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| Angelikas Tagebuch |
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Immer wieder holt Angelika ihr Reisetagebuch hervor und verfasst täglich ihre Notizen um Ihnen hier den Urlaub so nahe wie möglich zu bringen. Viel Text und ein paar Bilder zu einem unvergesslich schönen Urlaub! Lesen und schauen Sie selbst! Reisetagebuch Norwegen 30.05.2008 - 25.06.2008 Es ist ein wenig wie in den Jahren zuvor. Viel zu früh sind wir wieder einmal aufgestanden, immer noch schlaftrunken von der Nacht verstauen wir die letzten Sachen im Wohnwagen und dem Auto. Alles ist bestens vorbereitet, die Katzen sind versorgt, Doris, unsere "Katzen-Nanny" (an dieser Stelle einmal einen lieben Gruß und recht herzlichen Dank) hat die Schlüssel für die Wohnung schon am Vorabend bekommen, das Auto ist betankt, jetzt kann es ohne Sorge los gehen. Es ist noch still in der Siedlung, nur ein paar wenige Leute, entfernte Nachbarn die auf dem Weg zur Arbeit sind, bemerken unsere Regsamkeit. Schnell verabschiedet man sich per Zuruf, dann sind wir wieder allein mit uns und dem Gedanken an die bevorstehende Etappe. Der Kilometerstand steht bei 168133 Kilometer, die Uhr im Auto zeigt auf den Kopf 7 Uhr an als Norbert zum ersten Mal während der diesjährigen Urlaubsreise den Zündschlüssel herumdreht. Endlich, endlich, eine lange Durststrecke ist überwunden, wir sitzen im Auto und - a dream come true - wir starten nach Norwegen. In diesem Jahr haben wir uns wieder für die bewährte Fahrt über die Autobahn 2 bis Hannover und dann der Autobahn 7 / Europastraße 45 bis nach Frederikshavn in Dänemark entschieden. Im letzten Jahr hat Norbert die Strecke über die Autobahn 1 gewählt, ein Fehler, den er in diesem Jahr nicht noch einmal begehen wollte. Ohne Probleme oder gar Staus führen wir die bekannte Route, Hannover, Hamburg bis zur Mittagsrast mal wieder am Nord-Ostsee-Kanal Kann ein Tag besser beginnen? Es ist nun 7:32 Uhr und das Thermometer zeigt schon sommerliche 19,5 ° Celsius. Wir haben uns um sechs Uhr vom Klingeln des Wecker wecken lassen und nachdem wir uns frisch gemacht hatten, genossen wir erst mal das Frühstück. So viel Zeit muss einfach sein! Erst danach, alles schön in Ruhe, hingen wir den Wohnwagen wieder an und begaben uns zum Fährhafen. Die Tickets hatten wir ja schon zuhause ausgedruckt, die Wartelinie wurde uns zugeteilt und nun begann das Warten auf die Einschiffung Das Wetter war heute einfach zu schön um sich nur im Schiff aufzuhalten, wir wollten ebenso wie die anderen Reisenden die herrliche Sonne und die angenehmen Temperaturen genießen. Manche mögen die Schiffspassage nur als Mittel zum Zweck sehen, wir erlebten den Aufenthalt hier an Bord als Teil unseres Urlaubes mit allen Freuden, die ein solcher Tag mit sich bringt. Was aber die wohl hauptsächlich norwegischen Reisenden an Bord daraus machten war alles andere als ansprechend. Schon des Vormittags traf man sich in geselliger Runde auf dem Sonnendeck und vernichtete dabei so manche Flasche Smirnoff (Wodka mit Limonensaft), Jägermeister oder einfach nur Bier in großen Bechern. Die Wirkung des Alkohols ließ gerade bei der starken Sonnenbestrahlung nicht lange auf sich warten, bald flogen die ersten Kleidungsstücke, es wurde getanzt, später sogar auf den Tischen Problemlos und entspannt ging es heute weiter Richtung Norden. Zum Glück war Sonntag, die norwegischen Lastwagen hatten, bis auf wenige Ausnahmen (Tine-Milch lässt grüßen) Fahrverbot und der restliche Verkehr war nicht das, was Norbert hätte aus der Ruhe bringen können. Gerade richtig für einen so weiten Weg. Entlang der Europastraße 6 fuhren wir bis hinauf nach Oppdal, erst dort verließen wir die "Nordkapp-Rennbahn" wieder und bogen in das gleich hinter Oppdal beginnende, überaus imposante Sunndalen ab. Ursprünglich wollten wir in der Nähe des Ortes Oppdal unser nächstes Quartier beziehen, die Plätze rund um den Ort waren aber alle nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Riesige Wintercampingplätze, meist direkt an der Straße gelegen, vorwiegend für Dauercamper ausgelegt und ausgestattet, da wollten wir uns einfach nicht einreihen. Ein nächster Versuch dann im kleinen Ort Lønset am RV 70. Der Platz ansich war ja nicht schlecht, einen einigermaßen geraden Platz auf dem wir hätten stehen können gab es aber auch hier nicht. So zogen wir wieder weiter. Das Sunndalen zog sich immer enger zusammen, fast bedrohlich steil erschienen uns die Berge, die das Tal flankierten. Es kam so ein bisschen Endzeitstimmung auf, das Wetter war jedenfalls gar nicht mehr so sonnig wie noch am Morgen in Minnesund, zwischenzeitig hatte es sogar geregnet und die Wolken hingen tief im Tal und verdunkelten die ganze Bergszenerie. Außerdem zeigte die Tankuhr schon seit Kilometern Reserve an und auch Norbert hatte bald keine Lust mehr zu fahren. Für den ersten Tag waren wir weit voran gekommen, mein Schatz hat es sich verdient auszuruhen und den Wagen abzustellen (ich selbst fahre ja bekanntlich nicht mit Wohnwagen und schon gar nicht in Norwegen), es musste also bald ein Campingplatz und auch eine Tankstelle her. Und was für ein Campingplatz dann kam, einfach unglaublich! Im kleinen und eher unscheinbaren Ort Gjøra haben wir dann unseren Campingplatz gefunden, ein echter Geheimtipp Der Wettergott muss ein Einsehen mit uns armen Urlaubern gehabt haben, die dicken Regenwolken von gestern Nachmittag waren jedenfalls verschwunden und es strahlte die Sonne wieder mit wärmenden Temperaturen, wie sie in Norwegen wohl eher nicht so häufig zu erleben sind. Gjøra-Camping erwies sich als optimale Basisstation für so manche Unternehmung in naher und weiterer Entfernung, heute blieben wir aber in der Nähe und unternahmen eine Wanderung in und um die Schlucht Åmotan. Gleich vom Campingplatz aus folgten wir zunächst mit dem Auto der Straße zum Hof Jenstad, von wo aus die Wanderung beginnen sollte. Was für eine Überraschung, am Parkplatz dort stand doch tatsächlich eine Parkuhr! Wir entrichteten unsere Parkgebühr, klemmten das Ticket hinter die Scheibe des Volvo, schulterten unsere Rucksäcke und folgten zunächst einem Wirtschaftsweg immer höher entlang der Bergflanken, die die Schlucht Åmotan umranden. Schon hier war es beeindruckend zu sehen, von wo und wie die Wassermassen in den Talkessel stürzten. Unser Blick richtete sich auf noch immer schneebedeckte Berge, darüber nichts als blauer Himmel und Temperaturen, die uns beim Aufstieg in Schweiß trieben. Der Wirtschaftsweg war erst mal gar nicht so mein Ding, trotz der immer besser werdenden Aussicht mag ich eigentlich kleine, fast zugewachsene Pfade lieber. Dennoch, auch dieser Weg hielt Überraschungen für uns bereit. Bald erreichten wir den Abzweig zu einem kleinen Treckerpfad. Immer noch deutlich zu erkennen, jedoch schon lange nicht mehr befahren holte sich die Natur hier den Weg wieder zurück. Inmitten der alten Fahrspur wuchsen schon wieder niedere Gewächse, Auswaschungen hatten sich mit Wasser gefüllt und bildeten kleine Biotope. So manches Getier und Gewächs hatte sich an den sumpfigen Rändern niedergelassen. Nach ein paar Minuten erreichten wir ein weiteres Highlight der Tour, die Gammelsetra Der Weg führte bald weiter, wieder entlang des schon eingangs erwähnten Wirtschaftsweges. Doch auch diesen wenig spektakulären, dafür aber komfortablen Weg mussten wir bald verlassen und über einen wirklich kleinen, dafür sehr steilen Weg erfolgte dann der Abstieg hinunter in die Schlucht Åmotan, in der sich die Wassermassen der umliegenden Berge vereinen Welch eine Genusstour und das gleich zu Beginn unseres Urlaubes! Ob das noch zu toppen ist? Zurück am Wohnwagen ließen wir den Tag ganz gemütlich ausklingen. Der Grill ist heiß, die Würstchen darauf bruzzeln vor sich hin, das Ringnes-Bier schmeckt ausgezeichnet, die Sonne wärmt immer noch, wir bleiben noch etwas draußen und genießen den Abend vor dem Wohnwagen sitzend. Ein herrlicher Tag und der perfekte Ausklang dessen. Sightseeing stand am heutigen Tag an. Mit noch immer schweren Beinen, der Abstieg in die Schlucht Åmotan steckte uns noch in den Beinen, beschlossen wir nach Trondheim zu fahren. Norbert war schon einmal vor Jahren dort und konnte davon berichten, dass Trondheim unbedingt einen Besuch wert sei. Gerne wollte auch ich mich davon überzeugen. Zunächst folgten wir der Europastraße 6, ziemlich unspektakulär, dafür aber zügig befahrbar bis direkt hinein in die City von Trondheim. Welch ein Verkehr hier, sofort wird die Bevölkerungsdichte deutlich spürbar. Ampeln und Fußgängerüberwege, mehrspurige Straßen stadtein- als auch -auswärts, Verkehr wie in der Großstadt eben, fast schon hektisch hier für norwegische Verhältnisse. Erstes Ziel und das auch gleich per Pedes erreichbar, der Nidaros-Dom Kristiansten wurde als Festung im Jahr 1681 erbaut und war in der Vergangenheit auch Zufluchtsort für die Stadtbewohner während der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Schweden. Auch während des 2. Weltkrieges erlangte die Festung zweifelhaften Ruhm, hatten sich hier deutsche Soldaten niedergelassen, die hier norwegische Widerstandskämpfer zum Tode verurteilten und erschossen. Uns interessierte die kriegerische Vergangenheit des Ortes aber weniger als die phantastische Aussicht vom Festungshügel Kristianstenbakken. Eine tolle Rundumsicht eröffnete sich gerade heute bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen. Da lag der Nidaros-Dom gegenüber auf der Halbinsel inmitten der Nidelv-Mündung Was für eine Tour! Der Wettergott war auf unserer Seite, das war klar, so klar, wie der blaue, wolkenlose Himmel über uns. Aber alles der Reihe nach... Gjøra erwies sich auch heute als ideales Basislager für Unternehmungen im Sunndalen, nach nur kurzer Fahrstrecke erreichten wir das kleine Dorf Lønset am RV 70 von wo es über eine Stichstraße hinein in die Bergwelt Trollheimens zur Ferienhaussiedlung Storli ging. Dort war für das Auto Schluss, auf einem Parkplatz unterhalb der Ferienhäuser stellten wir den Wagen ab und folgten der Wegweisung zur Vassendsetra. Zunächst durch mehr oder weniger dichtem Birkenwald mit nur mäßig hohen Bäumen erreichten wir bald ein so genanntes Toteis-Gebiet Die Tour war schon sehr anstrengend, unter den genannten Umständen bestimmt auch nicht wirklich empfehlenswert sie zu gehen, dennoch wollen wir nicht einen Meter davon missen. Wir haben uns gefordert, schließlich hat es uns Spaß gemacht und die Erinnerung daran kann uns keiner mehr nehmen. Abschied nehmen! Es war einfach traumhaft hier in Gjøra. Wir verabschiedeten uns ganz herzlich bei Endre, dem Besitzer des Campingplatzes. Ein freundlicher, aufgeschlossener Mensch, der uns nicht nur gerne bei sich auf dem Campingplatz aufgenommen hat sondern uns auch gerne von Land und Leuten speziell aus dem Sunndalen erzählt hat. Das hinterlässt einen bleibenden Eindruck, Norbert und ich sind uns sicher, hierher wird es uns sicher noch einmal führen. Aber der Urlaub ging ja nun auch weiter, wir hatten noch so viel vor. Unsere nächste Destination sollte daher Åndalsnes sein. Von dort waren wieder einige Touren und Ausflüge geplant. Zunächst stand dazu aber mal der Weg dorthin an, den wir problemlos unter die Räder genommen haben. Niedergelassen haben wir uns auf dem Åndalsnes Camping direkt am Ufer des Flusses Rauma Hätten wir gleich zu Beginn des Tages gewusst was uns im Laufe dessen so alles erwartet, wir wären sicherlich erst gar nicht aufgestanden oder hätten nur bequem vor dem Wohnwagen gesessen. Da wir aber nicht hellsehen können haben wir uns wohl auf die mit Abstand längste Tour begeben, die wir während unserer gemeinsamen Norwegenurlaube gemacht haben. Die Beschreibung im Wanderführer las sich so überzeugend, umringt von Zinnen hies es da, es stand was von einfacher Streckenwanderung, 15 Kilometer Länge und 5 Stunden reine Gehzeit, das sollte doch zu meistern sein! Eigentlich hätten wir schlauer sein müssen, schon am Gjevilvatnet war es ja nicht so einfach und die topografische Höhe sollte bei der heutigen Tour auch in etwa auf diesem Niveau stattfinden, bei dem wir zur Vassendsetra gestartet waren. Zunächst ging es ja auch gut voran. Kaum hatten wir das Auto in Bøstølen abgestellt stiegen wir auf gut zu gehendem Pfad etwas an. Vorbei an tief eingeschnittenen Felsspalten die ein Gebirgsbach gegraben hat, wanderten wir durch üppige Vegetation, die, je höher wir voran kamen, immer lichter wurde und schließlich den Blick auf die umliegenden Berge freigab. Zur Rechten lag der Gebirgszug des Kammen, eben jenes Berges, den es im Laufe der Wanderung zu umrunden galt. Wir befanden uns nun auf einer Hochfläche, bisher trafen die Attribute aus der Beschreibung zu. Ein erstes Highlight auf dem Weg war die Hütte "For Fattig og Rik" Rückblickend können wir es nur bestätigen, der Monat Juni ist für Fjellwanderungen speziell in den Gebieten, in denen im Winter viel Schnee gefallen ist, nicht wirklich geeignet. Wir haben aber wieder Eindrücke erlebt, die so unwahrscheinlich schön waren, uns so viel Überwindung gekostet haben und dennoch haben wir jeden Schritt genossen. Das Erlebnis ist so intensiv, davon können und wollen wir im Nachhinein nicht einen Meter, nicht eine Sekunde missen. Sind es nicht gerade diese Herausforderungen denen man sich stellen muss, die in Erinnerung bleiben? Wir werden auch in Jahren davon erzählen können, soviel ist sicher. Schöne Ausrede um Nichts zu tun: Die Schuhe sind noch nicht trocken! Im Ernst, heute geht gar nichts, selbst der Einkauf des gestern so sehnlich erwarteten, dennoch nicht bekommenen Bieres fällt uns ziemlich schwer. Die Beine sind zwar dran, irgendwie wollen die aber nicht so, wie wir wollen. Wer Muskelkater hat soll gleich weitermachen, so heisst es, wir haben uns aber entschlossen diese Regel zu ignorieren. Ist zwar ein wenig traurig, in der Sonne liegend die Stunden vergehen zu lassen und wirklich nichts zu tun hat aber auch mal was. So geschehen am heutigen Tag, daher auch kein so umfangreicher Tagesbericht. Schade, das Wetter war über Nacht schlechter geworden. Der Himmel hatte sich zugezogen, nichts mehr mit blauem Himmel und Sonne. Auch die Temperatur war merklich in den Keller gegangen aber immer noch so gut, dass wir es doch noch mal versuchen wollten ein paar Schritte zu machen. Wir hatten wir uns eine Tour zum Reindalseter ausgesucht. Dazu mussten wir aber erst einmal nach Tafjord anreisen. Den Trollstig kannte ich bisher ja nur von unten, im Jahr 2004 war die Straße ja noch gesperrt und es blieb nur die Ansicht von unten, heute hatte ich dann das Vergnügen mit Norbert auch einmal diese berühmte Passstraße zu passieren. Meine Güte, die Straße ist ja doch spektakulärer als ich angenommen hatte, die Aussicht in das Isterdalen ist auch bei diesem Wetter klasse, was mich aber viel mehr beeindruckt hat war der viele Schnee hier oben Von Tafjord aus befuhren wir mindestens genauso bezaubernde Straßen wie den Trollstig, klein und verwinkelt schraubten wir uns Meter um Meter höher bis zum Parkplatz am im Fels gehauenen Kraftwerk am Sakrisvatnet. Hier ist der Ausgangspunkt der Wanderung, eigentlich als ganz leicht beschrieben, doch was machten da meine Beine? Irgendwie gehörten die immer noch nicht so richtig zu mir, ich stolperte ziemlich unwillig hinter Norbert her und konnte, vielleicht lag es auch am regnerischem Wetter, die Tour so gar nicht genießen. Die Hälfte des Weges schafften wir trotzdem, vielleicht auch das Highlight. Schon von weitem hörten wir das Rauschen des Reindalsfossen der sich am Ende des Sakrisvatnet darin ergießt. Nur vereinzelt gelingt aber ein schöner Blick auf den Wasserfall, zu tief eingeschnitten liegt der Fels, durch den die Wassermassen strömen. Daher wanderten wir zunächst noch ein Stück weiter. Erst von der oberen Abbruchkante gelang uns ein schöner Blick auf den Verursacher des Rauschens. Wir haben auf einem Felsvorsprung Platz genommen Schon früh führte uns der Weg dann wieder zurück zum Wohnwagen. Die Bergwelt entlang des Trollstigen war durch die tiefhängenden Wolken noch dramatischer, fast düster geworden. Immer noch zogen vereinzelte Skiläufer ihre Bahnen. Mir war es hier zu ungemütlich, der Wind hatte deutlich aufgefrischt und der Regen war kräftiger geworden. Norbert ließ es sich aber nicht nehmen vom Parkplatz an der Passhöhe des Trollstiges noch ein paar Photos zu machen. Irgendwie war meine Stimmung und auch Motivation mit der Sonne der vergangenen Tage verschwunden, ich brauchte noch ein wenig Entspannung, zu sehr steckten mir noch die Strapazen der Tour um den Kammen in den Knochen. So war ich froh zurück zum Wohnwagen zu kommen und den Rest des Tages, gemütlich bekleidet und vor der Flimmerkiste sitzend ausklingen zu lassen. Das Wetter war immer noch nicht viel besser geworden, in der Nacht hat es sogar kräftig auf das Wohnwagendach getrommelt. Uns fiel der Abschied in Åndalsnes daher auch nicht besonders schwer, hatten wir doch die Hoffnung, dass es sich bis zu unserer nächsten Destination gebessert haben könnte. "Back to the Roots" - so hätte unser Motto für den heutigen Tag lauten können. Uns zog es wieder an den Nordfjord, nach Stryn, nach Olden und auf den Gryta-Camping. Ein Geheimtipp, den es aber von Åndalsnes auch erst mal zu erreichen gilt. Manchmal bewundere ich die Ausdauer und Gelassenheit Norberts am Steuer. Nicht immer sind die Straßen breit genug und gut ausgebaut, da gehört schon ein bisschen mehr Konzentration beim Fahren dazu, wieder brauchten wir Stunden mit dem Wohnwagen hinten dran. Unser Wunsch ging leider nicht in Erfüllung. Immer wieder regnete es kräftig, wir erreichten Gryta am Oldevatnet und es regnete immer noch. Nur eine kurze Lücke zwischen zwei Schauern blieb uns zur Installation des Wohnwagen, danach mal wieder süßes Nichtstun. Es regnete immer noch, es war so gar kein Wetter um irgendwelche Outdoor-Aktivitäten zu unternehmen. Das einzige was ging war Sightseeing und Einkauf. Lebensnotwendige Sachen waren das aber nicht gerade, Marmelade halt von Lerum, unserer favorisierten Marke in Norwegen und in ein Sportgeschäft mussten wir auch noch. Ich hatte an einem meiner Wanderstöcke den Teller verloren, mal sehen, ob es den im Sportgeschäft in Stryn ersatzweise gibt. Leider gab es den Teller in Stryn nicht, die Marmeladen waren auch nicht in den Sorten vorrätig, die wir gerne gehabt hätten, da blieb nur der Bummel entlang der Einkaufsstraße in Stryn. Norbert interessierte sich für zwei schön anzuschauende Kerzenständer aus Glas und Edelstahl, stellte die Objekte der Begierde dann angesichts des Preises aber schnell wieder zurück ins Regal. Nein, es lag jetzt nicht am Regen und dem damit zusammenhängenden Frust der auch gerne mal im Kaufrausch endet aber ich hatte da doch etwas mehr Glück als Souvenirjäger. Ich entdeckte eine Fleece-Jacke im Stil der norwegischen Flagge Noch war es viel zu früh am Tag als das wir wieder zurück zum Wohnwagen gewollt hätten. Wir berieten uns kurz und entschlossen das Jostedalsbreen Nationalparkcenter zu besuchen. Nicht wirklich günstig, dafür aber sehenswert. Schwerpunktmäßig dreht es sich in der Ausstellung um die Geologie, Entstehung und Vergang des Jostedalsbreen, die Tier- und Pflanzenwelt nicht nur im Nationalpark Jostedalen und um die Kulturgeschichte von den frühen Jahren der Besiedlung bis heute. Erst in der Ausstellung erfuhren wir von den Lawinenunglücken im Lodalen. Entsprechend informiert interessierte es uns beide, den Ort der Ereignisse einmal live und aus nächster Nähe zu betrachten, so machten wir uns vom Nationalparkcenter auf zur Unglückstelle im Lodalen Übereinstimmend stellten wir fest, hier mussten wir noch einmal hin. Zwar war das Wetter heute nicht auf unserer Seite, bei schönem Wetter ist aber gerade hier in diesem hinteren Teil des Nordfjordes sicher noch so manche Tour zu machen. Überall Highlights, verborgen zwar, die aber nur darauf warten, von uns entdeckt zu werden. Wir werden wiederkommen müssen und wir werden wiederkommen, das steht jetzt schon fest! Nicht schon wieder nur Nichtstun! Irgendwie wollte das Wetter nicht besser werden, fast hatte es den Anschein als das der Nordfjord mit den dazugehörigen Tälern ein richtiges Regenloch ist. Auch heute gab es nur vereinzelte Aufklarungen, sonst war Regen der normale Zustand. Nichts desto Trotz, wir streiften unsere Regenponchos über und begaben uns zum nicht weit vom Gryta-Camping entfernten Briksdalsbreen. Da waren wir gar nicht schlecht überrascht, ganze Bussladungen an Touristen rannten da rum. Gut, während des Frühstückes hatten wir schon einen Reisebus in Richtung Briksdalsbreen fahren sehen, dass aber gleich mehrere direkt vor der Briksdalsbre Fjellstove standen erstaunte uns schon etwas. Wir parkten das Auto auf einem der gebührenpflichtigen Parkplätze, der Touristennepp hat hier Methode, und begaben uns, trotz Regens, auf den etwa ein stündigen Marsch zur Gletscherzunge Briksdalsbreen. Die in Bussen angekarrten Touristen, hauptsächlich Japaner, kamen uns auf halben Weg schon entgegen. Freundlich grüßend, teilweise nur mit Plastiktüten behangen um sich vor dem Regen zu schützen, in jedem Fall aber mit unsachgemäßen Schuhwerk, kamen uns ganze Heerscharen entgegen. Allein waren wir hier jedenfalls nicht. Trotzdem zollten wir gerade den Japanern Respekt, die ließen sich vom Wetter nicht beeinflussen und machten das Beste daraus. Überrascht waren wir auch über die Tatsache, dass so gar keiner die eher unromantische Art der Fortbewegung mittels Elektromobile wählte, die Chauffeure derer hatten nicht viel zu tun. Wären noch die Pferdekutschen unterwegs hätte es wohl ganz anders ausgesehen. Die Felsen des sich immer schmaler zuziehenden Tals zeigten nun deutlich die Spuren des vergangenen Eises. Glatt geschliffen, fast poliert und durch die Nässe fast schwarz schimmernd erhoben sich steile Wände um uns herum. Daran rauschten hier und da Wasserfälle herab, namenlos, da sicher zum Teil nur vom Schmelzwasser der letzten Tage gespeist. Erstaunlich, der Sommer hatte hier schon seine Kraft bewiesen, auf den Almwiesen blühten die Blumen und die Ziegen hatten am frischen Grün genug Futter, die Bergspitzen zeigten aber trotzdem eine neue Haube wie gepudert aus Schnee Halbzeit! Gryta-Camping ist uns wert und teuer, die Ziegenböcke des Mini-Zoo dort bleiben uns in Erinnerung, ebenso Dagfinn Gytri, der Betreiber des Platzes, dennoch zieht es uns heute weiter. Es zieht uns weiter zu unserer heimlichen Liebe, zu Thomas Dalsøren, nach Luster an den Lustrafjord. Es ist wie einen Freund besuchen. Der Seniorchef ist das Herz des Campingplatzes, er würde uns fehlen wenn er einmal nicht mehr da sein würde. Wir fühlen uns einfach nur wohl dort. Schon zwei mal waren wir bei Thomas zu Gast, heute sollte unser dritter Aufenthalt dort folgen. Wir haben uns in Luster viel vorgenommen, mal sehen was das Wetter der nächsten Tage so bringt. Nie hätten wir gedacht, dass wir von Luster aus so eine tolle Wanderung machen können. Auf der Straßenkarte entdeckte ich die Straße durch das Dalsdalen. Nach etwa zwölf Kilometern ist Schluss, die Straße, später nur noch eine Schotterpiste, endet als Sackgasse am Hof Kilen Erst im Nachhinein stellten wir fest, dass der hier beschriebene Weg Teil des alten Kirchweges von Gaupne zur Kirche in Dale ist. Diese findet man im heutigen Luster. Der Ort war zu jener Zeit aber noch nicht über eine Straße mit Gaupne entlang des Fjordes verbunden, da blieb den Kirchgängern nur dieser Pass über die Berge. Wir haben uns die Kirchgänger vorgestellt, bei Wind und Wetter und im Sonntagsgewand. Es mag schon eine gehörige Portion Glaube dazu gehört haben um diesen wohl eher strapaziösen Weg zur Kirche zurückzulegen. Uns jedenfalls hat es für heute gereicht! Wir hatten es uns abgeschminkt. Noch bevor wir in den Urlaub starteten hatten wir geplant, verschiedene Wanderungen anhand der Wanderführer ausgesucht und auch danach unsere Reiseroute berechnet. Der Aufstieg auf den Galdhøpiggen hatten wir uns auch vorgenommen und sollte eigentlich sogar das Highlight in diesem Jahr darstellen, hatte gerade ich es mir doch gewünscht in meinem 50. Lebensjahr auf Norwegens höchsten Berg zu stehen. Leider hatten wir im Laufe der letzten Tage ausgesprochen viel Bekanntschaft mit Schnee gemacht und waren dabei über eine Höhe von 1100 Metern nie hinaus gekommen, wie sollte da ein Hochgebirgsgipfel mit über 2600 Metern für uns sicher nicht optimal ausgerüstete Touristen machbar sein? Hier in Luster jedenfalls verabschiedeten wir uns vom Gedanken in diesem Jahr, und auch noch so früh im Laufe dessen, auf den Galdhøpiggen zu steigen. Es lag einfach noch zu viel Schnee im Gebirge. Und wenn wir schon nicht auf den höchsten Berg Norwegens steigen können, dann wenigstens Sightseeing auf Nordeuropas höchster Passstraße, der Straße über das Sognefjell. Die Fahrt vom Fjord aus in das Gebirge verschaffte uns wieder einmal, typisch für Norwegen, den Genuss wechselnder Jahreszeiten und Wetterumstände innerhalb nur weniger Kilometer und Minuten. Zu Beginn schien in Luster noch die Sonne, am Ende dessen zogen die Wolken schon an den Berghängen herunter. Die Auffahrt nach Fortun und Turtagrø zeigte sich schon durchwachsen, hier und da fielen vereinzelte Regentropfen, oberhalb von Turtagrø am Aussichtspunkt Oscarshaug war es schon Schneeregen Vi ses neste år! Mit diesem Versprechen verabschiedeten wir uns am heutigen Sonntag von Thomas in Luster. Es schneidet uns ins Herz. Gestern noch Wetterkapriolen, heute so, als ob es nicht schöner hätte sein können. Herrlichster Sonnenschein, traumhafte Temperaturen, eigentlich nicht der Tag um weiter zu reisen. Wir wollten und mussten schließlich aber weiter zurück in den Süden und da es im letzten Jahr aufgrund schlechten Wetters zu den Wanderungen auf der Folgefonn-Halbinsel nicht gereicht hat, entschlossen wir uns heute bis dorthin zu reisen. Auf der Karte sieht das alles so einfach aus. Die paar Kilometer bis an das äußere Ende des Sognefjordes Jetzt haben wir den weiten Weg hierher gemacht, da möchten wir uns auch wieder bewegen. Dazu haben wir uns eine Wanderung zum Bondhusbreen ausgesucht. Von Uskedal aus fuhren wir dazu erst einmal wieder zurück in Richtung Rosendal, weiter entlang der Küstenlinie bishin zum Ort Sunndal. Eine zweifellos schöne Straße und auch die Berge umher stehen im gelungenen Kontrast zum Fjord. Verfahren ist hier nicht möglich, genügend Hinweise führen zum außerhalb des Ortes liegenden Parkplatz. Wir erahnen hier schon die landschaftliche Dramatik, die Nähe des Folgefonn-Gletscher ist hier offensichtlich. Gleich zu Beginn der Wanderung umgeben uns steile Bergflanken, glattgeschliffene Felsen und ein türkis schimmernder Gebirgsbach Die Tour gestern war landschaftlich zwar nicht wirklich schlecht, das Ziel hat uns beide aber wenig überzeugt. Noch des Abends nach der Rückkehr, es hatte sich leider etwas zugezogen und vereinzelt fielen auch ein paar Tropfen, saßen wir noch vor dem Wohnwagen und bestaunten das direkt vor dem Ort Uskedal emporsteigende Englafjell. Norbert trieb es förmlich dort hinauf, die Beschreibung im Wanderführer schreckte mich aber mehr ab: 1200 Höhenmeter des Aufstieges wollen erst mal bewältigt werden und das nur der Aussicht auf die Schären vor dem Uskedalen wegen? Da muss es doch noch was anderes geben. Und es gab noch was anderes. Der Zufall brachte uns während eines kurzen Einkaufes im Spar-Markt in Uskedal zu einer Handskizze, die den Aufstieg zum Storhaug beschrieb. Dieser Berg liegt gegenüber des Englafjells, ist nur etwa die Hälfte dessen hoch und wesentlich einfacher zu besteigen. Zu diesem Kompromiss war ich bereit und Norbert fügte sich, zunächst etwas widerwillig, dem Entschluss, den hauptsächlich ich trug. Der Aufstieg war allerdings etwas "bescheiden". Steil bergauf führte der Traktorweg zunächst über Viehweiden auf denen tatsächlich noch Kühe grasten. Später verschwand der Weg im dichten Nadel- dann Laubwald und versperrte die Sicht auf das Uskedalen, das Englafjell und den Kvinnheradsfjorden. Wir schwitzten erbärmlich, die hohe Luftfeuchtigkeit war schwer zu ertragen und das zog tausende kleiner Fliegen an. Die waren sehr lästig, die setzten sich auf verschwitzte Haut ebenso wie sie in den Mund, die Augenwinkel und die Ohren kriechen wollten. Einfach widerlich, wir versuchten uns dabei mit wedelnden Händen vor der Übermacht zu schützen - vergeblich. Erst weiter oben, der Wald lichtete sich und ging in ein Hochfjell über, wehte ein wenig Wind, so dass die Fliegen sofort von uns abließen. Und dann diese Aussicht. Augenblicklich war auch Norberts Laune besser. Der Blick richtete sich weit entlang der Küstenlinie der Folgefonn-Halbinsel Abschied von Uskedal, Abschied von der Folgefonn-Halbinsel. Eine durchaus schöne Gegend, die wir sicher einmal wieder bereisen werden. Heute hat es sich zugezogen, der Himmel ist einheitlich grau, noch hält sich das Wetter aber, was sich im Laufe des Nachmittages aber dramatisch ändern wird. Eigentlich das perfekte Wetter um die Tour zurück in den Süden fortzusetzen. Wir hätten bekannte Routen befahren können, Norbert, der war ja schon öfter hier als ich, wollte aber Neues entdecken und beschloss daher für uns unbekannte Straßen und Wege zu befahren. Als Endstation hatten wir uns Brusand, etwa 40 Kilometer südlich von Stavanger ausgesucht. In Norwegens Kornkammer Jæren stand noch eine Tour an, nur das Wetter könnte uns um diese Unternehmung bringen. Und noch bevor wir auf die letzte Fjordfähre in diesem Jahr von Arsvågen nach Mortaviga fuhren So ein Mist! Es hat sich so richtig eingeregnet. Die ganze Nacht hat es auf das Wohnwagendach getrommelt, dazu ist Wind aufgekommen, der ordentlich am Wohnwagen gerüttelt hat. Des Morgens waren wir noch guter Hoffnung etwas unternehmen zu können. Wir ließen uns ausgesprochen viel Zeit beim Frühstück und hofften während dessen zumindestens auf weniger Regen. Alle Hoffnungen darauf zerschlugen sich aber während des Vormittags, es regnete zwischenzeitig so heftig, dass allein der Weg zum Toilettengebäude des Campingplatzes reichte, um ordentlich nass zu werden. Zwar haben wir unsere Regenponchos, doch die wehen halt im Wind und wirken fast wie ein Segel. Unter diesen Umständen hatte ich wirklich keine Lust mich vor die Tür zu bewegen, ich schnappte mir mein Buch und vertrieb mir die Zeit. Norbert klemmte sich erst noch vor den Fernseher, bald hatte er aber keine Lust mehr auf das Programm und beschloss allein nach Stavanger in das Ölmuseum zu fahren. Tut mir leid, no go bei diesem Wetter! Allein die Vorstellung vom Parkplatz ins Museum durch diesen Regen zu marschieren, wie gesagt, der Weg zur Toilette reichte um nass zu werden, da brauchte ich keinen Museumsbesuch oder Sightseeing in Stavanger. Erst nach Norberts Rückkehr, er war übrigens ganz begeistert vom Ölmuseum und bezeichnete es trotz des Preises als einziges Museum, das man mal gesehen haben muss, legte sich der Regen, der Wind blies aber nach wie vor ganz ordentlich. Zum Abend unternahmen wir daher noch einen Spaziergang am Strand Das Wetter wollte einfach nicht besser werden, so fiel es uns nicht schwer hier in Brusand die Segel zu streichen. Der Wohnwagen war schnell wieder reiseklar und die Reise entlang des Nordsjøvegen in Richtung Farsund konnte beginnen. Wieder entschlossen wir uns zur Fahrt über die eher kleinen Straßen. Die Europastraße 39 wäre sicherlich einfacher und schneller zu befahren gewesen, ob sie aber mit so vielen landschaftlichen Highlights aufgewartet hätte? Der RV 44, auch Nordsjøvegen genannt, bietet jedenfalls oft den Blick auf das Meer und die sehenswerten Orte Egersund und Flekkefjord werden dabei nicht ausgelassen. Je weiter wir gen Süden vorstießen desto felsiger wurde auch wieder die Landschaft. Die weiten Ebenen Jærens waren verschwunden, es gab keine ausgedehnten Strände mehr und die Felsen erhoben sich direkt aus dem Meer schon wieder zu kleineren Bergen. Da wir schon zeitig losgefahren waren und der Weg nach Farsund so weit nicht war, erreichten wir den Ort und den Campingplatz Lomsesanden schon relativ früh des Nachmittags. Nun waren wir zum dritten mal hier in Lomsesanden, so voll wie in diesem Jahr haben wir den Campingplatz aber noch nicht erlebt. Es hing wohl auch damit zusammen, dass die Ferienzeit in Norwegen noch nicht zu Ende war und gerade die Südküste beliebtes Urlaubsziel der norwegischen Familien ist. Schnell hatten wir den Wohnwagen für die letzten Tage installiert, einem Spaziergang über die Landzunge Einarsneset stand jedenfalls zum Abschluss des Tages nichts mehr im Weg. Es ist einfach schön hier, der Wind, die Wellen, das Meer und die Schärenlandschaft, es passt hier einfach alles zusammen um sich rundherum wohl zu fühlen. Daher gilt Farsund auch als unser Favorit, hier zu leben und zu arbeiten, das wäre das Größte! Highlight des Tages war der Besuch bei unseren lieben Freunden Tatjana und Andreas in Vanse. Durch Zufall haben sich Andreas und Norbert kennen gelernt, ein Gästebucheintrag auf der alten Internetseite norway-2004 initiierte die Bekanntschaft. So es sich terminlich vereinbaren lässt, Andreas ist ein vielbeschäftigter Mann und oft auf Geschäftsreise, ist ein Besuch bei den beiden mit ihren Kindern ein Muss. Es gibt immer so viel zu erzählen, das traditionelle Reke-Essen gehört dazu und wenn die Männer über Beruf, Land und Leute sprechen wird der Herzschmerz wieder ein bisschen mehr. Wären wir nur ein paar Jahre jünger, hätten Norbert und ich uns doch nur früher kennen gelernt und wären unsere Verpflichtungen und familiären Bindungen in Deutschland nicht so ausgeprägt, wir hätten in Andreas und Tatjana sicher diejenigen gefunden, die uns bei einem Neubeginn mit Rat und Tat unterstützen würden. Im Allgemeinen ist das Wetter im Süden Norwegens im Sommer als stabil zu bezeichnen, so auch heute. Es war jedenfalls stabil regnerisch. Nichts von den schönen und sonnenreichen Tagen der ersten Urlaubswochen. Es zeigte sich durchweg regnerisch und der Wind blies uns kühl und kräftig ins Gesicht. Trotzdem wollten wir heute versuchen uns zu bewegen und die Halbinsel Lista zu erkunden. Ein einfacher Touristenprospekt zeigte verschiedene Möglichkeiten kleinerer Touren auf, eine davon startete am Parkplatz bei Listeid. Schon der Zustand des Parkpklatzes zeigte sich ziemlich vernachlässigt. Das Gras wuchs sicher über einen halben Meter hoch und war erst auf dem zweiten Blick als Parkplatz auszumachen. Den einzige Hinweis stellte eine verwitterte Wegtafel dar auf der aber nichts mehr zu erkennen war. Ein paar Schritte nach Listeid, schon standen wir am Ufer des Framvaren. Rechts kein Weg, links kein Weg. Wenn es hier mal einen Weg gegeben haben sollte, dann ist der aber schon seit Monaten oder Jahren nicht mehr begangen worden. Enttäuscht setzten wir uns wieder ins Auto und kurvten ziel- und planlos durch die Gegend. Ein Zufall brachte uns zu der Zufahrt zum Varnes Fyr bzw. Fort. Der Weg zeigte sich ausgesprochen holperig, Norbert bewegte den Volvo mit größter Vorsicht. Nur ein kleines Hinweisschild deutete auf den Fußweg zum Leuchtfeuer hin. Nach etwa 15 Minuten erreichten wir das ausgesprochen kleine Leuchtfeuer Noch einmal hatten wir uns mit unseren Freunden Andreas und Tatjana verabredet. Gerade bei diesem immer noch stürmisch und regnerischem Wetter ist Lista besonders, die Nähe zum Meer ist allgegenwärtig und die Luft schmeckt förmlich nach Salz. Andreas zeigte uns die Besonderheiten der Halbinsel Lista, auf der er und seine Familie seit 1999 zuhause sind. Erstes und wohl auch wichtigstes Touristenhighlight ist das Lista Fyr, ein 38 Meter hoher Leuchtturm, der bestiegen werden kann. Wir lösten ein Ticket dazu, Espen, der jüngste Sohn von Andreas und Tatjana begleitete uns hinauf. Das Treppenhaus windet sich steil empor, nur kleine Fensterchen, Schießscharten gleich, erlauben während des Aufstieges einen kurzen Blick nach draußen. Oben unterhalb der Linse betraten wir dann die Außengalerie, einer Art Balkon, der rund um den Turm führt. Meine Herren, auf dem Boden wehte es schon recht ordentlich, als wir aber die Tür zur Balustrade öffneten blieb uns die Luft weg. Der Wind blies uns kalt und regenschwer ins Gesicht, kraftvoll und unberechenbar krachte er uns förmlich entgegen, dass wir uns fest am Geländer festhalten mussten. Die Aussicht von hier oben war aber ganz speziell. Obwohl das Wetter keine Fernsicht erlaubte erlebten wir hier die Unbilden der Natur hautnah. In der Ferne verschwammen die Häuser von Borhaug im Dunst Erst nach dem Abendessen unternahmen wir noch einen Spaziergang. Ein letztes Mal am Strand, ein letztes Mal durch das Wasser schlendern und den Sand zwischen den Zehen spüren Der Nachtwächter von Farsund ist eine Frau! Wir hatten uns auf dem Weg gemacht, einkaufen und ein letztes Softeis standen in Farsund aber noch auf dem Plan, als ich beschloss, der eher missglückten Tour am Framvaren wegen, noch einmal das Touristenbüro im Ort zu besuchen. Eigentlich wollten wir nur nachschauen ob neben dem fast in jedem Lädchen ausliegendem Prospekt auch gut beschriebene Wanderlektüre zu bekommen ist. Leider auch hier Fehlanzeige, Wanderführer wie wir sie kennen scheint es wohl für die Region Lista nicht zu geben. Gerade als wir das Büro wieder verlassen wollten kamen wir mit einer altertümlich gekleideten Frau ins Gespräch. Zuerst glaubten wir bei der Kleidung an eine Art Tracht, später stellte sich heraus, dass dieses Gewand das Kleid eines Nachtwächters ist. Sie sprach gut deutsch, erklärte uns, dass sie eine ganze Weile in Deutschland gelebt hat und nun, während der Ferienzeit und touristischer Hochsaison, als Nachtwächter durch die Straßen von Farsund zieht. Sie fragte uns nach dem Woher und Wohin und augenblicklich wurde uns bewusst, dass es tatsächlich der letzte Tag in Norge war, dass uns nur noch die Fahrt morgen von unserem Heim trennen würde. Was für ein Gefühl! Wir wollten noch gar nicht, dennoch befanden wir uns jetzt schon auf der Heimreise. Das nächste mal würde der Wohnwagen erst wieder vor unserer Haustür abgekuppelt werden. Wir genossen jedenfalls die letzten Minuten hier in Farsund, setzten uns mit unserem Softeis noch einmal an die Promenade um den beiden Schwänen zuzusehen, die behäbig, fast schon mit majestätischer Langsamkeit ihren Weg entlang der Stege fanden. Die Tauben und Spatzen umkreisten uns neugierig, immer in der Hoffnung, noch ein Stück der Waffel abzubekommen. Noch während wir so andächtig da saßen und in Gedanken mit dem Abschied beschäftigt waren, hupte es hinter uns und man mag es kaum glauben, da stand Andreas mit seinem Auto. Der hatte einen Termin mit Sergej, seinem ältesten Sohn, und entdeckte uns im Vorbeifahren auf der Bank sitzend. Ein kurzes Gespräch, ein letzter Smalltalk, liebe Grüße und eine gute Heimreise, danach wieder das Gefühl, etwas hierzulassen, das wir uns gewünscht hätten mitnehmen zu können. Irgendwann war es aber dann wirklich soweit, wir verließen Farsund auf bekannten Wegen und kamen zügig nach Kristiansand. Norbert war vor Jahren schon einmal von hier zur Rückreise gestartet, hatte aber so recht gar keine Erinnerung mehr an das Hafengelände. Unser Schiff, die "Fjordcat" , lag schon festgemacht, dennoch schickte uns der Einweiser nach Durchsicht unserer Tickets wieder zurück. Wir seien viel zu früh hier, die nächste Überfahrt wäre die von 15 Uhr 30, wir hatten es aber zwischenzeitig 16 Uhr 30, optimal eigentlich für unser Check In. Also doch, das Wetter und besonders der kräftig wehende Wind hatte für einiges Durcheinander im Fahrplan der schnellsten Fähre der Welt (Quelle: Fjordline) gesorgt. Unser Abfahrtstermin verlagerte sich auf den späten Abend. Wir mussten also warten bis die Fähre aus Dänemark wieder zurück war. Zeit mit der wir nicht gerechnet hatten, zumal wir mit dem Gespann nicht im Hafengelände stehen bleiben durften. Erst etwa eine Stunde vor dem Check In war es uns wieder gestattet hierher zurück kommen zu dürfen. Aber wohin mit einem Wohnwagengespann? Da passt halt nicht jeder gewöhnliche Parkplatz. Unweit des Bahnhofes gelang es uns dann doch noch das Gespann abzustellen. Nicht wirklich legal, es handelte sich wohl um den Parkplatz der Bahnangehörigen, jedoch wurden wir toleriert und konnten daher noch ganz unbesorgt einen kleinen Bummel durch Kristiansand unternehmen. Welch ein Trubel dort, entsprechend einer Hafenstadt zeigten sich die Leute hier multikulturell und aus aller Herren Länder. Es war hektisch, es gab viel Verkehr hier und es war schlichtweg laut. Da hupten Autos, dort krachte der Abbruchbagger inmitten einer bewohnten Häuserzeile, die Sirene eines Krankenwagen, alles Geräusche die vertraut sind aber während der Reise in so weite Ferne gerutscht waren. Etwas ruhiger ging es dann abseits der Einkaufsstraßen zu, gleich verschwand die Hektik und die Uhr ging wieder langsamer. Da spielten die Kinder am Brunnen Nach kurzen zwei Stunden und zwanzig Minuten legten wir in Hanstholm an. Die Nacht war hier schon deutlich dunkler als noch zuvor in Norwegen, vielleicht ganz gut so, denn Hanstholm ist nun wahrlich keine schöne Stadt. Nur noch schnell raus hier und einen Parkplatz finden, auf dem wir uns zur letzten Nachtruhe während der diesjährigen Reise begeben konnten. Die Nacht auf dem Parkplatz war kurz und eher unruhig. Obwohl nur eine Landstraße war dort vor allem schon recht früh des Morgens viel Verkehr. Wir entschlossen uns, was blieb auch anderes übrig, zur baldigen Weiterreise. Kurzes Frühstück, die Stützen des Wohnwagen wieder eingezogen und dann ging die Fahrt weiter. Kilometerfressen wie immer. Die vielgehasste Europastraße 45 erreichten wir in Ålborg, danach nur noch "straight ahead". Um kurz vor 13 Uhr überquerten wir mal wieder die deutsche Grenze, aus der Europastraße 45 wurde die Autobahn 7. Dramatik dann in der Einfahrt zum Elbtunnel: Schon eine ganze Zeit lang ruckelte der Wagen beim Beschleunigen, nun hier, in unmittelbarer Nähe zum Tunnel blinkte auch noch die Getriebekontrollleuchte und deutete auf einen Fehler hin. Seltsam, augenblicklich ließ das Ruckeln nach und der Motor zog unseren Wohnwagen problemlos durch die Röhre des Elbtunnels. Kaum hatten wir diesen verlassen bockte der Motor erneut, das Auto fuhr so als ob ein wildes Pferd eingeritten würde. Norbert hatte so langsam die Nase voll von dieser unschönen Eigenart des Fahrens, wir machten Pause und aßen erst einmal zu Mittag. Vorher ein kontrollierender Blick in den Motorraum - nichts! Nach unserer Mittagsrast fuhr der Volvo auch wieder ohne Störung bis kurz vor Gütersloh. Jetzt blinkte wieder einmal die Getriebekontrollleuchte, diesesmal schneller, fast schon bedrohlich machte sie auf einen Fehler aufmerksam. Zum Glück konnten wir von der vielbefahrenen Autobahn 2 auf einen Parkplatz ausweichen. Kaum stand der Wagen versanken wir auch schon im dichten weißen Rauch, der zäh unter dem Auto hervor quoll. Wieder ein Blick in den Motorraum, zunächst außer Qualm nichts, erst der Blick unter das Auto offenbarte die ganze Problematik. Das Getriebeöl lief an einer Stelle heiß und dabei dünn wie Wasser aus und verteilte sich unglücklicherweise auf den Auspuff. Hier war dann Schluss für uns, nichts ging mehr. Der Servicedienst der Schutzbriefversicherung war schnell alarmiert, auf den Abschlepper mussten wir allerdings etwas länger warten. Zum Glück wurden wir bis nach Hause geschleppt. Den Wohnwagen schoben wir noch per Hand auf seinen Platz vor der Tür und dann ging es gleich, immer noch huckepack, mit dem Volvo in die etwa einen Kilometer entfernte Werkstatt. Das unser Urlaub dann so endete hätte wirklich nicht sein müssen. Zum Glück bekamen unsere Nachbarn von unserer Ankunft auf etwas unkonventionellem Wege nichts mit, es war Halbfinale in der Europameisterschaft, die Straßen waren leer und alle Leute hingen vor den Fernsehern. Mich interessierte Fussball gar nicht, ich wollte jetzt nur noch zu unseren Katzen, in unsere schöne Wohnung und einfach nur wieder zuhause sein. (Anmerkung: Das Getriebeöl des Automatikgetriebes war überhitz und hatte sich dabei so ausgedehnt, dass es durch einen Überlauf entwich. Es lag somit kein Defekt am Getriebe vor, dennoch wurde in der Werkstatt das Getriebeöl gewechselt zumal wir sicher auch einen Liter dessen verloren hatten. Auch das Standgasregelventil wurde erneuert, das war laut Fehlerspeicherdiagnose für den bockigen Motorlauf verantwortlich.) Wieder endet hier meine Reisebeschreibung. Es war mir ein Vergnügen Ihnen den Verlauf und meine Erinnerungen an einen schönen Urlaub während dessen und jetzt hier auf der Internetseite zu dokumentieren. Auch wenn es sich bei diesem Bericht nur um die in Wort gefassten Gedanken handelt, für mich lebt die Erinnerung an einen schönen Urlaub durch dieses Tagebuch wieder auf. Mich würde es freuen, wenn Sie meine Gedanken verstehen und vielleicht selbst erleben möchten. Reisen Sie nach Norwegen und erleben das Land so, wie ich es lieben gelernt habe. |
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