des Loenvatnet bis an den Ort des Gedenkens . Eine kleine Tafel erinnert an die Toten der Unglücke in den Jahren 1905 und 1936 als sich vom gegenüber liegenden Berg Ramnefjell große Gesteinsmassen lösten und in den See Loenvatnet stürzen. Dabei entstanden regelrechte Tsunamis die die Dörfer Bødal und Nesdal zerstörten. Trotz des schlechten Wetters - oder vielleicht gerade deswegen - wir verharrten hier in Andacht, wir stellten uns im Stillen das Getöse eines Fels- und Erdrutsches solcher Dimensionen vor, dass es eine Flutwelle von 70 Metern auslösen konnte. Noch heute ist die Flanke des Berges gekennzeichnet, große Flächen sind ohne Bewuchs, deutlich sind die Spuren der Felsrutsche auch noch nach Jahrzehnten zu sehen .

Übereinstimmend stellten wir fest, hier mussten wir noch einmal hin. Zwar war das Wetter heute nicht auf unserer Seite, bei schönem Wetter ist aber gerade hier in diesem hinteren Teil des Nordfjordes sicher noch so manche Tour zu machen. Überall Highlights, verborgen zwar, die aber nur darauf warten, von uns entdeckt zu werden. Wir werden wiederkommen müssen und wir werden wiederkommen, das steht jetzt schon fest!

11.06.2008

Nicht schon wieder nur Nichtstun! Irgendwie wollte das Wetter nicht besser werden, fast hatte es den Anschein als das der Nordfjord mit den dazugehörigen Tälern ein richtiges Regenloch ist. Auch heute gab es nur vereinzelte Aufklarungen, sonst war Regen der normale Zustand. Nichts desto Trotz, wir streiften unsere Regenponchos über und begaben uns zum nicht weit vom Gryta-Camping entfernten Briksdalsbreen. Da waren wir gar nicht schlecht überrascht, ganze Bussladungen an Touristen rannten da rum. Gut, während des Frühstückes hatten wir schon einen Reisebus in Richtung Briksdalsbreen fahren sehen, dass aber gleich mehrere direkt vor der Briksdalsbre Fjellstove standen erstaunte uns schon etwas. Wir parkten das Auto auf einem der gebührenpflichtigen Parkplätze, der Touristennepp hat hier Methode, und begaben uns, trotz Regens, auf den etwa ein stündigen Marsch zur Gletscherzunge Briksdalsbreen. Die in Bussen angekarrten Touristen, hauptsächlich Japaner, kamen uns auf halben Weg schon entgegen. Freundlich grüßend, teilweise nur mit Plastiktüten behangen um sich vor dem Regen zu schützen, in jedem Fall aber mit unsachgemäßen Schuhwerk, kamen uns ganze Heerscharen entgegen. Allein waren wir hier jedenfalls nicht. Trotzdem zollten wir gerade den Japanern Respekt, die ließen sich vom Wetter nicht beeinflussen und machten das Beste daraus. Überrascht waren wir auch über die Tatsache, dass so gar keiner die eher unromantische Art der Fortbewegung mittels Elektromobile wählte, die Chauffeure derer hatten nicht viel zu tun. Wären noch die Pferdekutschen unterwegs hätte es wohl ganz anders ausgesehen. Die Felsen des sich immer schmaler zuziehenden Tals zeigten nun deutlich die Spuren des vergangenen Eises. Glatt geschliffen, fast poliert und durch die Nässe fast schwarz schimmernd erhoben sich steile Wände um uns herum. Daran rauschten hier und da Wasserfälle herab, namenlos, da sicher zum Teil nur vom Schmelzwasser der letzten Tage gespeist. Erstaunlich, der Sommer hatte hier schon seine Kraft bewiesen, auf den Almwiesen blühten die Blumen und die Ziegen hatten am frischen Grün genug Futter, die Bergspitzen zeigten aber trotzdem eine neue Haube wie gepudert aus Schnee . Im Hintergrund kam zum ersten Mal die Gletscherzunge Briksdalsbreen in Sicht. Noch teilweise in Wolkenfetzen verhangen erkannten wir schon aus der Ferne seine Größe . Der weitere Weg ist nicht besonders spektakulär, gut ausgebaut ist er wohl ein Zugeständnis an die großen Touristenströme die sich Tag für Tag hierher aufmachen. Um derer Herr zu werden ist auch die Abbruchkante des Gletschers gesichert, bestimmt schon 50 Meter vor dem Eis sind Seile und Ketten zur Sicherung gespannt. Auch das Eis des Briksdalsbreen ist in Bewegung, das beweist schon die zerrissene Oberfläche, da sollten Warnhinweise und Absperrungen ernst genommen werden . Es ist daher für uns nicht verständlich, dass ausgerechnet deutsche Touristen mal wieder mit schlechtem Beispiel sprichwörtlich voran gehen und die Absperrung überwinden um sich direkt vom Gletscher ein Stück Eis abzubrechen um damit den zur Feier des Tages mitgebrachten Kräuterschnaps zu kühlen. Da hätte es auch ein Stück Eis direkt aus dem vorgelagerten Gletschersee getan. Das war jedenfalls ohne Risiko des Eisbruches zu erreichen und schwamm in Ufernähe auf dem milchigen Wasser . Zurück dann auf gleichem Weg, wir vermieden bewusst den Kontakt zu anderen Touristen. Lieber blieben wir stehen, machten hier und da noch ein paar Photos und gewannen so Abstand zu den vor uns herlaufenden Menschen. Erst zurück an der Briksdalsbre Fjellstove konnten wir den Massen nicht mehr ausweichen. Das war uns dann aber auch egal. Schnell waren wir im und mit dem Auto verschwunden. Wohnwagen, wir kommen!

12.06.2008

Halbzeit!

Gryta-Camping ist uns wert und teuer, die Ziegenböcke des Mini-Zoo dort bleiben uns in Erinnerung, ebenso Dagfinn Gytri, der Betreiber des Platzes, dennoch zieht es uns heute weiter. Es zieht uns weiter zu unserer heimlichen Liebe, zu Thomas Dalsøren, nach Luster an den Lustrafjord. Es ist wie einen Freund besuchen. Der Seniorchef ist das Herz des Campingplatzes, er würde uns fehlen wenn er einmal nicht mehr da sein würde. Wir fühlen uns einfach nur wohl dort. Schon zwei mal waren wir bei Thomas zu Gast, heute sollte unser dritter Aufenthalt dort folgen. Wir haben uns in Luster viel vorgenommen, mal sehen was das Wetter der nächsten Tage so bringt.

13.06.2008

Nie hätten wir gedacht, dass wir von Luster aus so eine tolle Wanderung machen können. Auf der Straßenkarte entdeckte ich die Straße durch das Dalsdalen. Nach etwa zwölf Kilometern ist Schluss, die Straße, später nur noch eine Schotterpiste, endet als Sackgasse am Hof Kilen . Nur einige Meter vom Hof entfernt beginnt ein kleiner Wanderweg, der sich augenblicklich an den sich im Tal zuziehenden Bergflanken emporschraubt. Schon nach wenigen Metern hatten wir "Betriebstemperatur" erreicht. Dichter Wald umgab uns, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit machte uns hier aber zu schaffen. Es war fast tropisch, entsprechend üppig war auch der Bewuchs. Farne, so hoch, dass ich mich darunter hätte verstecken können, wuchsen zwischen den Bäumen . Holzwirtschaft wurde hier jedenfalls nicht betrieben, teilweise wie in einem Mikado-Spiel lagen abgebrochene und umgestürzte Bäume kreuz und quer und hinterließen den Eindruck eines Urwaldes. Der Pfad selbst war schmal und rutschig, von überall ergoss sich Wasser und das lief teilweise über den Weg, wusch diesen aus und machte besonders die freigelegten und glatten Steine noch rutschiger. Waren es mal nicht die moosbewachsenen Steine dann galt es besondere Vorsicht bei den mit Laub überzogenen Wurzeln walten zu lassen. Diese stellten sich auch als ziemlich unberechenbar dar. Gerade an so manchem Steilstück des Weges mussten wir daher aufpassen wohin wir unsere Füße stellten. Trotzdem, der Weg war so ganz nach meinem Geschmack, ich liebe diese vergessenen Wege, die womöglich schon seit Ewigkeiten keiner mehr vor uns gegangen ist. Nach einer ganzen Weile des schweißtreibenden Aufstieges gelangten wir auf eine Hochalm. Verfallene Hütten und nur mit losen Steinen eingefriedete Wiesen deuteten wohl auf den einstigen Almbetrieb hin, nur ein kleines Schild nannte uns den Namen dieses Seters: Kilali. Ein paar Schafe sahen uns aus der Ferne an, zeigten aber an unserer Anwesenheit sonst kein Interesse . Die Aussicht war deutlich besser als im Wald. Wir überblickten den steilen Aufstiegshang, gegenüber war noch so eben der Hof Kilen zu sehen, sonst nur steile Bergflanken auf und durch die kein weiterer Weg auszumachen war. Dennoch führte der Weg geradeaus weiter. Wir verließen die Almhochfläche und verschwanden unvermittelt wieder im Wald. Gleich stieg der Weg wieder an, wurde wieder schmal wie zu Beginn und ließ nur an den weniger bewachsenen Stellen eine Aussicht in das obere Dalsdalen zu. Stille, hier und da das Zwitschern eines Vogels, sonst waren wir allein. Nach einiger Zeit gelangten wir an eine mit verschiedenen Wegweisern markierte Kreuzung. Das Dalsdalen schien hier zu Ende zu sein, an der Passhöhe führte der Weg weiter geradeaus und in das Vigdalen hinab. Zur linken führte der Weg zur Alm Navarsete und Gaupne und rechter Hand war die Ferienhaussiedlung Vigdalstølen ausgeschildert. Wir entschieden uns für diesen Weg. Jetzt wurde der Weg deutlich besser, der Bewuchs wurde lichter und die Sicht auf die auf einem Hochplateau stehenden Hütten wurde bald möglich . Es war schön hier. Eine weite, freie Fläche, umgeben von sanften, dennoch schneebedeckten Bergrücken. Niemand schien hier zu sein obwohl so manche der Hütten bewohnt aussahen. Wir versuchten hinter dem Plateau von Vigdalstølen einen Weg wieder zurück in das Dalsdalen zu finden, das steile Gelände ließ aber keinen Abstieg zu. So blieb uns nach einer kurzen Rast nur der gleiche Weg zurück. Nicht schlimm, wir haben die Erkenntnis gewonnen, dass die geänderte Laufrichtung auch geänderte Blickwinkel bietet. Zurück an der Alm Kilali hatten die Schafe nun deutlich mehr Interesse an uns. Als wir hier noch einmal eine kleine Rast einlegten und den Blick über das obere Dalsdalen schweifen ließen kamen die Tiere, hier speziell ein Mutterschaf mit drei Lämmern, näher . Fast schon aufdringlich umkreisten sie uns, Norbert wurde gar von einem der Jungtiere angesprungen, in der Hoffnung vielleicht auch etwas vom begehrten Müsliriegel abzubekommen. Doch da hatten sie die Rechnung ohne Norbert gemacht. Ich teilte brüderlich. Erstaunlich, was Schafe so alles fressen, Müsliriegel mit Waldfruchtgeschmack stand jedenfalls auch auf deren Plan ;-)

Erst im Nachhinein stellten wir fest, dass der hier beschriebene Weg Teil des alten Kirchweges von Gaupne zur Kirche in Dale ist. Diese findet man im heutigen Luster. Der Ort war zu jener Zeit aber noch nicht über eine Straße mit Gaupne entlang des Fjordes verbunden, da blieb den Kirchgängern nur dieser Pass über die Berge. Wir haben uns die Kirchgänger vorgestellt, bei Wind und Wetter und im Sonntagsgewand. Es mag schon eine gehörige Portion Glaube dazu gehört haben um diesen wohl eher strapaziösen Weg zur Kirche zurückzulegen. Uns jedenfalls hat es für heute gereicht!

14.06.2008

Wir hatten es uns abgeschminkt. Noch bevor wir in den Urlaub starteten hatten wir geplant, verschiedene Wanderungen anhand der Wanderführer ausgesucht und auch danach unsere Reiseroute berechnet. Der Aufstieg auf den Galdhøpiggen hatten wir uns auch vorgenommen und sollte eigentlich sogar das Highlight in diesem Jahr darstellen, hatte gerade ich es mir doch gewünscht in meinem 50. Lebensjahr auf Norwegens höchsten Berg zu stehen. Leider hatten wir im Laufe der letzten Tage ausgesprochen viel Bekanntschaft mit Schnee gemacht und waren dabei über eine Höhe von 1100 Metern nie hinaus gekommen, wie sollte da ein Hochgebirgsgipfel mit über 2600 Metern für uns sicher nicht optimal ausgerüstete Touristen machbar sein? Hier in Luster jedenfalls verabschiedeten wir uns vom Gedanken in diesem Jahr, und auch noch so früh im Laufe dessen, auf den Galdhøpiggen zu steigen. Es lag einfach noch zu viel Schnee im Gebirge.

Und wenn wir schon nicht auf den höchsten Berg Norwegens steigen können, dann wenigstens Sightseeing auf Nordeuropas höchster Passstraße, der Straße über das Sognefjell. Die Fahrt vom Fjord aus in das Gebirge verschaffte uns wieder einmal, typisch für Norwegen, den Genuss wechselnder Jahreszeiten und Wetterumstände innerhalb nur weniger Kilometer und Minuten. Zu Beginn schien in Luster noch die Sonne, am Ende dessen zogen die Wolken schon an den Berghängen herunter. Die Auffahrt nach Fortun und Turtagrø zeigte sich schon durchwachsen, hier und da fielen vereinzelte Regentropfen, oberhalb von Turtagrø am Aussichtspunkt Oscarshaug war es schon Schneeregen und zu guter Letzt, auf der Passhöhe nahe der Sognefjell Hütte, schneite es kräftig. Die Schneewände entlang der geräumten Straße waren sicher noch über zwei Meter hoch. Um uns herum nichts als konturloses Weiß oder fast schon Grau. Bei den tiefhängenden Wolken und dem ergiebigen Schneefall vermischten sich alle Farben zu einer Einheit, an der sich keine festen Kontraste bilden wollten. Waren da tatsächlich Berge oder war es doch nur ein Schneefeld? Ein See, überfroren vielleicht, oder doch nur eine mit Schnee ausgefüllte Talmulde? Es war einfach überhaupt nicht einladend hier oben, es war kalt und der Schnee trieb uns wie Nadelspitzen in das Gesicht. Der Wind blies heftig, einfach kein Ort, an dem es wirklich gelohnt hätte, sich länger aufzuhalten . Schön, dass wir das Sognefjell auch anders in Erinnerung hatten. Unter den gegebenen Umständen machte es wirklich keinen Sinn über eine Hochgebirgstour nur noch einen Gedanken zu verschwenden. Der Galdhøpiggen war somit für dieses Jahr von der Liste gestrichen. Aber wir haben die Gewissheit, wir werden wieder kommen und beim nächsten Versuch wird es bestimmt klappen. Norbert hat für den Fannaråken auch drei Anläufe gebraucht! Zurück auf gleichem Weg und bei gleichen Bedingungen. Man mag es nicht glauben, nach unserer Ankunft zurück in Luster schien sogar wieder die Sonne und wir konnten unsere Brownies, die wir in der neu eröffneten Bäckerei Lustrabui erworben hatten, sogar vor dem Wohnwagen sitzend bei einer guten Tasse Kaffee genießen.

15.06.2008

Vi ses neste år!

Mit diesem Versprechen verabschiedeten wir uns am heutigen Sonntag von Thomas in Luster. Es schneidet uns ins Herz. Gestern noch Wetterkapriolen, heute so, als ob es nicht schöner hätte sein können. Herrlichster Sonnenschein, traumhafte Temperaturen, eigentlich nicht der Tag um weiter zu reisen. Wir wollten und mussten schließlich aber weiter zurück in den Süden und da es im letzten Jahr aufgrund schlechten Wetters zu den Wanderungen auf der Folgefonn-Halbinsel nicht gereicht hat, entschlossen wir uns heute bis dorthin zu reisen. Auf der Karte sieht das alles so einfach aus. Die paar Kilometer bis an das äußere Ende des Sognefjordes , dann der Sprung Richtung Bergen und von dort zur Folgefonn-Halbinsel - ein Katzensprung! Bei der Verabschiedung von Thomas schaute der schon etwas skeptisch, viel zu viel Kilometer, doch Norbert zeigte sich ganz optimistisch. Wir waren früh unterwegs, die Uhr zeigte kurz nach 9, es war Sonntag und die Straßen frei von großartigem LKW-Verkehr, da sollte es doch problemlos möglich sein, diese Strecke zu bewältigen. Stunden vergingen, zweifellos auch schöne Strecken und Landschaften zogen an uns vorbei. Mich als Beifahrer braucht es ja nicht zu belasten, ich sitze daneben und lasse mich chauffieren, dennoch war es für mich auf Dauer auch nicht wirklich entspannend, zumal ich für die Navigation verantwortlich war. Allein die drei Fjordfährfahrten sorgten für Abwechslung während der auch Norbert mal etwas Ablenkung vom konzentrierten Fahren bekam. Zum fortgeschrittenen Nachmittag machte sich gar bei Norbert Unruhe breit, er zeigte tatsächlich Anzeichen nicht mehr weiter fahren zu wollen, irgendwie schlauchte das Fahren ungemein. Die Straßen wurden teilweise ganz schmal und kurvig, da war es nicht einfach immer noch konzentriert bei der Sache zu bleiben. Schließlich fanden wir erst gegen 18 Uhr 30 einen Platz in Uskedal auf der Westseite der Folgefonn-Halbinsel . Der Platz war jetzt nicht wirklich der Hit, Norbert zog hier aber den heutigen Schlussstrich. Keinen Meter mehr weiter. Nach über 400 Kilometern war das Ende der Etappe erreicht, eine Gewalttour, wie wir sie sicher in der Art nicht mehr machen wollen.

16.06.2008

Jetzt haben wir den weiten Weg hierher gemacht, da möchten wir uns auch wieder bewegen. Dazu haben wir uns eine Wanderung zum Bondhusbreen ausgesucht. Von Uskedal aus fuhren wir dazu erst einmal wieder zurück in Richtung Rosendal, weiter entlang der Küstenlinie bishin zum Ort Sunndal. Eine zweifellos schöne Straße und auch die Berge umher stehen im gelungenen Kontrast zum Fjord. Verfahren ist hier nicht möglich, genügend Hinweise führen zum außerhalb des Ortes liegenden Parkplatz. Wir erahnen hier schon die landschaftliche Dramatik, die Nähe des Folgefonn-Gletscher ist hier offensichtlich. Gleich zu Beginn der Wanderung umgeben uns steile Bergflanken, glattgeschliffene Felsen und ein türkis schimmernder Gebirgsbach , der zunächst noch durch üppiges Weideland führt. Schafe und Kühe sind überall zu sehen und die erfreuen sich an der Vielfalt der Pflanzen. Über gut ausgebautem Weg geht es zunächst ganz leicht bergan. Das Rauschen des Abflusses des Bondhusvatnet ist allgegenwärtig. Schon bald erreichen wir den See. So idyllisch hier. Tief eingeschnitten ist das Bondhusdalen, umringt von steil aufragenden Bergen mit üppigem Bewuchs schmiegt sich der Bondhusvatnet in das Tal und gibt beim Blick über das Wasser einen ersten Blick zur Gletscherzunge des Bondhusbreen frei . Eine tolle Szenerie, einzig der Sightseeing-Hubschrauber stört ein wenig. Der fliegt ständig in das Tal ein, steigt über dem Gletscher auf, kreist dort über den Bergen um dann durch das Bondhusdalen wieder abzufliegen. Der Lärm ist beachtlich und stört hier tatsächlich die Idylle. Wir entschließen auf nun deutlich schlechterem Weg entlang des Sees weiter vor zu gehen. Im Wanderführer wird der Weg beschrieben, erst am gegenüberliegenden Seeufer beginnt der kurze aber steile Aufstieg zum Gletscherfall. Diesen wollen wir ja schließlich aus nächster Nähe sehen. Den Gletscher verlieren wir zunächst wieder aus den Augen, dafür ist aber die Sicht über den überaus idyllisch liegenden See um so besser . Grün schimmernd liegt er da und lässt uns dennoch bis tief unter die Wasseroberfläche blicken. Dicke Felsen liegen darin, Zeugnisse großer Steinbrüche, die von den steilen Bergflanken in die Talsenke gestürzt sind. Der Weg hinauf zur Endmoräne des Gletschers ist streckenweise etwas morastig, liegt aber wohl auch daran, dass hier vor uns schon tausende gegangen sein müssen und die Errosion des Bodens dadurch deutlich fortgeschritten ist. Bald wird der Weg wieder flacher und wir stehen tatsächlich direkt unterhalb des Gletscherfalls. Enttäuschend! Wir wollten dem Gletscher ganz nah sein aber auch hier wiesen schon deutlich vorher aufgestellte Warnhinweise auf die Bewegung im Eis und die daraus resultierenden Gefahren des Eisbruches hin. Außerdem ist der Blick auf den Gletscherfall eher bescheiden, entzieht sich das Eis oberhalb von uns durch eine Linksbiegung des Tals unseren Blicken . Wir stehen zwar vor der Stirnseite des Gletscherfalls des Bondhusbreen, diese ist aber keineswegs besonders breit oder spektakulär. Einzig die zerrissene, tief zerfurchte Oberfläche und die Blaufärbung des Eises ist hier noch erwähnenswert. Wir sind jedenfalls zu dem Schluss gekommen, dass ein Aufstieg hierher nicht lohnt, den besseren Blick hat man jedenfalls direkt vom Nordrand des Bondhusvatnet aus. Da ist man zwar noch weit entfernt, durch das Fernglas oder Teleobjektiv betrachtet erkennt man aber sicher mehr vom Gletscher und dessen Zunge Bondhusbreen als von hier, wo wir direkt davor stehen.

17.06.2008

Die Tour gestern war landschaftlich zwar nicht wirklich schlecht, das Ziel hat uns beide aber wenig überzeugt. Noch des Abends nach der Rückkehr, es hatte sich leider etwas zugezogen und vereinzelt fielen auch ein paar Tropfen, saßen wir noch vor dem Wohnwagen und bestaunten das direkt vor dem Ort Uskedal emporsteigende Englafjell. Norbert trieb es förmlich dort hinauf, die Beschreibung im Wanderführer schreckte mich aber mehr ab: 1200 Höhenmeter des Aufstieges wollen erst mal bewältigt werden und das nur der Aussicht auf die Schären vor dem Uskedalen wegen? Da muss es doch noch was anderes geben. Und es gab noch was anderes. Der Zufall brachte uns während eines kurzen Einkaufes im Spar-Markt in Uskedal zu einer Handskizze, die den Aufstieg zum Storhaug beschrieb. Dieser Berg liegt gegenüber des Englafjells, ist nur etwa die Hälfte dessen hoch und wesentlich einfacher zu besteigen. Zu diesem Kompromiss war ich bereit und Norbert fügte sich, zunächst etwas widerwillig, dem Entschluss, den hauptsächlich ich trug. Der Aufstieg war allerdings etwas "bescheiden". Steil bergauf führte der Traktorweg zunächst über Viehweiden auf denen tatsächlich noch Kühe grasten. Später verschwand der Weg im dichten Nadel- dann Laubwald und versperrte die Sicht auf das Uskedalen, das Englafjell und den Kvinnheradsfjorden. Wir schwitzten erbärmlich, die hohe Luftfeuchtigkeit war schwer zu ertragen und das zog tausende kleiner Fliegen an. Die waren sehr lästig, die setzten sich auf verschwitzte Haut ebenso wie sie in den Mund, die Augenwinkel und die Ohren kriechen wollten. Einfach widerlich, wir versuchten uns dabei mit wedelnden Händen vor der Übermacht zu schützen - vergeblich. Erst weiter oben, der Wald lichtete sich und ging in ein Hochfjell über, wehte ein wenig Wind, so dass die Fliegen sofort von uns abließen. Und dann diese Aussicht. Augenblicklich war auch Norberts Laune besser. Der Blick richtete sich weit entlang der Küstenlinie der Folgefonn-Halbinsel , hinter uns erhob sich das Solfjellet und umrandete den unter uns liegenden Mannsvatnet. Vor uns erblickten wir hinaus über die vorgelagerte Insel Tysnes und gegenüber erhob sich das Englafjell. Eine sagenhaft schöne Kulisse, die un s dazu veranlasste hier erst mal eine Rast einzulegen. Wir waren allein hier, wie so oft. Das einzige Geräusch hier war das Pochen unseres eigenen Blutes und der Wind, der in den Ohren rauschte. Über den flachen Bergrücken des Storhaug stiegen wir später wieder ab und durchquerten dabei mit jedem Meter des Abstieges verschiedene Vegetationszonen. Zunächst ganz offensichtlich durch niedriges Gestrüpp, meist waren es Blaubeerbüsche, wurden die bald von immer höher wachsenden Wacholderbüschen abgelöst . Später vermischte sich der Wald mit Birken um danach in tiefen Tannenwald überzugehen . Erst so ziemlich am Fuße des Berges, fast schon an der Bebauungsgrenze lichtete sich der Wald wieder und ging in Weideland über. Entlang der nun erreichten Straßen gelangten wir wieder zurück zum Wohnwagen . Eine schöne Tour die alles das beinhaltete, was wir uns so vorgestellt hatten. Es müssen nicht immer die extremen Touren sein um Norwegen so zu erleben, wie wir es uns vorstellen und wie wir es auch gerne in Erinnerung behalten möchten. Diese Tour war jedenfalls das beste Beispiel dafür, dass es auch gemäßigt gehen kann.

18.06.2008

Abschied von Uskedal, Abschied von der Folgefonn-Halbinsel. Eine durchaus schöne Gegend, die wir sicher einmal wieder bereisen werden. Heute hat es sich zugezogen, der Himmel ist einheitlich grau, noch hält sich das Wetter aber, was sich im Laufe des Nachmittages aber dramatisch ändern wird. Eigentlich das perfekte Wetter um die Tour zurück in den Süden fortzusetzen. Wir hätten bekannte Routen befahren können, Norbert, der war ja schon öfter hier als ich, wollte aber Neues entdecken und beschloss daher für uns unbekannte Straßen und Wege zu befahren. Als Endstation hatten wir uns Brusand, etwa 40 Kilometer südlich von Stavanger ausgesucht. In Norwegens Kornkammer Jæren stand noch eine Tour an, nur das Wetter könnte uns um diese Unternehmung bringen. Und noch bevor wir auf die letzte Fjordfähre in diesem Jahr von Arsvågen nach Mortaviga fuhren , erreichte uns das schlechte Wetter vollends. Von Stavanger sahen wir nicht viel, es hätte sich angesichts des Regens auch nicht wirklich gelohnt hier zu stoppen um Sightseeing zu betreiben, so erlebten wir die Großstadt halt nur des hohen Verkehrsaufkommens wegen. Kaum aus Stavanger raus wurde der Verkehr aber wieder weniger und entlang des RV 44 war es auch trotz des Regens entspanntes Fahren bis zum Campingplatz in Brusand. Der liegt unmittelbar am Meer. Die Luft ist gischtgeschwängert, es riecht nach Salz, der Sand der Dünen ist die einzige Barriere . Es ist schön hier, ganz anders als man Norwegen so kennt, fast lieblich. Jetzt muss es nur noch aufhören zu regnen, dann werden wir bestimmt noch eine schöne Tour in einem so ganz anderen Landstrich Norwegens erleben.

19.06.2008

So ein Mist! Es hat sich so richtig eingeregnet. Die ganze Nacht hat es auf das Wohnwagendach getrommelt, dazu ist Wind aufgekommen, der ordentlich am Wohnwagen gerüttelt hat. Des Morgens waren wir noch guter Hoffnung etwas unternehmen zu können. Wir ließen uns ausgesprochen viel Zeit beim Frühstück und hofften während dessen zumindestens auf weniger Regen. Alle Hoffnungen darauf zerschlugen sich aber während des Vormittags, es regnete zwischenzeitig so heftig, dass allein der Weg zum Toilettengebäude des Campingplatzes reichte, um ordentlich nass zu werden. Zwar haben wir unsere Regenponchos, doch die wehen halt im Wind und wirken fast wie ein Segel. Unter diesen Umständen hatte ich wirklich keine Lust mich vor die Tür zu bewegen, ich schnappte mir mein Buch und vertrieb mir die Zeit. Norbert klemmte sich erst noch vor den Fernseher, bald hatte er aber keine Lust mehr auf das Programm und beschloss allein nach Stavanger in das Ölmuseum zu fahren. Tut mir leid, no go bei diesem Wetter! Allein die Vorstellung vom Parkplatz ins Museum durch diesen Regen zu marschieren, wie gesagt, der Weg zur Toilette reichte um nass zu werden, da brauchte ich keinen Museumsbesuch oder Sightseeing in Stavanger. Erst nach Norberts Rückkehr, er war übrigens ganz begeistert vom Ölmuseum und bezeichnete es trotz des Preises als einziges Museum, das man mal gesehen haben muss, legte sich der Regen, der Wind blies aber nach wie vor ganz ordentlich. Zum Abend unternahmen wir daher noch einen Spaziergang am Strand . Überall liegen hier dicke Felsbrocken herum, wir fragten uns woher diese kamen wo es doch weit und breit keinen Fels oder Gebirge hier gab. Die Erklärung dazu ist aber ganz simpel: Es sind die Gesteinsbrocken, die während der letzten Eiszeit die Endmoränen bildeten. Zum feinen Sand und den bewachsenen Dünen bildeten sie jedenfalls einen schönen Kontrast und sorgten so für die Einzigartigkeit des Landstriches, den man Jæren nennt.

20.06.2008

Das Wetter wollte einfach nicht besser werden, so fiel es uns nicht schwer hier in Brusand die Segel zu streichen. Der Wohnwagen war schnell wieder reiseklar und die Reise entlang des Nordsjøvegen in Richtung Farsund konnte beginnen. Wieder entschlossen wir uns zur Fahrt über die eher kleinen Straßen. Die Europastraße 39 wäre sicherlich einfacher und schneller zu befahren gewesen, ob sie aber mit so vielen landschaftlichen Highlights aufgewartet hätte? Der RV 44, auch Nordsjøvegen genannt, bietet jedenfalls oft den Blick auf das Meer und die sehenswerten Orte Egersund und Flekkefjord werden dabei nicht ausgelassen. Je weiter wir gen Süden vorstießen desto felsiger wurde auch wieder die Landschaft. Die weiten Ebenen Jærens waren verschwunden, es gab keine ausgedehnten Strände mehr und die Felsen erhoben sich direkt aus dem Meer schon wieder zu kleineren Bergen.

Da wir schon zeitig losgefahren waren und der Weg nach Farsund so weit nicht war, erreichten wir den Ort und den Campingplatz Lomsesanden schon relativ früh des Nachmittags. Nun waren wir zum dritten mal hier in Lomsesanden, so voll wie in diesem Jahr haben wir den Campingplatz aber noch nicht erlebt. Es hing wohl auch damit zusammen, dass die Ferienzeit in Norwegen noch nicht zu Ende war und gerade die Südküste beliebtes Urlaubsziel der norwegischen Familien ist. Schnell hatten wir den Wohnwagen für die letzten Tage installiert, einem Spaziergang über die Landzunge Einarsneset stand jedenfalls zum Abschluss des Tages nichts mehr im Weg. Es ist einfach schön hier, der Wind, die Wellen, das Meer und die Schärenlandschaft, es passt hier einfach alles zusammen um sich rundherum wohl zu fühlen. Daher gilt Farsund auch als unser Favorit, hier zu leben und zu arbeiten, das wäre das Größte!

21.06.2008

Highlight des Tages war der Besuch bei unseren lieben Freunden Tatjana und Andreas in Vanse. Durch Zufall haben sich Andreas und Norbert kennen gelernt, ein Gästebucheintrag auf der alten Internetseite norway-2004 initiierte die Bekanntschaft. So es sich terminlich vereinbaren lässt, Andreas ist ein vielbeschäftigter Mann und oft auf Geschäftsreise, ist ein Besuch bei den beiden mit ihren Kindern ein Muss. Es gibt immer so viel zu erzählen, das traditionelle Reke-Essen gehört dazu und wenn die Männer über Beruf, Land und Leute sprechen wird der Herzschmerz wieder ein bisschen mehr. Wären wir nur ein paar Jahre jünger, hätten Norbert und ich uns doch nur früher kennen gelernt und wären unsere Verpflichtungen und familiären Bindungen in Deutschland nicht so ausgeprägt, wir hätten in Andreas und Tatjana sicher diejenigen gefunden, die uns bei einem Neubeginn mit Rat und Tat unterstützen würden.

22.06.2008

Im Allgemeinen ist das Wetter im Süden Norwegens im Sommer als stabil zu bezeichnen, so auch heute. Es war jedenfalls stabil regnerisch. Nichts von den schönen und sonnenreichen Tagen der ersten Urlaubswochen. Es zeigte sich durchweg regnerisch und der Wind blies uns kühl und kräftig ins Gesicht. Trotzdem wollten wir heute versuchen uns zu bewegen und die Halbinsel Lista zu erkunden. Ein einfacher Touristenprospekt zeigte verschiedene Möglichkeiten kleinerer Touren auf, eine davon startete am Parkplatz bei Listeid. Schon der Zustand des Parkpklatzes zeigte sich ziemlich vernachlässigt. Das Gras wuchs sicher über einen halben Meter hoch und war erst auf dem zweiten Blick als Parkplatz auszumachen. Den einzige Hinweis stellte eine verwitterte Wegtafel dar auf der aber nichts mehr zu erkennen war. Ein paar Schritte nach Listeid, schon standen wir am Ufer des Framvaren. Rechts kein Weg, links kein Weg. Wenn es hier mal einen Weg gegeben haben sollte, dann ist der aber schon seit Monaten oder Jahren nicht mehr begangen worden. Enttäuscht setzten wir uns wieder ins Auto und kurvten ziel- und planlos durch die Gegend. Ein Zufall brachte uns zu der Zufahrt zum Varnes Fyr bzw. Fort. Der Weg zeigte sich ausgesprochen holperig, Norbert bewegte den Volvo mit größter Vorsicht. Nur ein kleines Hinweisschild deutete auf den Fußweg zum Leuchtfeuer hin. Nach etwa 15 Minuten erreichten wir das ausgesprochen kleine Leuchtfeuer , mit Solarzellen betrieben verrichtet es hier unbemannt seinen Dienst. Ein kleiner Pfad zurück führte zunächst hinunter an das Wasser, führte am Haus des Leuchtturmwärters (auch wenn der zur Befeuerung nicht mehr nötig ist) vorbei und brachte uns dann zum Varnes Fort, einer Geschützstellung aus dem zweiten Weltkrieg, die aber nie in Kampfhandlungen eingeschlossen wurde. Die Idylle hier trügt, das 10,5 cm Geschütz streckt seinen Lauf immer noch bedrohlich aus dem Bunkerschacht . Als Teil des Verteidigungssystems Atlantikwall zeigt es hier untrüglich die Geschichte auf und wird als historisches Monument und Gedenkstätte bewahrt. Das Wetter spielte der gesamten Szenerie noch zu, düster hingen die Wolken über dem Meer, es wehte kräftig und der Regen fiel nach wie vor. Wir beschlossen daher bald wieder umzukehren und den Rest des Tages verbrachten wir im Wohnwagen. Schade eigentlich, dass gerade die letzten Tage vom Wetter her so bescheiden sind und wir in unserem Taten- und Bewegungsdrang so eingeschränkt waren.

23.06.2008

Noch einmal hatten wir uns mit unseren Freunden Andreas und Tatjana verabredet. Gerade bei diesem immer noch stürmisch und regnerischem Wetter ist Lista besonders, die Nähe zum Meer ist allgegenwärtig und die Luft schmeckt förmlich nach Salz. Andreas zeigte uns die Besonderheiten der Halbinsel Lista, auf der er und seine Familie seit 1999 zuhause sind. Erstes und wohl auch wichtigstes Touristenhighlight ist das Lista Fyr, ein 38 Meter hoher Leuchtturm, der bestiegen werden kann. Wir lösten ein Ticket dazu, Espen, der jüngste Sohn von Andreas und Tatjana begleitete uns hinauf. Das Treppenhaus windet sich steil empor, nur kleine Fensterchen, Schießscharten gleich, erlauben während des Aufstieges einen kurzen Blick nach draußen. Oben unterhalb der Linse betraten wir dann die Außengalerie, einer Art Balkon, der rund um den Turm führt. Meine Herren, auf dem Boden wehte es schon recht ordentlich, als wir aber die Tür zur Balustrade öffneten blieb uns die Luft weg. Der Wind blies uns kalt und regenschwer ins Gesicht, kraftvoll und unberechenbar krachte er uns förmlich entgegen, dass wir uns fest am Geländer festhalten mussten. Die Aussicht von hier oben war aber ganz speziell. Obwohl das Wetter keine Fernsicht erlaubte erlebten wir hier die Unbilden der Natur hautnah. In der Ferne verschwammen die Häuser von Borhaug im Dunst , ob dieser vom Regen oder der aufgischtenden See herrührten blieb uns unklar. Die Wellen zeigten weiße Kronen und prallten als gehörige Brandung an die Steinstrände vor Lista Fyr. Erst nach dem Besuch der kleinen Ausstellung lies der Regen nach, der Wind wehte aber unablässig weiter. Eine weitere Sehenswürdigkeit wollten wir noch ansehen. Andreas und Tatjana führten uns nach nur kurzer Autofahrt durch einen "Märchenwald". Durch dunkle Tannen, kaum ein Sonnenstrahl berührte den Boden, führten sie uns zu einer vorzeitlichen Gedenk- und Altarstätte, die aber leider durch den Bau einer weiteren Geschützstellung (hier fehlte das Geschütz aber im Gegensatz zu Varnes Fort) ihren Reiz verloren hat. Die Aussicht über den Strand war jedenfalls besser geworden, entlang des Steinstrandes blickten wir nach Norden in den Listafjorden und zum Varnes Fyr . Auch der kleine Bootshafen in der Nähe hatte seinen Reiz. Gut geschützt von dicken Betonmauern lagen dort ein paar Boote festgemacht. Bei diesem Wetter und Wellengang mochte aber gar keiner Ausfahren. Zum fortgeschrittenen Nachmittag entschlossen wir einmal unser Domizil während der letzten Wochen zu präsentieren. Unsere Freunde hatten unseren Wohnwagen noch nicht gesehen und so luden wir sie gerne zu einem Kaffee zu uns ein. Noch ein wenig saßen wir in geselliger Runde im eher beengtem Wohnwagen bis sich Tatjana leider verabschieden musste. Die Pflicht rief, sie hatte noch ihren Job zu erledigen und musste uns und auch ihren Mann allein lassen. Ein seltsames Gefühl, wir verabschiedeten uns von Tatjana mit dem Versprechen, uns im nächsten Jahr wieder zu sehen. Im nächsten Jahr erst? So lange? Ich konnte und wollte mir diesen Zeitraum noch gar nicht vorstellen. Es fiel uns schwer uns von unserer liebgewonnenen Freundin zu verabschieden. Es nahte schon der Abend als dann die nächste Abschiedszeremonie folgte. Andreas und Sohn Espen wollten nun auch gehen. Wieder wurde das Herz schwer. Es ist einfach erbärmlich, die Leere , die zurückbleibt, ist bedrückend. Wir redeten nicht viel und genossen auf unsere Art die letzten Stunden mit und bei Freunden.

Erst nach dem Abendessen unternahmen wir noch einen Spaziergang. Ein letztes Mal am Strand, ein letztes Mal durch das Wasser schlendern und den Sand zwischen den Zehen spüren . Wir haben nicht viel gesagt, die letzten Wochen waren uns noch zu lebendig in Erinnerung und selbst der letzte Spaziergang hatte etwas, das wir bis zur letzten Minute erleben wollten. Uns war heute Abend bewusst geworden, dass wir morgen um diese Zeit schon das Land wieder verlassen mussten. Die letzte Nacht, nur noch der Tag morgen, dann war ein wunderbarer Urlaub schon wieder um.

24.06.2008

Der Nachtwächter von Farsund ist eine Frau!

Wir hatten uns auf dem Weg gemacht, einkaufen und ein letztes Softeis standen in Farsund aber noch auf dem Plan, als ich beschloss, der eher missglückten Tour am Framvaren wegen, noch einmal das Touristenbüro im Ort zu besuchen. Eigentlich wollten wir nur nachschauen ob neben dem fast in jedem Lädchen ausliegendem Prospekt auch gut beschriebene Wanderlektüre zu bekommen ist. Leider auch hier Fehlanzeige, Wanderführer wie wir sie kennen scheint es wohl für die Region Lista nicht zu geben. Gerade als wir das Büro wieder verlassen wollten kamen wir mit einer altertümlich gekleideten Frau ins Gespräch. Zuerst glaubten wir bei der Kleidung an eine Art Tracht, später stellte sich heraus, dass dieses Gewand das Kleid eines Nachtwächters ist. Sie sprach gut deutsch, erklärte uns, dass sie eine ganze Weile in Deutschland gelebt hat und nun, während der Ferienzeit und touristischer Hochsaison, als Nachtwächter durch die Straßen von Farsund zieht. Sie fragte uns nach dem Woher und Wohin und augenblicklich wurde uns bewusst, dass es tatsächlich der letzte Tag in Norge war, dass uns nur noch die Fahrt morgen von unserem Heim trennen würde. Was für ein Gefühl! Wir wollten noch gar nicht, dennoch befanden wir uns jetzt schon auf der Heimreise. Das nächste mal würde der Wohnwagen erst wieder vor unserer Haustür abgekuppelt werden. Wir genossen jedenfalls die letzten Minuten hier in Farsund, setzten uns mit unserem Softeis noch einmal an die Promenade um den beiden Schwänen zuzusehen, die behäbig, fast schon mit majestätischer Langsamkeit ihren Weg entlang der Stege fanden. Die Tauben und Spatzen umkreisten uns neugierig, immer in der Hoffnung, noch ein Stück der Waffel abzubekommen. Noch während wir so andächtig da saßen und in Gedanken mit dem Abschied beschäftigt waren, hupte es hinter uns und man mag es kaum glauben, da stand Andreas mit seinem Auto. Der hatte einen Termin mit Sergej, seinem ältesten Sohn, und entdeckte uns im Vorbeifahren auf der Bank sitzend. Ein kurzes Gespräch, ein letzter Smalltalk, liebe Grüße und eine gute Heimreise, danach wieder das Gefühl, etwas hierzulassen, das wir uns gewünscht hätten mitnehmen zu können.

Irgendwann war es aber dann wirklich soweit, wir verließen Farsund auf bekannten Wegen und kamen zügig nach Kristiansand. Norbert war vor Jahren schon einmal von hier zur Rückreise gestartet, hatte aber so recht gar keine Erinnerung mehr an das Hafengelände. Unser Schiff, die "Fjordcat" , lag schon festgemacht, dennoch schickte uns der Einweiser nach Durchsicht unserer Tickets wieder zurück. Wir seien viel zu früh hier, die nächste Überfahrt wäre die von 15 Uhr 30, wir hatten es aber zwischenzeitig 16 Uhr 30, optimal eigentlich für unser Check In. Also doch, das Wetter und besonders der kräftig wehende Wind hatte für einiges Durcheinander im Fahrplan der schnellsten Fähre der Welt (Quelle: Fjordline) gesorgt. Unser Abfahrtstermin verlagerte sich auf den späten Abend. Wir mussten also warten bis die Fähre aus Dänemark wieder zurück war. Zeit mit der wir nicht gerechnet hatten, zumal wir mit dem Gespann nicht im Hafengelände stehen bleiben durften. Erst etwa eine Stunde vor dem Check In war es uns wieder gestattet hierher zurück kommen zu dürfen. Aber wohin mit einem Wohnwagengespann? Da passt halt nicht jeder gewöhnliche Parkplatz. Unweit des Bahnhofes gelang es uns dann doch noch das Gespann abzustellen. Nicht wirklich legal, es handelte sich wohl um den Parkplatz der Bahnangehörigen, jedoch wurden wir toleriert und konnten daher noch ganz unbesorgt einen kleinen Bummel durch Kristiansand unternehmen. Welch ein Trubel dort, entsprechend einer Hafenstadt zeigten sich die Leute hier multikulturell und aus aller Herren Länder. Es war hektisch, es gab viel Verkehr hier und es war schlichtweg laut. Da hupten Autos, dort krachte der Abbruchbagger inmitten einer bewohnten Häuserzeile, die Sirene eines Krankenwagen, alles Geräusche die vertraut sind aber während der Reise in so weite Ferne gerutscht waren. Etwas ruhiger ging es dann abseits der Einkaufsstraßen zu, gleich verschwand die Hektik und die Uhr ging wieder langsamer. Da spielten die Kinder am Brunnen , ein Pärchen lag auf der Wiese in der Sonne (ja, es war tatsächlich an unserem Abreisetag wieder schön geworden - gemein!) und ein Betrunkener hatte sich gar unter der Statue des König niedergelegt um seinen Rausch auszuschlafen . Bald wurde es Zeit für einen zweiten Versuch des Check In, diesemal bekamen wir unsere Linie zugewiesen und das nervtötende Warten auf die Rückkehr der Fjordcat begann. Noch bevor die Sonne hinter den Bergen am Horizont verschwand entdeckten wir etwas weit draußen auf dem Meer, die Fjordcat kam zurück. Unruhe machte sich breit. Obwohl die Fjordcat noch rangierte um anlegen zu können standen schon wieder ganz eilige bereit um ja als erste auf das Schiff auffahren zu können. So ein Quatsch, jeder hatte seinen Platz und wurde entsprechend eingewiesen. Die Verladung ging aber tatsächlich schneller und professioneller vonstatten als das wir es von der Kystlink im letzten Jahr gewohnt waren. jedenfalls setzte sich die Fjordcat pünktlich zur neu avisierten Zeit in Bewegung. Ganz langsam zuerst, mit halber Fahrt aus den Schären heraus, dann auf offener See legte der Kapitän dann die Hebel auf den Tisch. Faszinierend und erschreckend zugleich, der Katamaran flog förmlich über das Wasser. Die Strahlruder erzeugten einen derartigen Schub, dass das Wasser im etwa 5 Meter hohen Bogen emporgeschleudert wurde . Der Aufenthalt während der Überfahrt war uns nur auf dem Achterdeck gestattet, die Abgaswolke der Dieselmotoren zog stinkend über uns hinweg. Dennoch wollten wir hier nicht weg. Der Himmel hatte sich fast schon kitschig lila verfärbt, nur noch Umrisse und vereinzelte Lichter, mehr blieb uns nicht mehr von Norwegen . Einzig in Gedanken waren die Erinnerungen noch deutlich. Während ich wieder einmal nur dastand und sich das Land immer mehr entfernte, rollten dicke Tränen über meine Wangen. Die Fjordcat ist bestimmt nicht die schlechteste Fähre, einzig die Geschwindigkeit mit der sie uns von unserer Liebe wegbringt, lähmt die Sinne.

Nach kurzen zwei Stunden und zwanzig Minuten legten wir in Hanstholm an. Die Nacht war hier schon deutlich dunkler als noch zuvor in Norwegen, vielleicht ganz gut so, denn Hanstholm ist nun wahrlich keine schöne Stadt. Nur noch schnell raus hier und einen Parkplatz finden, auf dem wir uns zur letzten Nachtruhe während der diesjährigen Reise begeben konnten.

25.06.2008

Die Nacht auf dem Parkplatz war kurz und eher unruhig. Obwohl nur eine Landstraße war dort vor allem schon recht früh des Morgens viel Verkehr. Wir entschlossen uns, was blieb auch anderes übrig, zur baldigen Weiterreise. Kurzes Frühstück, die Stützen des Wohnwagen wieder eingezogen und dann ging die Fahrt weiter. Kilometerfressen wie immer. Die vielgehasste Europastraße 45 erreichten wir in Ålborg, danach nur noch "straight ahead". Um kurz vor 13 Uhr überquerten wir mal wieder die deutsche Grenze, aus der Europastraße 45 wurde die Autobahn 7. Dramatik dann in der Einfahrt zum Elbtunnel: Schon eine ganze Zeit lang ruckelte der Wagen beim Beschleunigen, nun hier, in unmittelbarer Nähe zum Tunnel blinkte auch noch die Getriebekontrollleuchte und deutete auf einen Fehler hin. Seltsam, augenblicklich ließ das Ruckeln nach und der Motor zog unseren Wohnwagen problemlos durch die Röhre des Elbtunnels. Kaum hatten wir diesen verlassen bockte der Motor erneut, das Auto fuhr so als ob ein wildes Pferd eingeritten würde. Norbert hatte so langsam die Nase voll von dieser unschönen Eigenart des Fahrens, wir machten Pause und aßen erst einmal zu Mittag. Vorher ein kontrollierender Blick in den Motorraum - nichts! Nach unserer Mittagsrast fuhr der Volvo auch wieder ohne Störung bis kurz vor Gütersloh. Jetzt blinkte wieder einmal die Getriebekontrollleuchte, diesesmal schneller, fast schon bedrohlich machte sie auf einen Fehler aufmerksam. Zum Glück konnten wir von der vielbefahrenen Autobahn 2 auf einen Parkplatz ausweichen. Kaum stand der Wagen versanken wir auch schon im dichten weißen Rauch, der zäh unter dem Auto hervor quoll. Wieder ein Blick in den Motorraum, zunächst außer Qualm nichts, erst der Blick unter das Auto offenbarte die ganze Problematik. Das Getriebeöl lief an einer Stelle heiß und dabei dünn wie Wasser aus und verteilte sich unglücklicherweise auf den Auspuff. Hier war dann Schluss für uns, nichts ging mehr. Der Servicedienst der Schutzbriefversicherung war schnell alarmiert, auf den Abschlepper mussten wir allerdings etwas länger warten. Zum Glück wurden wir bis nach Hause geschleppt. Den Wohnwagen schoben wir noch per Hand auf seinen Platz vor der Tür und dann ging es gleich, immer noch huckepack, mit dem Volvo in die etwa einen Kilometer entfernte Werkstatt. Das unser Urlaub dann so endete hätte wirklich nicht sein müssen. Zum Glück bekamen unsere Nachbarn von unserer Ankunft auf etwas unkonventionellem Wege nichts mit, es war Halbfinale in der Europameisterschaft, die Straßen waren leer und alle Leute hingen vor den Fernsehern. Mich interessierte Fussball gar nicht, ich wollte jetzt nur noch zu unseren Katzen, in unsere schöne Wohnung und einfach nur wieder zuhause sein.

(Anmerkung: Das Getriebeöl des Automatikgetriebes war überhitz und hatte sich dabei so ausgedehnt, dass es durch einen Überlauf entwich. Es lag somit kein Defekt am Getriebe vor, dennoch wurde in der Werkstatt das Getriebeöl gewechselt zumal wir sicher auch einen Liter dessen verloren hatten. Auch das Standgasregelventil wurde erneuert, das war laut Fehlerspeicherdiagnose für den bockigen Motorlauf verantwortlich.)


Wieder endet hier meine Reisebeschreibung. Es war mir ein Vergnügen Ihnen den Verlauf und meine Erinnerungen an einen schönen Urlaub während dessen und jetzt hier auf der Internetseite zu dokumentieren. Auch wenn es sich bei diesem Bericht nur um die in Wort gefassten Gedanken handelt, für mich lebt die Erinnerung an einen schönen Urlaub durch dieses Tagebuch wieder auf. Mich würde es freuen, wenn Sie meine Gedanken verstehen und vielleicht selbst erleben möchten. Reisen Sie nach Norwegen und erleben das Land so, wie ich es lieben gelernt habe.


Home | Index