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| Angelikas Tagebuch |
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Auch in diesem Jahr hat Angelika den Bleistift gespitzt und ihre Eindrücke vom Tag notiert. Lesen Sie daraus und erleben Sie den Urlaub auch auf diese Weise mit. Viel Spaß dabei wünschen Angelika und Norbert! Reisetagebuch Norwegen 09.08.2007 - 01.09.2007 Irgendwie bin ich noch gar nicht in der Lage ordentliche Tagebucheinträge zu schreiben, viel zu früh, es ist erst 4:22 Uhr am heutigen Donnerstag. Die Nacht war wieder einmal viel zu kurz und geschlafen habe ich auch eher oberflächlich. Aber bei aller Müdigkeit, die Freude überwiegt, es ist schließlich Abreisetag und wir werden gleich durchstarten zu unserem geliebten Ziel Norwegen. Nur noch ein paar wenige Sachen gilt es zu verstauen, ein kleines Frühstück und einen großen Becher Kaffee, den brauchen wir beide, dann kann die Reise in den Norden beginnen. Um 16 Minuten vor 7 geht es dann wirklich los. Dauerregen. Schon in der Nacht hat es geschüttet wie aus Eimern, ein schlechtes Omen? Wir werden sehen. Norbert hatte sich zur Anreise dieses mal die Autobahn 1 ausgesucht, ein Fehler wie sich später herausstellen sollte, langgestreckte Überholverbote und ständig die LKW vor sich, die das Wasser nach dem Regen von der Straße aufgischten ließen. Das Fahren war selbst für mich, die ja bekanntlich nur im äußersten Notfall mit dem Gespann fahren würde, anstrengend. Um halb 12 erreichten wir Hamburg, eigentlich dem einzigen wirklichen Highlight auf dem Weg nach Hirtshals. Das anfänglich so schlechte Wetter hatte ein Einsehen, zwischenzeitig war es richtig warm und sonnig geworden, so ließ es sich reisen und der Pulli von heute morgen war dem T-Shirt gewichen. An der dänischen Grenze um 14 Uhr zeigte der Außenthermometer sogar hochsommerliche 28°C an. Erst um 18:45 Uhr erreichten wir Hirtshals, ziemlich platt, immerhin waren wir 12 Stunden unterwegs, dennoch waren wir froh diese erste Etappe ohne Probleme geschafft zu haben. Nach einem kleinen Spaziergang bei immer noch sehr schönem Wetter und angenehmen Temperaturen am Strand und entlang des Hafen ruhten wir uns erst mal aus. Einchecken können wir sowieso erst ab 21 Uhr, da tut uns eine Mütze voll Schlaf bis dahin sicher gut. Die "Pride of Telemark" ließ lange auf sich warten, erst um 3 Uhr in der Nacht ging es endlich mit einer Stunde Verspätung los. Das Schiff war deutlich besser besucht als im letzten Jahr, einen ordentlichen Schlafplatz auf den Bänken im hinteren Schiffsteil war dieses mal nicht zu finden, alles belegt schon, da blieben uns nur die Pullmannsitze. Die stehen in Reih und Glied im vorderen Teil des Schiffes direkt neben den Toiletten. Gerade noch konnten wir noch zwei nebeneinander stehende Schlafsessel belegen, an Schlaf war für mich aber nicht zu denken, die Geräusche waren einfach nicht des Schlafes förderlich. Hier schnarchte einer, dort unterhielten sich noch welche, weiter vorne riefen Kinder nach ihren Eltern und die Türen zu den Toiletten verschlossen mit einem lauten Knall, da der automatische Türschließer zu stramm eingestellt war. Schon bewundernswert, dass es hier tatsächlich auch Leute gab, die das alles nicht störte und tief und selig schliefen. Norbert gehörte auch dazu, beneidenswert. Um 8 Uhr hatte die immer mehr werdende Sehnsucht nach Norwegen einen vorläufigen Höhepunkt, wir waren in Langesund angekommen. Norbert hatte sich gleich am ersten Tag, direkt nach der Ankunft vorgenommen bis an die Südküste nach Farsund zu rollen. Schon des Nachmittags waren wir bei Andreas und Tatjana eingeladen, so artete der erste Tag ein wenig in Stress aus. Norbert fuhr bis es ihm nicht mehr möglich war die Augen offen zu halten. Die vergangene Nacht forderte nun ihren Tribut, so suchten wir einen Parkplatz direkt neben der Europastraße 18 und schliefen erst einmal ein wenig. Die Zeit drängte allerdings, an ausschlafen war kein denken, dennoch tat gerade Norbert die Stunde Auszeit sehr gut, konnte er danach weiter fahren und so erreichten wir Farsund auch sicher um kurz nach halb 2 des Mittags. Noch während wir den Wohnwagen aufbauten war uns beiden klar, dass ausruhen jetzt nicht mehr sinnvoll war. Würden wir uns tatsächlich hinlegen, bestünde die Gefahr, unsere Einladung bei Andreas und Tatjana zu verschlafen. So blieben wir wach, genossen in den Campingstühlen sitzend die Sonne und gönnten uns noch einen kleinen Spaziergang am gut besuchten Strand. Um 17 Uhr waren wir in Vanse, pünktlich erschienen wir bei Andreas und Tatjana. Auch dessen Eltern waren gekommen und verbrachten ihren Urlaub bei ihrem Sohn, der 1999 nach Norge ausgewandert war. In geselliger Runde wurde wieder viel geredet und gelacht, wir fühlten uns wohl bei Reke (Norwegische Krabben) und einem Glas Bier. Lange saßen wir draußen und unterhielten uns über die Vorkommnisse des vergangenen Jahres. Ich hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass es wirklich schon so lange her war, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Dennoch, um kurz nach 22 Uhr war Schluss für uns, der Tag war lang und die Müdigkeit wurde jetzt mehr als deutlich. Um nicht den Eindruck zu hinterlassen, dass wir nur gelangweilt gähnende Gäste seien, beschlossen wir uns zu verabschieden, allerdings mit dem Versprechen, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Der Tag begann enttäuschend mit Regen. Unsere Fahrt hierher nach Farsund war, mit Ausnahme des Besuches bei Andreas und Tatjana in Vanse, nur Anreise gewesen, so beschlossen wir heute noch nicht weiter zu fahren und uns erst ein wenig zu erholen. Wir besuchten nach dem Frühstück gleich den Ort Farsund, den Ort unserer heimlichen Liebe. Der Charme der Stadt hat uns vollends in ihren Bann gezogen, hier zu leben und zu arbeiten wäre für uns das größte Glück. Des Nachmittags klarte das Wetter wieder auf, kalt war es ja die ganze Zeit nicht, jetzt scheint die Sonne wieder vom blauen Himmel. Direkt gegenüber des Campingplatzes beginnt ein kleiner Pfad hinauf zu dem Felsrücken, der den Blick über die der Südküste vorgelagerten Inselchen und den Ort Farsund erlaubt. Nur etwa 400 Meter hoch durch teilweise urwaldähnlichen Wald, begleitet von so mancher Mücke (bisher hatten wir mit diesen lieben Tierchen in Norwegen nichts zu tun), der Weg hierher lohnt aber dennoch. Weit schweift der Blick über das Skagerrak und die zerrissene Küstenlandschaft hier im Süden Norwegens. Wir genossen diesen ersten Höhepunkt in Norwegen, begeistert vom Wetter und der Tatsache, wieder hier zu sein, wo es uns so sehr gefällt, kehrten wir zum Wohnwagen zurück. Der Tag war noch jung genug um an den Strand zu gehen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen, ein Buch zu lesen und nichts zu tun. Norbert konnte dann aber doch nicht so lange still sitzen, er zog sich die Badehose an und sprang in die erfrischenden Fluten. Nein Danke, auch wenn es noch so einladend ausschaut, mir sind 18°C Wassertemperatur eindeutig zu kalt. Füße reinhalten muss bei mir reichen. Auch wenn der Morgen verregnet war, versöhnlich mit einem tollen Sonnenuntergang schloss der Tag ab. Auch wenn es noch so schön ist hier in Farsund, wir waren erst ganz am Anfang von unserem Urlaub und wollten auch mehr vom Land sehen. Ein Riesensprung führte uns daher von Farsund zum Wintersportort Gullingen, etwa 25 Kilometer vom Ort Sand am RV 13 entfernt. Norbert benutzte bewusst die kleinen Straßen, durch das Sirdal führte uns eine schöne aber auch teils sehr kurvige und schmale Straße. Erst im Ort Svartevatn stießen wir wieder auf touristisch frequentiertere Straßen und bald gelangten wir auch wieder auf den RV 13. Dieser Straße folgten wir nun eine ganze Weile bis es nach der zweiten Fjordfährpassage wieder auf eine kleine, teilweise einspurige Straße, hinauf in das Gebirge der Ryfylkeheiene in das Ulladalen nach Gullingen ging. Wir erreichten den um diese Jahreszeit unspektakulären Wintersportort erst um 18:30 Uhr, wieder lag ein weiter Weg hinter uns und Norbert hatte es sich verdient, jetzt hier und heute die Füße hochzulegen. Mit einem atemberaubend schönem Sonnenuntergang, die Berge um uns herum erstrahlten im glühenden Orange, endete der Tag. Nur ein paar wenige Touristen waren mit uns hier auf dem kleinen Schotterplatz, der mehr an einen Parkplatz erinnerte als an einen Campingplatz, der Komfort hier war aber unübertroffen. Duschen frei und tolle Sanitäranlagen. Wir haben es zum Ende des Tages genossen, jetzt fühlen wir uns wieder wie Menschen... Warum waren wir eigentlich nach Gullingen gekommen? Na klar, wir wollten hier auch wandern gehen und unser Ziel hier war der Aussichtsberg Napen in der Ryfylkeheiene. Schon zuhause haben wir anhand verschiedener Wanderungen aus verschiedenen Wanderführern unsere Reiseroute gewählt, hier war es der Napen, dessen Aufstiegsroute im Rother Wanderführer beschrieben wurde. Norbert und ich gaben uns größte Mühe, den korrekten Einstieg fanden wir nach Angaben aus eben diesem Wanderführer nicht. Wir parkten unser Auto auf einem offensichtlichem Parkplatz, es standen noch drei andere Autos dort, und folgten dem Weg über eine Brücke über den Fluss Ulla. Merkwürdig, wir fanden außer einer Hochspannungsleitung und dem Parkplatz in einer Kurve keine Parallelen zur Beschreibung, dennoch folgten wir einem schmalen Bergpfad hinauf. Mit jedem Meter den wir höher kamen wurde der Überblick besser, das Wetter trug ebenso dazu bei, dass wir die Fernsicht genießen konnten. Weiter oben wurde der Weg etwas wanderfreundlicher, die Neigung des Weges wurde deutlich flacher und führte uns bald sogar wieder etwas hinunter, immer in Sichtweit von verschiedenen Seen. Der Weg war zweifelsohne sehr schön, doch sicher nicht richtig, soweit im Klaren waren wir nun, es war uns einfach nicht möglich eine Übereinstimmung zur Beschreibung im Wanderführer zu finden. Wir wanderten etwa 3 Stunden bis wir die Hütten von Stranddalen erreichten. Davor machten wir eine Pause mit dem Wissen, hier den Napen nicht besteigen zu können. Dennoch, bis hierher bereuten wir nicht einen Meter, die Landschaft war einzigartig und von einer Ruhe, die wir so sehr vermisst, hier aber wieder gefunden haben. Leider zog sich der Himmel immer mehr zu und es begann, in Norwegen scheint es nicht nur einfach zu regnen, nein, es muss immer gleich aus Eimern schütten. Schnell waren unsere Outdoorjacken hervorgeholt, sie bewahrten uns vor allzugroßer Nässe. Wir waren schon weit zurück gewandert als uns eine junge Familie entgegen kam. Die hatten die perfekte Regenbekleidung an, Ponchos bis in Kniehöhe und der Rucksack war auch bedeckt. So ein Ding brauchten wir auch! Zurück am Auto hatte es wieder aufgehört zu regnen, der Himmel war sogar wieder offen, so besuchten wir nur noch ganz schnell den See Blåsjø, der vom Parkplatz in nur wenigen Minuten zu erreichen war. An der Staumauer war es aber dermaßen zugig, da fiel es uns schwer die pure Begeisterung zu zeigen. So zog es uns wieder zurück zum Wohnwagen, einigermaßen erschöpft aber dennoch glücklich über unsere erste, wenn auch etwas missglückte Tour, ließen wir den Tag darin geruhsam ausklingen. Krisenstimmung heute. Wir verließen Gullingen und so wie wir diesen Ort verließen, verließ uns auch das gute Wetter. Ursprünglich sollte uns der heutige Weg zur Folgefonn-Halbinsel führen, wir hatten dort zwei Wanderungen am dortigen Gletscher geplant, in Odda am Südende des Sørfjordes regnete es aber derart heftig, dass wir uns zur Beratung erst einmal in die Touristeninformation zurück zogen. Die freundliche Dame dort teilte uns aber mit, dass es wohl auch in den nächsten Tagen nicht viel besser aussehen würde, die Wettervorhersage zeigte viel Regen an, da machte es für mich keinen Sinn extra durch den mautpflichtigen Folgefonn-Tunnel zu fahren, einen Campingplatz auszusuchen um nur im Wohnwagen zu sitzen. Wandern wollte ich nämlich bei einem derart schlechten Wetter so wie es sich gerade zeigte nicht. Norbert war von der hauptsächlich von mir getroffenen Entscheidung weiterzufahren nicht besonders erbaut, viel lieber hätte er es auf einen Versuch ankommen lassen, ich konnte ihn aber nach langer Diskussion davon überzeugen den Weg in Richtung Øvre Eidfjord fortzusetzen. Der Folgefonn-Gletscher wird nicht so schnell abschmilzen und im nächsten Jahr, wir werden ja schließlich wieder hierher zurück kommen, erleben wir den Gletscher womöglich bei strahlendem Wetter, warum also sollten wir uns in diesem Jahr eine Tour ins Gebirge antun, auf der wir von der sicher sagenhaften Landschaft nichts oder nur wenig zu Gesicht bekommen würden? Bevor wir Odda verließen kauften wir uns aber noch in einem Sportgeschäft zwei Regenponchos, so welche, wie wir gestern schon gesehen haben. Damit können wir ja vielleicht in Øvre Eidfjord in etwas gemäßigterem Gelände wandern gehen auch wenn das Wetter nicht so gut ist. Mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt... Norbert wird es geahnt haben, das Wetter wurde jedenfalls nicht wesentlich besser. Der Regen hatte zwar etwas nachgelassen, dafür blies ein stürmischer Wind vom Fjord über den Sæbø-Camping, unserem Quartier seit gestern Abend. Hier gab es jedenfalls keine Diskussionen, wir waren beide der Meinung unsere Reise heute fortzusetzen ohne hier eine Tour gegangen zu sein, obwohl sich durch die Nähe zur Hardanger Vidda sicher eine Tour dort angeboten hätte. Aber schon im Tal wehte der Wind kräftig, wie würde er erst auf der Hochebene der Vidda sein? Nach dem Frühstück, zu dem wir uns jede Menge Zeit ließen, beschlossen wir die Weiterfahrt in Richtung Aurland. Auf dem Weg lagen die bekannten sehenswerten Highlights wie der Vøringfossen und der Sysendammen und weiter oben, auf der Hochfläche der Vidda, blies es uns fast mit dem Gespann von der Straße. Wandern? Hier? No Go! Der RV 7 ist im weiteren Verlauf in Richtung Geilo eher unspektakulär, man möge es mir verzeihen, ich hab sogar ein wenig geschlafen im Auto und auch der RV 50 nach Aurland war nicht wirklich so toll, wie man es schon von vielen Seiten im Internet gehört und gelesen hat, erst als es in Serpentinen hinab in das Aurlandsdalen ging, entdeckten wir die Dramatik des nahen Fjordlandes wieder. Das war mal wieder eine Landschaft, da schlug das Herz gleich höher, voller Abwechslung, hinter jeder Kurve, hinter jedem Tunnel neue Perspektiven. In Aurland allerdings gefiel uns der Campingplatz nicht so gut, so beschlossen wir auch noch die paar Kilometer nach Flåm zu fahren. Auf dem Campingplatz dort hatten wir Glück, dass wir überhaupt noch einen Platz zugewiesen bekamen. Der viele Regen der letzten Tage hatte die Wiesen aufgeweicht und wenig umsichtige Camper hatten mit ihren Fahrzeugen tiefe Spuren darin hinterlassen, da wurden kurzerhand die beschädigten Wiesen gesperrt. Nur noch ein kleines Areal war noch soweit zu gebrauchen, dass man den Wohnwagen dort aufstellen konnte, ohne bis an die Knöchel im Morast zu versinken. Der Campingplatzwart wies uns daher auch an genau seinen Anweisungen zu folgen. Mit dem Auto auf die Wiese, stehenbleiben, abkuppeln und dann sofort wieder runter mit dem Auto und dort geparkt, wo der Weg geschottert war. Zum Glück standen wir gerade und auch die Aussicht auf den Ort Flåm, der eigentlich ein reines Touristenzentrum ist, war ausgezeichnet. Wir konnten direkt aus dem Wohnwagenfenster heraus den anlegenden Kreuzfahrtschiffen bei ihrer Ankunft zusehen und auch die wohl weltbekannte Flåmsbana, die steilste Normalspureisenbahn der Welt, fuhr praktisch gleich vor der Wohnwagentür ab. Jetzt muss nur noch das Wetter besser werden, dann geht hier wandertechnisch sicher mehr als an den letzten beiden Tagen. Schon früh, lange noch bevor wir aufstanden, beschäftigte uns das Wetter. Beim ersten Blick des frühen Morgens aus dem Fenster war uns klar, das Wetter war besser geworden! Was für eine Freude, wir konnten das tun, wofür wir hierher gekommen waren, wir konnten wandern ohne die Gefahr, wieder einen kräftigen Guss abzubekommen. Wir entschieden uns zu einer Tour durch das obere Aurlandsdalen. Dazu mussten wir zwar erst einmal wieder ein ganzes Stück auf dem RV 50 zurück in Richtung Geilo zurück fahren, das was uns dann aber auf der Tour ab Østerbø erwartete übertraf all unsere Vorstellungen. "Wilde Pfade-schroffe Schluchten", so lautete der Titel im DuMont-Wanderführer mit dem wir uns auf diese Tour vorbereitet hatten und der Titel passt haargenau. Wild ging es gleich los, die ersten Meter noch zivil, dann aber schon nach wenigen Metern gelangten wir an einen in Fels gehauenen Steig, dem Nesbøstigen, an dem ich noch vor ein paar Jahren sicher gescheitert wäre. Senkrecht und ohne Sicherung führt eben jener Steig am See Nesbøvatnet vorbei, freier Fall bis zur Wasseroberfläche bestimmt 15 Meter, Schwindelfreiheit setzt dieser und auch der weitere Weg voraus. Später teilt sich der Weg, es geht auf dem Bjørnstigen erst einmal stetig bergan, die Sicht in das obere Aurlandsdalen wurde besser und weiter. Immer wieder stießen wir auf Spuren früherer Ansiedlung, auf den üppigen Wiesen haben hier früher die wenigen Tiere der Bergbauern geweidet, gerade aber die Unwegsamkeit des Geländes hat so manchen Bauern zur Aufgabe des Betriebes hier im Aurlandsdalen bewegt. Richtig dramatisch wurde es dann am Steinmann Bjørnstigvarden. Vor uns fielen die Felsen senkrecht ab, zur Seite ragten die Felswände steil, teils überhängend auf. Wasser rann von den Felsen, es war rutschig, besonders auf den mit Moos bewachsenen Felsen. Trotz der Gefährlichkeit des Ortes, keine Sicherung weit und breit, hier begegnete uns der landschaftliche Overkill. Es war einfach nur sagenhaft schön hier, nicht mit Worten zu beschreiben und auch Bilder sind nicht aussagekräftig genug um das Gefühl zu beschreiben, das uns umgab, als wir hier oben standen, tief in das Tal der Aurlandselva blickten und die Berge um uns beobachteten. Dem Maler Johannes Flintoe muss es ähnlich ergangen sein wie uns, er allerdings schuf von dieser wahnsinnig schönen Aussicht ein Bild, welches heute in der Nationalgalerie in Oslo besichtigt werden kann. Wir hatten gerade den Wendepunkt der Tour erreicht, was noch folgte war allemal genauso aufregend. Vom Steinmann Bjørnstigvarden aus geht der Weg weiter, hinab in das Aurlandsdalen, von der Warte aus ist der steile Abstieg jedoch nicht zu erkennen. Wir glaubten schon fast falsch gegangen zu sein, als wir dann endlich eine Markierung entdeckten, die gezielt den Weg nach unten wies. Wieder unter überhängenden Felsen hindurch, steil, so steil, dass hier sogar Stahlseile als Sicherung ausgelegt waren und allzu rutschige Passagen mit Holzbalken gesichert wurden, stiegen wir mühsam ab. Wir waren ja schon wieder ein paar Stunden auf den Beinen, da hatte es dieser Abstieg schon in sich. Von unten betrachtet erkennt man fast nicht die Möglichkeit des Aufstieges, wir fragten uns, wer diesen Weg gefunden hat. Später lasen wir sogar, dass selbst dieser steile Ab- bzw. Aufstieg Teil eines alten Kirchweges nach Aurland war. Respekt! Im Tal folgten wir der Aurlandselva flussaufwärts, nicht weniger dramatisch und immer dicht am wild rauschendem und unter uns sprudelndem Wasser vorbei. Nach etwa 8 Stunden waren wir wieder am Auto, viel länger, als das es der Wanderführer ausgab, wir haben aber, obwohl am Ende ziemlich ausgepowert, jeden Meter der Tour genossen, haben oft Pausen gemacht, viele Fotos geschossen und uns einfach gefreut, hier zu sein. Wir sind uns einig, die Wanderung durch das obere Aurlandsdalen war wohl eine der besten Touren, die wir je in Norwegen gegangen sind. Da es wieder angefangen hatte zu regnen beschlossen wir eine Sightseeingtour mit dem Auto zu unternehmen. Kein großes Problem damit, wir hatten die Tour von gestern noch in den Beinen und eine weitere Tour wäre sowieso nicht drin gewesen. Norbert hatte sich im Internetforum auch über diese Gegend informiert und er wusste, dass der alte Aurlandsvegen eine zu fahren lohnende Strecke sei. So beschlossen wir diesen Weg einmal zu fahren. Noch bevor der Lærdalstunnelen gebaut wurde, war der alte Aurlandsvegen die einzige Verbindung von Lærdal nach Aurland und umgekehrt. Die Passstraße hatte es in sich, gleich hinter dem Ortsausgangsschild von Aurland wurde die Straße schmal, steil und kurvenreich. Was unten im Fjord noch der Regen war, wandelte sich auf der Passhöhe in Schnegrieseln um. Die Außentemperatur fiel auf gerade 3°C, der Wind blies kalt und heftig und die Sicht war durch die tieffliegenden Wolken getrübt, wir stellten uns bald die Frage, warum um Himmels Willen, kurvten wir hier eigentlich herum? Der Aurlandsvegen ist bestimmt eine schöne und aussichtsreiche Straße, aber halt nicht bei diesem Wetter. Wir kehrten nach Flåm zurück und da es noch zeitig am Tag war, hängten wir den Wohnwagen an und begaben uns nach Luster, diesesmal durch den Lærdalstunnelen. Für mich ein Highlight auf das ich verzichten könnte. Ich mag Tunnel nicht besonders und dann gleich einer mit über 24 Kilometern, nein, das brauche ich nicht wirklich. In Luster, unserer heimlichen Liebe nach Farsund, kamen wir schon so gegen 15 Uhr an, Zeit genug um uns in Ruhe zu installieren. Auch hier hatte es in der letzten Zeit heftig geregnet, auch hier zeigten sich schon deutliche Spuren in der aufgeweichten Wiese. Den Rest des Tages verbrachten wir im Wohnwagen und planten die nächsten Tage. Hoffentlich wird das Wetter auch besser, sonst machen unsere ganzen Planungen keinen Sinn. Das Wetter war zwar nicht besser geworden, zum Rumsitzen im Wohnwagen aber dennoch zu gut. Wir beschlossen daher eine relativ kurze Tour zum Austerdalsbreen. Die Anreise dorthin betrug etwa 60 Kilometer, fast schon wieder Autosightseeing, die Strecke besonders von Hafslo nach Tungestølen hatte es dabei in sich. Über eine kleine Straße, teils einspurig, eng, kurvenreich und mit verschiedenen unbeleuchteten Tunneln erreichten wir die besagte Almhütte von der aus die Wanderung durch das Austerdalen zum gleichnamigen Gletscher führte. Ein wenig überrascht waren wir ob der vielen Autos die dort standen. Alles Wanderer? Kaum zu glauben bei dem Wetter! Allein waren wir aber tatsächlich nicht, durch den einfachen Weg schien der Austerdalsbreen ein beliebtes Wanderziel zu sein. Nur zu Beginn der Tour war der Weg fürchterlich, kaum waren wir einen Kilometer vom Auto entfernt, da hatte ich schon Wasser in den Schuhen. Nein, meine Wanderstiefel sind in Ordnung, wenn man mit diesen aber so tief einsackt, dass das Wasser oben herein läuft, da bleiben nasse Füße halt nicht aus. Der anfängliche Weg bestand nämlich vornehmlich aus sumpfiger Weidefläche, die wenigen Schafe und viele Touristen hatten hier versucht einen Trampelpfad zu gehen, der sich aber so matschig darstellte, dass hier gar kein Durchkommen war. Alternativ blieb uns nur der Weg "quer Beet", hier war der Boden allerdings auch sehr nass und im Gras versank ich dann bis über den Stiefelrand im Boden. Der weitere Weg durch das Austerdalen war eigentlich ein Spaziergang, immer geradeaus, teils über Blockgestein, teils über angeschwemmte Sanderflächen, auch ein kleines Fjellbirkenwäldchen mit Wacholderbüschen war dabei zu durchqueren. Der Austerdalsbreen lag dann am Ende des Tals hinter einem breit zum Tal liegenden Hügel, den es schließlich noch zu überschreiten galt. Nun lag der Austerdalsbreen endlich vor uns, was soll ich sagen, ich war ein wenig enttäuscht, stellte sich der im DuMont Wanderführer abgebildete Gletscher nämlich hier gar nicht so blau schimmernd dar. Eher hatte ich den Eindruck zu einem Steinbruch gewandert zu sein. Überall Schutt und loses Moränenmaterial bedeckte die Gletscheroberfläche, die nach unten hin immer mehr zerriss. Mag sein, dass auch das Wetter zu dieser Tristesse beitrug, sogar der Tors- und Odinsbreen, zwei an der oberen Zunge des Austerdalsbreen gelegene Hängegletscher, erschienen schmutzig und waren in den wolkenverhangenen Bergen kaum ordentlich zu sehen. Dazu hatte es auch wieder heftiger zu regnen begonnen, kein Ort um zu verweilen. Für mich steht es jedenfalls fest, es gibt eindeutig schönere Gletscher in Norge, die mit Sicherheit auch noch etwas komfortabler und trockenen Fußes erreicht werden können, dennoch war es die Tour wert, gegangen zu sein, war es doch allemal besser im Regen am Austerdalsbreen zu sein, als nur im Wohnwagen zu sitzen und auf besseres Wetter zu hoffen. Gibt es denn sowas? Irgendwie schien es so, als wollte das Wetter noch schlechter werden als im letzten Jahr. Damals hatten wir schon viel mit Regen und schlechtem Wetter zu kämpfen, die Wassermassen die heute vom Himmel fielen erlaubten uns aber tatsächlich keine Outdooraktivitäten zu unternehmen. So war heute ein Abhängetag angesagt. Wozu haben wir Spiele, ein gutes Buch und den Fernseher dabei? Auch mit Muße lässt sich ein Tag verbringen. Andere Leute liegen den ganzen Tag am Strand oder am Pool und tun auch nichts anderes als wir jetzt. Wir bleiben im Wohnwagen und freuen uns dennoch in Norwegen zu sein. Keine Selbstverständlichkeit, dafür müssen wir ein Jahr arbeiten, so erlebt man jedenfalls auch solch verregnete Tage ganz bewusst, bewusster vielleicht als so mancher Pauschaltourist. Da geht ja doch noch was! Auch wenn das Wetter heute immer noch nicht so der Hit ist, zu einer Kurzwanderung in das nördliche Hurrungane-Gebirge wird es reichen, zumal ja auch unsere Kleidung wandern bei jeder Wetterlage erlaubt. Es macht halt mehr Spaß bei klarem Wetter und guter Sicht, von der wir aber leider auch heute noch nicht so viel hatten. Die Berge des ansonsten schroffen Gebirgszuges zeigten sich fast lieblich, fehlten ihnen durchweg die Spitzen. Die waren wieder einmal tief in den Wolken versteckt. Von Turtagrø aus folgten wir zunächst einem gut ausgewiesenen Pfad durch lichten Bewuchs, verschieden Abzweige ließen wir links bzw. rechts liegen und folgten der Weisung in das Skagastølsdalen. Langsam erhob sich der Pfad und folgte parallel zu einem aus dem Skagastølsdalen fließenden Gebirgsbach hangaufwärts. Schon nach relativ kurzem Aufstieg wurde der Pfad wieder flacher und folgt weiter hinein in das Tal, eingerahmt von schroffen Bergen, die heute leider nur zur Hälfte sichtbar waren. Auch das eigentliche Ziel schien im Nebel zu liegen, nicht wirklich motivierend dem Pfad dennoch zu folgen. Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit dieser Tour, erst vor 4 Tagen hatte ich zu Rauchen aufgehört, jetzt war die Zeit gekommen, in der die Lust auf eine Zigarette fast unerträglich war. Da half selbst die ansonsten überwältigende Natur Norwegens nicht drüber weg, Kaugummis und Lollis waren auch kein wirklicher Ersatz. Egal, Mund halten, Zähne aufeinander beißen und durch! Ich wollte ja auch Norbert die Tour nicht verderben. Endlich kamen wir bei mehr oder weniger schlechtem Wetter an der Hütte des Klettervereins an, es regnete mal wieder etwas, wenn auch erträglich. Hier war für mich Schluss, traute ich mich nämlich nicht den direkt hinter der Hütte abfließenden Bach zu furten. Das war allerdings nötig um noch ein Stückchen weiter bis zum Karsee Skagastølsvatnet zu gelangen. Norbert versuchte mich mehrfach zu überreden, vergeblich, er musste den Weg ohne mich fortsetzen. Ich blieb derweil an der Hütte, während Norbert noch etwa 10 Minuten weiter ging um das Ziel zu erreichen. Nach dessen Rückkehr erzählte er mir, dass ich nicht wirklich viel verpasst habe, der Skagastølsvatnet sei ein flaches Gewässer, lediglich die Einrahmung innerhalb der umgebenen Berge wäre schön und die Hängegletscher, die den See mit Wasser füllen, seien erwähnenswert. Nur leider bekam auch Norbert davon nicht so viel zu sehen, die Wolken hatten sich hier in das Ende des Skagastølsdalen gedrückt und die Berge sprichwörtlich verschluckt. Der Weg zurück erfolgte auf gleichem Weg, ganz offensichtlich war die Sicht in Richtung Jostedalsbreen, der weit entfernt vor uns lag, aber besser geworden, viel weniger Wolken als noch am Mittag zogen aus dieser Richtung heran. Sollte das Wetter wirklich besser werden? Dann stünde einer Tour zum Fannaråken in diesem Jahr nichts im Wege. Mal sehen, was die Wettervorhersage heute Abend so zeigt. Schon bei der Rückkehr aus dem Skagastølsdalen hatten wir es abgemacht: Sollte das Wetter heute gut sein würde Norbert auf den Fannaråken steigen, ist es schlecht würden wir in Luster abbauen und unsere Reise fortsetzen. Und was soll ich sagen, es war schön oder versprach in der Frühe schön zu werden. Norbert entschied sich daher schon früh am Morgen zum Aufstieg auf den Fannaråken, für mich war die Tour nichts, ich fühlte mich einfach nicht danach, wohl wissend auch, dass die Tour sicher den Rahmen von 8 Stunden sprengen wird. Einfach zu viel für mich, aber mein Schatz soll die Tour ruhig machen, hatten wir die Tour ja schließlich schon 2004 und im letzten Jahr vor. Ich bin zwar traurig Norwegen einmal nicht von oben zu sehen, Norbert hatte sich aber so darauf gefreut und vorbereitet, da will ich kein Hindernis sein. Ich hoffe nur für ihn, dass alles glatt läuft, er ohne mich als seinen persönlichen Guide den Weg findet und er wohlbehalten zu mir zurück kehrt. Ich werde heute die Sonne genießen, heute ist sie ja endlich wieder zu sehen. Erst um 18:40 Uhr war Norbert zurück, erschöpft aber superglücklich. Von seinen Erlebnissen während der Tour wird er sicher selbst berichten. (Nachtrag: Die Tour zum Fannaråken ist auf den Bildern 54 bis 71 innerhalb der diesjährigen Galerie beschrieben.) Der Muskelkater in Norberts Beinen ließ nach der Tour von gestern nicht lange auf sich warten. Große Unternehmungen waren daher heute nicht drin. Die Sonne schien heute wieder den ganzen lieben langen Tag, ideales Wetter um sich am Wohnwagen oder nicht weit davon entfernt auszuruhen. Nach dem diesemal späten Frühstück unternahmen wir lediglich einen Spaziergang durch Luster. Jetzt waren wir schon ein paarmal hier, mehr vom Ort als nur die Häuser entlang des RV 55 hatten wir aber noch nicht gesehen. Wir gingen daher ganz gemütlich etwas bergan und folgten einfach den Straßen in zweiter, dritter und vierter Reihe bis an den Waldrand oberhalb des Ortes. Mit nur ein paar Metern Höhendifferenz hatten wir eine tolle Aussicht über Luster, dem Fjord und die gegenüberliegenden Berge. Und das alles bei strahlendem Wetter. Am Nachmittag haben wir so recht abgehangen, nichtsgetan, in der Sonne gesessen. Der Steg am Wasser lädt dazu ein, ein gutes Buch bei der Hand auf der Bank sitzend, auch das muss im Urlaub mal sein. Hier in Luster haben wir die Muße dazu gefunden, allein der Ort strahlt eine derartige Ruhe aus, perfekt zur Entspannung geeignet, vor allem bei dieser Kulisse mit Wasser, Sonne und Berge. Aber auch die letzten Urlaubstage haben wir hier geplant. Wir mussten uns mit dem Gedanken anfreunden, dass die zweite Urlaubshälfte schon fortgeschritten war. Weiter nördlich würden wir in diesem Jahr wohl nicht kommen, die restlichen Tage würden uns sicher wieder in Richtung Süden bringen. Wir planten also die nächsten Tage, morgen geht es erst mal nach Lom denn auch dort haben wir verschiedene Aktivitäten vor. Schweren Herzens nahmen wir Abschied von Luster und von Thomas, dem Campingplatzbetreiber hier auf dem immer wieder schönen Dalsøren-Camping. Wir versprachen wiederzukommen, ganz sicher, uns ist der Ort und die nette Familie Dalsøren ans Herz gewachsen. Thomas gab uns noch eine Tüte Lakritz zum Abschied mit, Obst, so wie im letzten Jahr, war noch nicht reif. Die ersten Meter nach Lom waren recht schweigsam im Auto, Norbert konzentrierte sich auf die Straße und ich gab mich dem Gedanken an die wunderschönen Tage in Luster hin. Der Weg nach Lom ist für uns ja nicht mehr wirklich neu, die Perspektiven verändern sich zwar von Jahr zu Jahr, mal liegt im Gebirge Schnee, mal sind sattgrüne Almwiesen zu sehen, ein besonderes Highlight erlebten wir aber bei einer kleinen Rast auf einem Parkplatz in der Nähe der Sognefjell-Passhöhe an der Sognefjell-Hytta. Da radelte gerade ein Radfahrer auf uns zu, vollgepackt und sonnengebräunt, bremste direkt vor unserem Auto und sprach uns an, ob wir direkt aus der Stadt Soest kämen oder nur aus dem Kreis. Es stellte sich im Laufe des Gespräches heraus, dass der Herr Radfahrer ein Lehrer des örtlichen Gymnasiums in Soest ist, der sich ein Jahr Auszeit genommen hat und nun, begleitet von einer Internetbekanntschaft vom Nordkapp bis nach Nordafrika radeln wollte. Respekt, vor solchen Unternehmungen ziehe ich den Hut! Schon deutlich mehr als 6000 Kilometer war der gute Mann allein in Norwegen unterwegs, eine Strecke, die wir in unserer Urlaubszeit nicht mit dem Auto bewältigen. Leider vergaßen wir nach seiner Adresse in Soest zu fragen, gerne hätten wir uns nach seiner Rückkehr einmal mit ihm getroffen und aus erster Hand berichtet bekommen, wie die Reise gewesen ist. In Lom waren wir zeitig. Wir installierten uns, wie im Jahr 2004 auch, auf dem Campingplatz Nissgården etwas außerhalb des Ortes in Richtung Geiranger. Danach kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und genossen einfach den Aufenthalt in dieser im Vergleich der letzten Tage quirligen Stadt Lom. Der Morgen zeigte sich heiter, nur die Bergspitzen waren wieder einmal in Wolken gehüllt. Heute hatten wir uns vorgenommen nach Geiranger zu fahren und dort vor allem die kleine Wanderung zum Storseterfossen zu unternehmen. So fuhren wir nach dem Frühstück los und gelangten über den RV 15 und später über den RV 63 nach Geiranger. Noch bevor sich die ausgesprochen schöne Straße nach Geiranger hinabwindet, gelangten wir an den Abzweig zum Aussichtsberg Dalsnibba. Im letzten Jahr hatten wir diesen Aussichtspunkt von dem man weit über Geiranger und die umliegenden Berge schauen kann auch besucht, heute taten uns die Leute, die jetzt schon so früh am Tage mit ganzen Konvois an Bussen hierher gekarrt wurden, nur leid. Schon in Höhe des Djupvatnet hatten die Wolken alles fest im Griff, ein Blick vom Dalsnibba jedenfalls dürfte hinunter in das Tal nicht möglich gewesen sein. Und nur auf den Dalsnibba fahren um dort gewesen zu sein? Wir verstanden die Reiseleitungen nicht, die trotzdem jede Menge Touristen hierher brachten. So hielten wir uns auch nicht lange hier auf, für uns hieß das Ziel ja auch Storseterfossen, dem Wasserfall in der Nähe Geirangers, den man trockenen Fußes hintergehen kann. Etwa auf halber Höhe hinunter nach Geiranger zweigt ein kleines Sträßchen zum Hof Vesterås ab, erst von dort beginnt der steile, wenn auch nicht besonders lange Fußweg zum Wasserfall. Der Weg war gut erkennbar, wohl Tausende vor uns hatten einen deutlichen Trampelpfad hinauf zur Storseter hinterlassen. Außerdem wurde der Kommerz am Hof Vesterås groß geschrieben, für Touristen standen in eigens dafür abgestellten Milchkannen lange Stöcke gereit, einen Handgriff daran geschnitzt, mit einer Lederschlaufe versehen, konnte man diese Stöcke als Souvenir erstehen oder nach getaner Wanderung wieder zurück in die Milchkanne stellen. Als Steighilfe waren sie sicher für so manchen Touristen Geld und Goldes wert. Wir hatten unsere eigenen Stöcke, die waren uns lieber, obwohl wir die Idee wenigstens Stöcke auszuleihen gar nicht so schlecht fanden. Der Weg war nämlich wirklich ziemlich steil und an verschiedenen Stellen war durch Erosion der Boden recht ausgewaschen und bei Nässe schlüpfrig. Den Wasserfall erreichten wir recht schnell, über eine kleine Almwiese konnten wir dann an die Abbruchkante treten, über die das Wasser des Storseterfossen hinab rauscht. Ein kleines Schild wies uns dann schließlich den Weg hinter den Wasserfall, ein kleiner Stig, seilgesichert und mit einem Fangzaun ausgestattet, so gelangten wir dann hinter den Wasserfall. Beeindruckend, die Lautstärke des rauschenden Wassers war allerdings ohrenbetäubend. Etwa 2 Meter vor einem fällt das Wasser wie ein Vorhang hinab, kein Tropfen gelangt aber zu einem selbst. Ein paar Minuten hielten wir uns hinter dem Wasserschleier auf, dann rückten immer mehr Leute nach und es wurde einfach zu eng hinter dem Wasserfall, wir kehrten um und verließen auch die Almwiesen der Storseter, deren Ruinen etwas oberhalb des Wasserfalls zu finden sind. Danach fuhren wir noch hinab nach Geiranger. Wir gönnten uns einen kleinen Snack dort und beobachteten das rege Treiben. Ein Kreuzfahrtschiff hatte festgemacht, kleine Personenfähren brachten die Passagiere an Land, die Autofähre nach Hellesylt wurde auch gerade beladen und ein Schiff der Hurtigruten verließ Geiranger gerade. Dazwischen fuhren kleine Motorboote, Autos fuhren Ortsein- als auch -auswärts, Busse standen überall herum und erwarteten die gerade ausbootenden Passagiere um diese hinauf zum Dalsnibba zu bringen. Überall Touristen (wir waren ja selbst welche), die Souvenirläden und Cafès waren gut besucht mit internationalem Publikum. An Tagen wie heute lebt Geiranger wohl auf, der Tourismus lässt die Kassen klingeln, nur die wenigsten werden den Ort aber in seiner Ursprünglichkeit erleben. Wenn die Kreuzfahrtschiffe gefahren sind, die touristische Haupsaison zu Ende ist, erst dann dürfte Geiranger wieder zu dem werden was es ist: ein kleines, eher unscheinbares Dorf mit idyllischer Lage am Ende des Geirangerfjordes. Ursprünglich wollten wir noch eine zweite kleinere Tour von Geiranger aus unternehmen. Vom Parkplatz am Aussichtspunkt Ørnesvingen sollte unser Weg zum verlassenen Hof Gomsdalen hoch über dem Fjord gehen, was uns aber auf dem Parkplatz erwartete übertraf all unsere Vorstellung. Da standen Unmengen an Autos, Busse standen schon auf dem RV 63 geparkt und Touristen aller Herren Länder sprangen mit Fotoapparaten bewaffnet zwischen den Fahrzeugen herum. Für uns blieb gar nicht mehr die Möglichkeit zu parken. Unter diesen Umständen hatten wir keine große Lust mehr auf dieses Ziel, einer Völkerwanderung wollten wir dann nicht auch noch folgen müssen. Zum Storseterfossen waren wir schon nicht allein, was hier abging war jedenfalls nicht nach unserem Geschmack. Für uns hieß das Rückzug, wieder hinein ins Auto und ab nach Hause zum Wohnwagen. Dort verbrachten wir den Rest des Tages gemütlich, erst nach dem Abendessen frischte der Wind auf und entwickelte sich im Laufe der Nacht zum ausgewachsenem Orkan, der so heftig an unserem Wohnwagen rüttelte, dass an Schlaf erst sehr, sehr spät oder früh am nächsten Tag zu denken war. Immer noch rüttelte es am Wohnwagen. Manchmal so heftig, da könnte man meinen es würde den Wohnwagen umschmeißen wollen. An allen Ecken und Kanten pfiff der Wind, es knarrte im Gebälk, es hörte sich an wie in einem alten Holzhäuschen, dabei ist unser Wohnwagen erst 6 Jahre alt. Unter diesen windigen Umständen hatten wir beide nicht so die große Lust die Tour über den Soleggen Nahe Lom zu gehen. Wir bauten daher ab, hingen den Wohnwagen wieder an und verließen Lom unauffällig in Richtung Beitostølen. Der Weg dorthin, der RV 51, faszinierte uns bei jedem Meter. Zuerst gewinnt der RV 51 an Höhe, bevor er sich eine ganze Weile durch schönen Kiefernwald schlängelt. Bald wurde der Wald lichter, wir erkannten eine offene liebliche Landschaft, zur Rechten die Ausläufer des Jotunheimen-Nationalparks, zur Linken das Sjødalen. Hier gefiel es uns so gut, dass wir beschlossen auf dem nächstgelegenen Campingplatz wieder Quartier zu beziehen. Der nächste Campingplatz war der in Heimsand, ein überwiegend aus Feststellplätzen bestehendes Areal mit topgepflegtem Sänitärgebäude. Wir kamen uns zwar ein wenig komisch vor als Tourist zwischen all den Festcampern, unser Stellplatz entsprach aber unserer Vorstellung und für ein, zwei Tage ließ es sich hier sicher aushalten. Jedenfalls standen wir hier besser und preisgünstiger als in Beitostølen, wo wir eigentlich hinwollten. Da es von Lom nicht so weit entfernt war und der Tag noch eine Unternehmung zeitlich erlaubte, schnürten wir des Nachmittags noch einmal die Wanderschuhe und begaben uns zum unweit gelegenen Hulderstigen. Über eine Holzbrücke überquerten wir den Fluss Sjøa, danach folgten wir dem gut beschildertem Pfad durch lichten Bewuchs. Auf kleinen Holztafeln wurde vom Leben und Arbeiten hier im Sjødalen erzählt, uns interessierte das harte Leben der früher hier lebenden Bauern, wir genossen aber auch die unbeschreiblich schöne Landschaft. Es waren nicht die hohen Berge die hier beeindruckten, mehr war es die Weite, die Farben des sich mitlerweile verfärbenden Laubes und die Vielzahl kleiner und größerer Gewässer. Dazwischen der Fluss Sjøa, eine harmonischere Landschaft haben wir selten gesehen. Jedenfalls faszinierte uns diese Gegend derart, dass wir auch morgen noch einmal hier touren wollen. Es gab zwar einige ausgewiesene Wanderpfade in der Gegend, wir wussten aber nicht wie lang diese waren und in welcher Kombination sie zu einer Rundwanderung zu verbinden waren. Daher kauften wir uns an der Rezeption eine Wanderkarte dieser Gegend. Wir wurden von der freundlichen Dame an der Rezeption auch danach gefragt, ob wir denn Lachsforelle mögen. Der Fisch war frisch gefangen und ausgenommen gerade zum Verkauf vorbereitet worden. Mit der Erinnerung an den Seesaibling den wir in Schweden auf dem Campingplatz in Tived gegessen hatten (nie hatten wir besseren Fisch gegessen!) bestellten wir für den Abend zwei Fische, erst danach ging es auf Tour. Leider hatte es angefangen zu regnen, nur ein wenig, aber genug um die Outdoorjacken überzuziehen. Die Landschaft änderte im fehlenden Licht der Sonne ihren Charakter, immer noch war es die Weite, die uns faszinierte, die Farben waren allerdings gar nicht mehr so intensiv. Dafür boten die Höhenzüge des nahen Bessfjellets und die Berge nördlich des Russfjellets eine weiße Haube. Es war kalt geworden über Nacht und in den Bergen war Schnee gefallen. Eine ganze Weile wanderten wir umher, immer wieder boten sich Querungen in andere Richtungen an, schließlich entschlossen wir uns den nahen See nedre Sjødalsvatnet zu umrunden und wieder zum Campingplatz zurückzukehren. Auch diese Tour dauerte wieder ein paar Stunden. Nicht besonders anspruchsvoll, lediglich die Dauer und Länge der Tour hatten es in sich. Keinen Meter davon möchte ich missen, zumal gegen Nachmittag auch das Wetter wieder aufklarte und die Sonne hervor kam. Es müssen nicht immer die hohen Touren sein, auch eine Weit- und Flachwanderung hat ihren Reiz, vor allem dann, wenn die Gegend landschaftlich so beeindruckend ist, wie das Sjødalen. Nach unserer Rückkehr bereiteten wir den des Vormittags bestellten Fisch für den Grill vor. Ein wirkliches Highlight, mit frisch zubereiteten Bratkartoffeln und Salat ein Gedicht. Leider waren aber mehr Gräten darin als ich erwartet habe, so hatte ich nur den halben Genuss daran. Nichts desto Trotz, mit diesem leckeren Abendessen beschlossen wir wieder einen wunderbaren Urlaubstag mit enormen Erholungswert. Wir hatten uns einen Riesensprung vorgenommen. Das heutige Ziel sollte Dalen in der Telemark werden, daher räumten wir schon früh des Tages das Feld und begaben uns wieder auf Reise. Bald erreichten wir auf dem RV 51 die Ansiedlung Maurvangen. Von hier aus hatten wir einen schönen Blick über den See nedre Leirungen, die schneebedeckte Besshø und den Besseggen, den wir auf den Tag genau vor einem Jahr gegangen waren. Heute wäre das Wetter besser gewesen, die Erinnerung an die Tour vor einem Jahr ließ aber dennoch den Wunsch aufkommen, auch hierher wieder einmal zurückzukehren. Die Valdresflya beeindruckte uns auch. Bei deutlich besserer Sicht als im letzten Jahr war hier die Sicht überwältigend. Danach bot die Fahrt wenige Höhepunkte und gegen Mittag äußerte Norbert erste Zweifel daran, Dalen überhaupt zu erreichen. Er hatte sich schlichtweg überschätzt, die Entfernung ist zwar machbar, die Straßenverhältnisse waren allerdings so, dass eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit nicht erreichbar war. Solo wäre alles kein Problem gewesen, aber nicht mit Wohnwagen hinten dran, da werden 380 Kilometer schnell zum tagesfüllenden Programm. Irgendwann hatte Norbert schlichtweg keine Lust mehr zu fahren, ihm war über den ganzen Tag nicht so gut, Kopfschmerzen plagten ihn, da beschlossen wir im Uvdal auf dem RV 40 einen Zwischenstopp einzulegen. Für eine Nacht mag es hier wohl gehen, der Campingplatz ist sauber und ansprechend gestaltet, nur die Lage ist nicht besonders attraktiv. Dafür entschädigt aber das Wetter. Es ist zwar nicht mehr sommerlich warm, eine Kaltfront hatte Temperaturen von 11°C gebracht, dafür schien aber die Sonne und windgeschützt ließ es sich darin auch noch einigermaßen aushalten. Des Abends war Vollmond, bei klarem Himmel sah es schon beeindruckend aus wie der Mond über dem nahen Wald aufstieg und das fahle Licht im Fluss direkt neben dem Campingplatz schimmerte. Norbert holte darum auch das Stativ hervor und machte, ebenso wie ich, ein paar Nachtaufnahmen. Danach war aber nur noch Nachtruhe angesagt, wollten wir doch ausgeschlafen morgen zur zweiten Etappe nach Dalen durchstarten. Die Nacht verlief ruhig, wir konnten daher ausgeruht zur zweiten Etappe nach Dalen starten. Erst um kurz nach drei Uhr des Nachmittags erreichten wir Dalen, einen unscheinbaren Ort. Ich war mir nicht sicher ob nur verschlafen oder wirklich so weit ab vom Schuss, dass hier die Uhren anders gingen. Wir hatten den Eindruck allein zu sein, kaum ein Mensch, kaum ein Auto auf den Straßen. Dafür war aber der Campingplatz gut ausgeschildert, auf der Halbinsel Buøy ließen wir uns auf einem großen Wiesenareal nieder. Hier waren wir dann nicht mehr so allein wie in den Straßen von Dalen, verschiedene Touristen hatten sich mit ihren Wohnmobilen, Wohnwagen und auch Zelten niedergelassen. Die Besonderheit des Campingplatzes: Duschen inclusive und ohne Zeitlimit. Das genossen wir redlich. Norbert hatte auch heute wieder genug vom Autofahren, er kann ja im Gegensatz zu mir, viel weniger von der Landschaft sehen und muss sich auf die teils sehr kurvigen Straßen konzentrieren, da tut eine entspannende heiße Dusche nach langer Wegstrecke gut. Um die Halbinsel Buøy führt ein kleiner Lehrpfad mit verschiedenen Hinweistafeln. Ein Spaziergang nur, direkt vom Campingplatz aus beginnend, dennoch interessant und die Aussichten entlang des Flusses Tokkeåi suchen ihres gleichen. Stille hier und unbewegte Wasser da, im direkten Kontrast dazu der rauschende Fluss, an dem auch Biber zuhause sind und Burgen gebaut haben. Überall im dichten Gehölz sind die Spuren der Biber zu sehen, wie Bleistifte sind die Baumstümpfe angespitzt, die meist kleinen Bäume liegen teilweise noch gefällt daneben. Zu sehen bekamen wir aber keines der Tiere. Dennoch, nach langer Fahrt und einer heißen Dusche war dieser kleine Spaziergang der perfekte Abschluss des heutigen Tages. Des Abends berieten wir uns noch für die morgige Tour, die nahe gelegene Rabenschlucht soll das Ziel sein. Manchmal fehlen die Worte. Es fällt mir nicht leicht die heutige Tour zu beschreiben. Einerseits ist das Ziel der heutigen Wanderung sicherlich einen Besuch wert, andererseits war die Tour ansich nicht so wirklich spektakulär. Der Verlauf des Weges hätte auch im heimischen Sauerland sein können, lediglich die Hochmoore, die es unterwegs zu umgehen galt, sucht man im Sauerland vergebens. Gleich an der Stabkirche in Eidsborg parkten wir das Auto und begannen unsere Wanderung durch dichten Tannenwald. Erst eine Weile später öffnete sich das Gelände wieder, entlang einer Almwiese, auf der auch ein paar Schafe grasten, gelangten wir immer mehr in das wegweisende Djupedalen. Der Weg war kaum begangen, teilweise zugewachsen und nach den Regenfällen der letzten Zeit gut aufgeweicht. Im Wanderführer war die Rede davon, dass es von den glattgeschliffenen Felshöhen, einem Überbleibsel der Eiszeit, tolle Aussichten hinab in das Bandak-Tal gibt. Nur waren eben diese Felsrücken auf dem markierten Pfad nicht zu erreichen, immer wieder hätten wir querfeldein marschieren müssen um dorthin zu gelangen, einem Unternehmen, das uns unter diesen Bedingungen nicht besonders attraktiv erschien. Wir folgten daher dem ausgewiesenem Weg weiter, bekamen aber auch hier nasse Füße und erst als sich der Weg hinab zur Ravnejuvet neigte, erhaschten wir einen Blick in das Bandak-Tal. Dieser sollte aber noch besser werden, von der Abbruchkante der Rabenschlucht war der Blick tatsächlich überwältigend. Die Besonderheit der Ravnejuvet liegt an der hier herrschenden Thermik. Leicht Gegenstände fallen nicht hinab in die Schlucht, die übrigens gut 200 Meter senkrecht vor uns in die Tiefe stürzt, der Aufwind trägt Taschentücher, Liebesbriefe oder Geldscheine wieder zurück. Wir haben es allerdings nicht ausprobiert, uns sind die Geldscheine im Portemonnaie lieber als über der Ravnejuvet schwebend ;-) Den tief unter uns kreisenden Raben, die der Schlucht wohl auch ihren Namen gaben, zuzusehen war schon beeindruckend, ihre heiseren Rufe drangen bis zu uns hinauf und die Akustik dabei erinnerte an ein Amphitheater. Ich hatte hier aber einen Heidenrespekt vor der Tiefe, mir war es nicht recht, dass Norbert so nahe an den Abgrund trat um Fotos zu schießen. Bald traten wir den Rückweg auf gleichem Pfad an, die Gewissheit wieder weite Strecken dabei durch mehr oder weniger morastiges Gelände zurück zu legen machte die Sache nicht einfacher. Zu allem überfluss mussten wir auch noch erkennen, dass man die Ravnejuvet auch mit dem Auto erreichen kann, warum also diesen eher unkomfortablen Weg gehen? Ich für meinen Teil kann jedenfalls sagen, dass es wirklich attraktivere Ziele in Norwegen gibt. Hierher muss ich nicht noch einmal kommen. Da geht doch noch was! Unsere letzte Wanderung in diesem Urlaub führte uns zu den Trollhöhlen am Berg Øynuten nahe der kleinen Ortschaft Kilegrend. Obwohl nur ein paar Kilometer von Dalen entfernt, für norwegische Verhältnisse gleich nebenan, hier zeigt sich die Landschaft ganz anders. Die Wälder sind hier wesentlich lichter, nicht so dunkel wie der Schwarzwald, die blanken Felsrücken, glattgeschliffene Zeugen der letzten Eiszeit, übernehmen hier weite Flächen und der See Fyresvatnet dazwischen schimmert im Licht der Sonne. Die scheint heute nämlich, ein letzter Versuch der Versöhnung mit uns? Nicht immer war uns das Wetter in diesem Jahr hold, verschiedene Touren, die es wert gewesen gegangen zu sein, fielen dem Regen zum Opfer. Hier war es aber die Tour wert, es war zwar eher ein Spaziergang, der aber bot verschiedene Highlights. Zuerst die Bjørnsundbruene, aus Holz gefertigte Brücken über den Bjørnsund, einem Zufluss des Sees Krokane, der See ansich ist auch eine Augenweide. Still und unbewegt lag das Gewässer vor uns, die Höhenzüge der Fyresdalheiene spiegelten sich darin. Spechte klopften an den Stämmen der hier wachsenden Kiefern, ansonsten Stille. Die Wärme der Sonne schaffte ein fast mediteranes Klima, üppige Wiesen und summende Insekten darin zauberten eine wahre Idylle. Bald zweigte ein kleiner Stig ab hinauf zu den Trollhöhlen. Diese bilden eine eiszeitliche Auswaschung im weichen Gestein des Berges Øynuten, Cavernen, die so groß sind, das sie einem Amphitheater gleich, Platz für etwa 50 Personen boten. In unregelmäßigen Abständen werden in der größten der drei Halbhöhlen Gottesdienste abgehalten, ein kleiner Predigtstuhl und der Hinweis auf einer Holztafel weisen darauf hin. Etwa die Hälfte des Weges um den Øynuten legten wir auf kleinen Waldwegen zurück, die andere Hälfte bestand aus einer geschotterten Zufahrt zu einem der wenigen Bauernhäuser am Fuße des Berges. Schließlich bildet der Glomfoss das letzte Highlight. Der Wasserfall ist nicht besonders hoch, mehr eine Art Stromschnelle. Gespeist wird der Zufluss von zwei Bodenauslässen vor der Staumauer des Fyresvatnet, deutlich sind die Strudel an der Wasseroberfläche zu sehen. Über zwei Rohre fließt das Wasser dann reguliert unter der Staumauer durch und strömt dann, wild rauschend, über verschiedene kleine Felsrücken, die in ihrer Gesamtheit den Glomfoss ausmachen. Wir genossen jeden Meter, wohl wissend, dass diese unproblematische Runde unsere letzte Tour gewesen ist. Irgendwie kam jetzt, schon auf dem Rückweg nach Dalen, Abschiedsstimmung auf, jetzt schon waren wir mit dem Gedanken beschäftigt, bald Abschied zu nehmen von dem Land, das wir so sehr lieben gelernt haben, obwohl es in diesem Jahr speziell an optischen Highlights mangelte. Regen, mal wieder Regen! An unserem letzten Tag in Norwegen schüttete es mal wieder wie aus Eimern. Nicht das wir es schon mit dem Abschied schwer genug hatten, auch der Himmel weinte und das nicht zu knapp. In Dalen versuchten wir noch Vorrat zu schaffen. Nicht lachen, wir wollten uns tatsächlich einen Vorrat an norwegischer Marmeladen zulegen. Wir hatten aber spezielle Wünsche, die von Lerum sollte es sein. Diese Marmeladen gibt es aber halt nur in ausgewählten Geschäften, der COOP in Dalen zählte jedenfalls nicht dazu. Also weiter des Weges. Immer dem RV 38 folgend. Wir waren früh dran, so konnten wir in jeder kleinen Ortschaft in den Lebensmittelläden stöbern. Da hatten wir drei Wochen Zeit um unseren Vorrat an Marmeladen zu kaufen, heute, am letzten Tag in Norwegen wollte es uns nicht gelingen? Jedenfalls suchten wir entlang des RV 38 vergeblich. Schon recht früh kamen wir in Küstennähe, da bot sich, noch bevor wir nach Langesund abbogen, ein Besuch des Ortes Kragerø an. Norbert nahm es ganz sportlich, mit dem Wohnwagen hinten dran fuhr er geradewegs in den Ort herein und musste bald feststellen, dass Kragerø ein total verwinkeltes Örtchen mit extrem schmalen Gassen ist. Selbst die Müllabfuhr schaffte es mit ihren LKW nicht in einem Zug um die teils sehr engen Kurven, da wurde hin und her rangiert um dann rückwärts nahe genug an die zu leerenden Tonnen zu gelangen. Vor einem Parkhaus gelang es uns dann nach langer Rangiererei mit dem Gespann zu wenden, Millimeterarbeit, bei der sich die Norweger als ausgesprochen geduldige Verkehrsteilnehmer zeigten. Fahrzeuge die aus dem Parkhaus wollten mussten warten, ebenso diejenigen, die hinein wollten. Am Ortsrand dann fanden wir einen großen Parkplatz, hier stellten wir dann den Gott sei Dank unbeschädigten Wohnwagen ab und begaben uns zu Fuß zurück in den Ort. Sightseeing halt, bis zu dem Zeitpunkt, als uns ein älterer Herr mit Einkaufstaschen vom REMA 1000 entgegen kam. Jetzt erwachte in uns so etwas wie der Jagdinstinkt. Wir wussten nämlich genau, dass es dort die von uns so begehrten Marmeladen zu kaufen gab. Wieder liefen wir kreuz und quer durch den Ort, an der Promenade fanden wir dann endlich den Supermarkt, der uns neben den Marmeladen in allen möglichen Variationen auch die speziell von Norbert so geliebten Bamsemums verkaufte. Wir hielten uns nach dem Einkauf noch eine Weile in Kragerø auf, wir hatten ja noch genug Zeit bis zur Ankunft und Abfahrt unserer Fähre zurück nach Dänemark. Trotzdem kamen wir schon um 15 Uhr in Langesund an. Von der "Pride of Telemark" war weit und breit noch nichts zu sehen, das Büro hatte aber schon geöffnet und wies uns die Linie zu, auf der wir warten sollten. Ich bereitete das letzte Mittagessen zu, irgendwie ein komisches Gefühl, immer näher rückte der Abschied. Damit wir nicht nur am Hafen warteten entschlossen wir uns noch zu einem kleinen Rundgang durch Langesund. Auch hier ist eigentlich nicht so viel geboten, kleine idyllische Häuser stehen in Reih und Glied direkt an der Uferlinie des Sundes, das größte Event dürfte die Ankunft und Abfahrt des großen Fährschiffes der Reederei Kystlink sein. Noch war aber nichts von der "PoT" zu sehen, wieder einmal hatte sich das Schiff verspätet. Norbert und ich redeten nicht viel, wir nahmen die letzten Stunden in Norwegen intensivst auf. Dann war es endlich soweit, das Schiff kam gemächlich durch den Sund, majestätisch fast, für uns aber mit dem faden Beigeschmack des Abschiedes. Nach dem Anlegen regte sich hektische Betriebsamkeit. Der Verladehof hatte sich bis auf den letzten Platz gefüllt, ein jeder wollte zuerst aufs Schiff, die Verlader hatten alle Mühe, Herr über die Reihenfolge zu bleiben. Auch uns winkte er irgendwann herein, jetzt war es offiziell, wir hatten norwegischen Boden verlassen. Danach ging alles viel zu schnell auch wenn ich den Eindruck hatte, dass alles in Zeitlupe ablaufen würde. Kaum an Bord suchten Norbert und ich das Außendeck auf. Dort, wo wir im vergangenen Jahr noch Zeit hatten, wir über den beschaulichen Ort Langesund blicken konnten, mussten wir heute feststellen, dass die "Pride of Telemark" schon unterwegs war. Die Leinen waren gelöst und wurden gerade eingezogen, dicke Dieselwolken entwichen dem Schornstein, das Schiff drehte sich im engen Sund um seine Achse und ließ uns nur wenig Zeit uns von Norwegen zu verabschieden. Mir kullerten dicke Tränen über die Wange, Norbert stand ohne Worte neben mir und winkte denen zu, die an den Bootsanlegern standen und die Ausfahrt des Schiffes beobachteten. Uns ging der Abschied zu schnell, der Schmerz das Land zu verlassen, in dem wir so gerne waren und auch bleiben würden, war in diesem Jahr fast nicht zu ertragen. Dazu noch einen Sonenuntergang vom Feinsten: rotglühender Himmel im Westen, der aufgehende Mond im Osten und die Sicht auf die Lichter des Ortes, den wir soeben verlassen hatten im Norden. Kann es eine bessere Ausrichtung einer Reise als die in Richtung Nord geben? Für uns jedenfalls steht fest, der Norden ist es, der uns in seinen Bann gezogen hat. Wir werden wiederkommen, das ist sicher. Durch die deutlich verspätete Abfahrt erreichten wir Hirtshals in Dänemark erst um etwa ein Uhr in der Nacht. Wie im letzten Jahr auch hatten wir beschlossen noch ein Stück aus Hirtshals heraus zu fahren, den Parkplatz in der Nähe von Brønderslev anzufahren und dort die letzte Nacht zu verbringen. Schon früh war allerdings die Nacht beendet, ich wachte schon um 7:30 Uhr auf und bereitete das letzte Frühstück. Zwischenzeitig war auch Norbert auf den Beinen, schnell waren wir wieder startklar und das große Kilometerfressen konnte beginnen. Pünktlich zur Mittagszeit überquerten wir die deutsche Grenze, unser Heimatland hatte uns wieder, ob wir wollten oder nicht (wir wollten eher nicht). Die Fahrt zurück erfolgte diesesmal auf gewohnter Route, die A 7 bis nach Hannover, dann der A 2 folgen bis zur Abfahrt Hamm-Uentrop/Soest, der Rest ist dann Landstraße. Erst um 19:50 Uhr stellten wir den Wagen ein letztes Mal auf dieser Reise ab. Nach genau 4636 Kilometern waren wir wieder dort, wo wir vor dreieinhalb Wochen gestartet waren. Wieder ging ein Urlaub zuende, anders als die Urlaube, die wir bisher erlebt haben, immer aber noch so interessant daran zurück zu denken, dass auch in diesem Jahr wieder eine Aufzeichnung dazu entstanden ist. Diese schließt nun hier, wir hoffen Ihnen mit dieser nicht immer überzeugenden Berichterstattung wenigstens Kurzweil verschafft zu haben. Wir sagen Danke, Danke für Ihr Interesse, Danke, dass wir in diesem faszinierenden Land sein durften. |