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Angelikas Tagebuch

Auch an diesen Urlaub sollen Erinnerungen wach bleiben. Angelika hat dazu wieder den Bleistift gespitzt und ihre Aufzeichnungen hier veröffentlicht.

Viel Spaß beim Lesen dieser Eindrücke!

Reisetagebuch Norwegen 23.08.2006 - 16.09.2006

23.08.2006

Endlich geht es los! Es ist 6:34 Uhr. Die Nacht war kurz, der Wecker klingelte schon um 10 Minuten vor 5 Uhr, an erholsamen Schlaf war auf grund der Vorfreude, aber auch Anspannung, nicht wirklich zu denken. Norbert hatte sich, wie 2004 auch schon, für die Route über die Autobahn 2 entschieden. Diese erreichten wir um Punkt 7 Uhr. Weitere Eckdaten unserer Anreise: Porta Westfalica um 8:10 Uhr, kleine Kaffee- und Zigarettenpause auf dem Parkplatz "Fuchsgrund". Kurz vor Hannover wechseln wir die Autobahn, die A 352 dient als Tangente zur Autobahn 7. Um 10:31 Uhr queren wir die Stadtgrenze zu Hamburg, um 10.44 fahren wir in den Elbtunnel ein. Mittagspause um 12 Uhr direkt vor dem Nord-Ostsee-Kanal. Schön anzusehen, die Autobahngeräusche sind unter der Brücke aber eher befremdlich. An der letzten Autobahntankstelle in Deutschland müssen wir den ersten "Boxenstopp" einlegen. Wir tanken zwar nicht so schnell wie in der Formel 1, dafür verbraucht unser Volvo aber auch deutlich weniger als die Rennboliden, nach 434 bisher gefahrenen Kilometern ergibt sich ein Durchschnittsverbrauch von 12,7 Litern. Norbert kann damit sehr gut leben, verbrauchte der Lada Niva vor 2 Jahren dann doch deutlich mehr. Um 13:16 überqueren wir die Grenze zu Dänemark, bis hierher waren es 493 Kilometer. Nun folgt der wohl langweiligste Part unserer Reie, die Fahrt entlang der E 45 durch Dänemark. Kilometerfressen bis der Kilometerzähler bei 852 Km das Ende unserer Tagesetappe anzeigt. Wir erreichen Hirtshals um 18:05 Uhr. Wir haben noch Zeit und legen uns erst einmal bis zur Check-In-Time um 21:15 Uhr hin, danach schlafen wir bis zur Einfahrt der "Pride of Telemark".

24.08.2006

Mit deutlicher Verspätung legte die "Pride of Telemark" um 2:10 Uhr in Hirtshals ab. Norge, wir kommen! An Bord war es sehr ruhig, auch das Meer zeigte sich ziemlich unbewegt. So konnten wir uns auf einer Bank am Fenster im hinteren Teil des Schiffes zur Ruhe begeben. Die lange Fahrt und der unruhige Schlaf in Hirtshals hinterließen bei uns erste Anzeichen von Übermüdung, Norbert und ich konnten daher gut, aber zu kurz, schlafen. Noch deutlich vor der planmäßigen Ankunft um 7 Uhr wurden wir schon wach, das Wetter zeigte sich heiter, die Sonne schien hell über dem Horizont. Das Schiff legte um 7:10 in Langesund an, um 7:55 Uhr hatten wir endlich norwegischen Boden unter den Füßen. Die Zöllner schliefen wohl noch, ohne Kontrolle konnten wir das Hafengelände verlassen. Nach einem zweiten Tankstopp fuhren wir noch ein Stück, erneut überkam uns beide die Müdigkeit, an einem Rastplatz auf der Nationalstraße 40 frühstückten wir erst und legten uns dann wieder ins Bett. Wir hätten wohl noch länger geschlafen, um 11:40 Uhr weckte uns der auf den Wohnwagen prasselnde Regen. Dieser verfolgte uns auch bis zu unserem ersten Ziel in Norwegen, dem Ort Beitostølen. Norbert hatte einfach keine Lust mehr weiter zu fahren, die Tagesetappe war lang genug, so richteten wir uns dort auf dem Campingplatz Beitocamp für die nächsten Tage ein.

25.08.2006

Die Nacht war super, der Regen des Abends hatte uns in den verdient erholsamen Schlaf begleitet. Geschlafen haben wir wie die Steine und nach dem Frühstück, begleitet vom Gebimmel der Glocken der Schafe, die über den Campingplatz trotteten, entschlossen wir uns zu unserer ersten Tour. Das Bitihorn, Beitostølens Hausberg, sollte unser erstes Ziel werden. Norbert hatte sich im Vorfeld zum Urlaub über verschiedene Touren im Internet kundig gemacht, so folgten wir der Wegbeschreibung von Julia, einem Mitglied des Norwegen-Freunde-Forums. Von leicht und familienfreundlich war zu lesen, für uns ungeübte Flachländer wurde der Aufstieg aber zur schweißtreibenden Angelegenheit. Das Wetter war nicht sonderlich stabil, es regnete in kurzen Schauern, die Wolken zogen tief auch über den Gipfel des Bitihorn hinweg, eine Szenerie fast wie vor 2 Jahren am Gaustatoppen. Durch kurze Wolkenlücken hatten wir aber einen tollen Blick auf die umliegenden Seen Vinstre und Bygdin und die Berge des entfernteren Jotunheimen. Das war es, worauf wir uns beide so gefreut hatten, wir hatten unser Ziel erreicht, auch wenn es für den Anfang schon anstrengend war, wir freuten uns auf mehr. Beim Abstieg entdeckten wir noch an der Nordflanke des Bitihorn eine große Herde Rentiere. Etwa 150 Tiere konnten sich frei und ohne Zaun dort bewegen, ein besonderes Erlebnis für uns, die wir auf dem Land wohnen, Grenzen aber auch dort allgegenwärtig sind...

26.08.2006

Die Wettervorhersage für heute war nicht so gut, so entschlossen wir uns zuerst zu Wanderung entlang der vielen Loipen rund um Beitostølen. Wir wären in den Nähe des Wohnwagen geblieben und hätten bei schlechter werdendem Wetter abbrechen können. Aber zunächst einmal schien die Sonne und so führte uns der erste Weg zur Touristeninformation im Ort. Norbert brauchte noch Informationen zur Wanderung über den Besseggen, auch eine sichere Wettervorhersage erhofften wir uns von dort zu bekommen. Die Dame am Infostand beriet uns und schlug vor, den Besseggen heute zu gehen, vom Wetter her der beste Tag innerhalb der nächsten 3 Tage. Aber es war schon viel zu spät um noch eine Tour dorthin zu starten. Das Wetter sollte dann doch noch schön bleiben, wir brachen daher unseren Spaziergang um Beitostølen ab, setzten uns ins Auto, fuhren ein paar Kilometer südlich nach Heggenes um von dort zum Berg Skåget zu gelangen. Über eine Schotterpiste gelangten wir bis ganz dicht heran aber den richtigen Weg zum Aufstieg auf den recht sanften Berg, der sich über moorige Hochflächen abhebt, haben wir nicht gefunden. Statt dessen folgten wir einer teilweise recht sumpfigen Spur am Fuße des Skåget, etwa 2 Stunden genossen wir den Blick über die weite Hochfläche mit vielen kleinen Seen bis zum Horizont. Bemerkenswert hier waren auch die Unmengen an Blaubeeren, hätten wir ein Gefäß dabei gehabt, wir hätten Stunden damit verbringen können, die Beeren zu sammeln. So ließen wir uns die Früchte während kleiner Pausen schmecken. Zurück am Wohnwagen regnete es wieder, wir hoffen aber auf besseres Wetter. Norbert hat sich für morgen den Besseggen vorgenommen.

27.08.2006

Norbert wurde um halb 6 Uhr wach, hörte keinen Regen prasseln, schaute hinauf zum Himmel, entdeckte blaue Flecken zwischen den vielen Wolken und blies daher zum Sturm auf den Besseggen. Wir bereiteten uns im Wohnwagen vor, packten unsere Rucksäcke und ich vergaß derweil mein Portemonnaie einzustecken. Das fiel mir allerdings erst kurz hinter Bygdin auf, also kehrt um, zurück zum Wohnwagen und Geld geholt. Ist ja schließlich fundamental für die Schifffahrt über den See Gjende. In Gjendesheim warteten schon einige Leute auf die erste Schiffspassage, die hatten wir trotz unserer kleinen Panne, nicht verpasst. Allerdings erschien es uns zu spät um die Wanderung von Gjendesheim in Richtung Memurubu zu starten. Eine kluge Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. So checkten wir mit etwa 25 Personen zur Fahrt mit der "Gjendine" ein und starteten zur 20 minütigen Überfahrt. Schon auf dem See, noch unterhalb des Grates, sahen wir dicke Wolken aufziehen, bedrohlich grau zogen sie sich über dem Gjende zusammen und kaum in Memurubu angekommen begann es zu regnen. Ich glaube mich daran zu erinnern einen mitleidigen Blick des Bootsführers beim Ausstieg erkannt zu haben ;-) Erste Handlung in Memurubu: Regensachen an, Persenning über den Rucksack und los! Wir starteten mit den vielen anderen, die mit uns von Bord gegangen waren, zum steilen Aufstieg. Je höher wir kamen um so besser wurde die Sicht, der Regen hatte zwischenzeitig etwas nachgelassen und die weniger schweren Wolken erlaubten uns erste Aussichten über den See Gjende und die umliegenden Berge. Die Fernsicht bis hinein zu den schneebedeckten Höhen des Jotunheimen war aber nur eingeschränkt. Trotzdem war es eine Augenweide hier zu sein, wir wollten wandern, stehen bleiben, schauen und genießen, Rekorde lagen uns fern und so wurden wir von immer mehr Menschen überholt. Kurz vor dem kleinen Bergsee Bjørnhøltjørn überraschte uns ein Unwetter. Noch schwarzer als die Wolken bei der Bootsfahrt über den See zogen in atemberaubender Geschwindigkeit dicke Wolken aus Süd heran, prallten vor die Höhen der Besshøi und entluden sich mit heftigstem Regen und Hagel bei stürmischem Wind. Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen suchten wir uns einen größeren Stein zur Deckung und kauerten hinter diesem auf dem Boden, es war, als würden wir mit Anziehsachen unter der Dusche stehen, innerhalb der sechs bis acht Minuten die das Unwetter dauerte, wurden wir klatschnass. So etwas naturgewaltiges habe ich noch nicht erlebt und die Gewissheit, dass es für eine Umkehr zu spät war und der weitere Weg noch lang, trieb mir die Tränen in die Augen. Weiter folgten wir dem Weg, Kleidung trocknet am Körper am besten, kurz vor dem Bessvatnet waren wir soweit abgetrocknet, dass die Hosen nicht mehr an den Beinen klebten und auch die Wanderstiefel hatten ganze Arbeit mit ihrer Atmungsaktivität bewiesen. Auf dem Bandet, der wohl schönste Ort auf dieser Wanderung, stärkten wir uns noch einmal vor dem Aufstieg über den Grat. Die Wanderstöcke banden wir an die Rucksäcke, der Aufstieg verlangte nach fest zupackenden Händen und sicher stehenden Füßen. Anfänglich war es noch nicht so dramatisch, erst die letzten Höhenmeter hatten es meiner Meinung nach in sich. Ich klebte förmlich am Fels und zog mich mit zittrigen Beinen und Händen nach oben. Noch im Grat bot mir ein freundlicher, von oben absteigender, Norweger Schokolade an (sah ich denn wirklich so erbärmlich aus?) Egal, die Schokolade schmeckte und nach kurzem Smalltalk ging es für uns weiter. Nun lag der berühmt berüchtigte Besseggen hinter und das Veslefjell vor uns. Auf dem ersten Blick ein schier unendliches Geröllfeld und wenn dann noch Nebel einsetzt und die Wolkenfetzen im Tiefflug über das Fjell ziehen, dann hat es hier fast unheimlichen Charakter. Wir erreichten die "Gipfelpyramide", einen riesigen Steinmann, der so hoch ist, dass er mit einem Bulldozer zusammen geschoben sein könnte. Wir machten dort noch einmal Pause und nach dem obligatorischen Gipfelfoto ging es weiter mit der Gewissheit, "von nun an gehts bergab". Noch lange Zeit über Geröllfelder führte uns der Weg dann schließlich zu dem Punkt, von wo wir den Parkplatz in Gjendesheim erstmalig wieder sehen konnten. Immer steiler stiegen wir ab und an einer Abbruckkante, mit Seilen und Ketten gesichert, rutschten wir, mehr kraftlos als das wir kletterten, hinunter. Die letzten Meter waren mühsam, die Füße brannten bei jedem Schritt und endlich am Auto angelangt entledigten wir uns auch zuerst der Bergstiefel. Wir waren inklusive Pausen 10 Stunden unterwegs, wären wir von Gjendesheim gestartet hätten wir das Schiff um 16 Uhr in Memurubu nie und nimmer erreicht. So hatten wir genug Zeit und konnten die Tour, trotz der Unbilden mit dem Wetter, durchaus genießen. Es ist schon ein tolles Gefühl, zum Wohnwagen zurückzukehren, ausgepowert zwar, aber mit der Gewissheit etwas erlebt zu haben, was sich in bleibender Erinnerung eingebrannt hat und das uns keiner mehr nehmen wird.

28.08.2006

Nach tiefen und erholsamen Schlaf, gewohnt gutem Früstück und dem Blick auf die Straßenkarte hieß es für uns Abschied nehmen in Beitostølen mit dem heutigen Ziel Fjordnorwegen. Da wir dort auch schon 2004 waren, sollte uns der Weg nach Skjolden am Ende des Lustrafjordes führen. Wir waren schon wieder 15 Minuten unterwegs als ich bemerkte, dass ich meine Kamera an der Rezeption des Beitocamps liegen gelassen hatte. Nun gut, alles zurück und danach Start auf ein Neues. Ursprünglich wollte Norbert die Passstraße von Øvre Årdal nach Turtagrø befahren, er hatte sich aber im Norwegen-Freunde-Forum über die Befahrbarkeit mit Wohnwagen informiert und ist daher zu der Erkenntnis gelangt, dass es nicht wirklich ratsam ist durch die steilen Serpentinen auf der Årdaler Seite zu kurven. Außerdem war das Wetter auch heute nicht so beständig, die Straßen waren teils noch feucht und mit Frontantrieb und Wohnwagen am Haken den Berg hinauf zu fahren und womöglich noch rangieren müssen, nein, den Stress wollten wir uns nicht antun. Daher entschieden wir uns zum deutlichen Umweg über Fodnes mit der Fähre nach Manheller. Meiner Meinung nach ein unverschämt teures Vergnügen, zumal uns beim Verlassen der Fähre der Einweiser so dicht an der Bordwand vorbei dirigierte, dass es uns am Wohnwagen das linke Positionslicht gekostet hat. Weiter folgten wir dann dem RV 55 entlang des Lustrafjordes. Irgendwie waren wir schon zu lange unterwegs, Norbert hatte genug von der Kurverei, so sahen wir uns die einzelnen Campingplätze im Verlauf des RV 55 an und entschlossen uns, der Campingplatz in Skjolden hätte auch nicht schöner gelegen, unser Quartier für die nächsten Tage auf dem Dalsøren Camping in Luster zu beziehen. Selbst über den Preis konnten wir mit Thomas verhandeln, 140 NOK incl. Strom, und das bei einer traumhaften Lage direkt am Fjordufer mit einer kleinen Boots- und Badeplattform, Herz was willst du mehr?

29.08.2006

Nach der anstrengenden Wanderung über den Besseggen plagte mich ein heftiger Muskelkater, so entschlossen wir uns hier auf Dalsøren Camping einen "Abhängetag" einzulegen. Im Ort Luster haben wir nur eine Kleinigkeit eingekauft und haben uns den Friedhof angesehen. Das ist eine Marotte von mir, aber hier zu liegen ist wie ein Logenplatz im Himmel. Ein sanft abfallender Hang mit herrlichem Ausblick über den Fjord. Wenn wir in Norge wohnen würden, dann gerne hier im Ort Luster, es ist so schön hier, dass es fast weh tut. Auf dem Steg am Campingplatz haben wir die Füße im Wasser und die Seele baumeln lassen, wir fanden hier die Muße auch im Urlaub einmal nichts zu tun, lediglich die Tour zum Aussichtsberg über den Lustrafjord, dem Molden, haben wir noch für morgen geplant.

30.08.2006

Noch immer mit recht schweren Beinen sind wir heute auf den Molden gestiegen. Mit zunehmender Höhe hatten wir eine immer besser werdende Sicht über den Lustrafjord, gegenüber lag Urnes mit der Stabkirche und am Ende des Fjordes Skjolden. Begleitet von den frei umherlaufenden Schafen waren wir beim Aufstieg allein, erst beim Abstieg kam uns eine niederländische Familie entgegen. Unser Zwiebellook war auf dieser Tour wieder einmal erste Wahl, mit Fleece gestartet wechselten wir schnell auf T-Shirt, oben angekommen holten wir gar die Outdoorjacken wieder aus dem Rucksack. Heftig blies hier oben der Wind und über die Landzunge von Urnes regneten ein paar Wolken ab. Wir hatten Glück und bekamen davon wirklich nur ein paar Tropfen ab. Das Wetter war jedenfalls so gut, da hatten wir wirklich einmal Fernsicht bis an den Horizont. Die Berge Jotunheimens waren ebenso zu sehen wie die weiße Fläche des Jostedalsbreen. Teilweise recht steil, dennoch nicht schwierig war diese Tour, so waren wir zeitig zurück und konnten den Rest des Nachmittages, noch in der Sonne sitzend, am Wohnwagen verbringen.

31.08.2006

Es herrschte ein wenig Krisenstimmung. Norbert wollte ja eigentlich noch gar nicht weiter fahren, er hatte sich für heute die Besteigung des Fannaråken vorgenommen, doch der Blick aus dem Fenster verhieß schon früh des Morgens nichts Gutes. In der Nacht schon hörte ich das leise Prasseln des Regens auf dem Wohnwagendach, tief hingen jetzt die immer noch regenschweren Wolken über dem Fjord und klebten förmlich an den Berghängen. Mir wäre die Besteigung wahrscheinlich zu groß gewesen, daher drängte ich ein wenig zur Weiterfahrt nach Stryn, immer in der Hoffnung auf beständiges Wetter. So musste Norbert dann für dieses Jahr den Traum begraben auf den Fannaråken zu steigen, schon 2004 scheiterte ein Versuch dazu an den Unmengen von Schnee auf dem Sognefjell. Ein wenig tröstlich war die herzliche Verabschiedung von Thomas, dem Besitzer dieses herrlichen Campingplatzes, noch bevor wir den Wohnwagen angehängt und fahrbereit hatten reichte er uns noch eine Tüte selbst gepflückten Obstes über die Hecke. "Alles økologisk!" Hmm, welch ein Genuss, die frischen Äpfel, Birnen und Pflaumen! Unsere Route führte uns zuerst entlang des RV 55 über das Sognefjell, in Turtagrø konnte Norbert dann auch feststellen, warum eine Tour auf den Fannaråken heute nicht so toll gewesen wäre: bis tief in das Helgedalen hinein hingen die Wolken aus denen es sprühnebelartig regnete. Wenn schon zum Fannaråken dann aber bitte auch bei schönem Wetter und guter Fernsicht. Eine Bergbesteigung nur um der Besteigung willen, nein Danke! Zähneknirschend musste das sogar Norbert einsehen. Oben an der Sognefjellhytta erlebten wir das Fjell von einer ganz anderen Seite, was vor 2 Jahren noch tief verschneit und zugefroren war, pries sich dieses Jahr schon als herbstlich gefärbtes Hochfjell. Die grauen Wolken, aus denen es hier und da auch regnete, trugen ihren Teil zu dieser eher düsteren Stimmung bei. Erst in Lom klarte das Wetter wieder auf, wir gönnten uns dort auch in der Sonne sitzend einen kleinen Snack mit anschließendem Softeis. Der Blick dabei über den Tronoberget schweifend, den Berg, den wir 2 Jahre zuvor bestiegen hatten. Von Lom folgten wir dem RV 15 in Richtung Grotli bzw. Stryn. Ursprünglich wollte Norbert den "gamle Strynveien" fahren aber für Wohnwagengespanne über 10 Meter ist diese Strecke gesperrt. Wir haben gesamt 11 Meter und da wir kein Risiko eingehen wollten folgten wir dem RV 15 weiter auf der neuen Trasse und gelangten so nach Stryn. Für heute hatten wir den Gryta-Camping am Oldevatnet als Ziel benannt, von Stryn aus ein Katzensprung, dennoch waren wir heute wieder Stunden unterwegs. Erst um ca. 17 Uhr erreichten wir dieses wunderschöne Fleckchen Erde. Direkt am See Oldevatnet gelegen, eingerahmt von steilen Bergen und der Blick auf die in der Abendsonne liegende Gletscherzunge Melkevollbreen, versprach dieser Platz für uns in den nächsten Tagen wieder eine gute Basisstation für weitere Unternehmungen zu sein. Außergewöhnlich ist auch das Maskottchen und Markenzeichen des Gryta-Camping: ein einsamer Ziegenbock grast dort in einem Gehege und wartet darauf, von den Touristen gefüttert zu werden. Diesen Part übernehme ich gern.

01.09.2006

Um 2:00 Uhr weckte mich Norbert. Er war wach geworden und hatte die Wohnwagentür geöffnet um einen Blick auf das Wetter zu werfen. Bei absoluter Dunkelheit, nur das kleine Lichtchen über der Tür zu den Toiletten am Haus leuchtete, zeigte mir Norbert die Milchstraße. Früher, in Vasiliada in Griechenland, habe ich mit meiner Schwester während des Urlaubes dort in der Nacht auf der Wiese gelegen und habe auch die Sterne gesehen, so klar wie sie sich hier darstellten habe ich die Milchstraße aber nie gesehen. Unheimlich schön, fast zum Greifen nah! Auch kleine Touren können schön sein, so stiegen wir nach dem Frühstück zum Wasserfall direkt hinter dem Campingplatz auf. Keine lange Tour aber stetig steil bergan, gelangten wir bald zu toller Aussicht über das Oldedalen und den Oldevatnet. Bei strahlend blauem Himmel erschien sogar der Gletscher über uns in reinstem Weiß. Später, wieder am Wohnwagen zurück, beschlossen wir noch zum so bekannten Brigsdalsbreen vorzufahren. Was vom Gryta-Camping aber noch nicht ersichtlich war, so stellte sich das Ende des Oldedalen als perfekte Touristenfalle heraus. Schon weit vor dem Ende der Straße gab es nur noch gebührenpflichtige Parkplätze, die Souvenirläden boten ihre Waren zu sicher überzogenen Preisen an und Busladungen an Menschen wurden hier angekarrt. Irgendwie kein Ort an den es uns heute hinzog, zu viel Kommerz, zu wenig Ursprünglichkeit. Der Ausflug hierher passte irgendwie nicht in unser bisheriges Urlaubskonzept. Klar, der Brigsdalsbreen ist ein touristisches Highlight, wir konnten gerade heute aber darauf verzichten.

02.09.2006

Das Wetter war heute nicht wirklich zum Wandern geeignet, Norbert und ich beschlossen daher eine Autorundreise zu machen. Vor allem der noch offen stehende "gamle Strynveien", mit dem Wohnwagen hatten wir den ja nicht gefahren, sollte heute unter die Räder genommen werden. So fuhren wir los, zuerst bei Regen, später riss die Wolkendecke auch auf und erlaubte vor allem in der sagenhaft schönen Hochfjelllandschaft des alten Strynveien einen Blick auf die steilen Berghänge. Trotz der Unbeständigkeit des Wetters konnten wir gerade dort ein paar Felskletterern zusehen. In Grotli endet (oder beginnt, alles eine Frage der Fahrtrichtung) der "gamle Strynveien", die Straße 63 führte uns danach in Richtung Geiranger, nicht aber ohne den Dalsnibba besucht zu haben. Unmittelbar vor dem Djupvatnet, im Jahr 2004 während unserer Reise hier noch zugefroren und eine mit meterhohen Schneewällen dekorierte Straße, zweigt die Mautstraße hinauf zum Touristenhighlight Dalsnibba ab. Gestern noch haben wir uns dem Kommerz verschlossen, heute musste es einfach sein, Maut zahlen und über eine in mehreren Serpentinen aufsteigende Schotterstraße bis zum Gipfel fahren. Oben erwarteten uns jede Menge Touristen und eine sagenhafte Aussicht auf Geiranger, den Fjord und die umliegenden Berge. Der ziemlich kalte Wind störte hier oben niemanden, erst als wieder dicke Wolken heranzogen und es leicht zu regnen begann erfreute sich das Souveniergeschäft besonderen Andrangs. Die meisten Touristen waren mit Bussen gekommen und bevor es mit denen zurück nach Geiranger und auf eines der beiden dort liegenden Kreuzfahrtschiffen ging, wurden noch von vielen Andenken und Souveniers gekauft. Wir schlossen uns nicht aus, einem Kugelschreiber im Design der norwegischen Flagge und ebensolchen Küchenhandschuhe konnte ich nicht widerstehen. Eine tolle Ansicht bot dann der Djupvatnet bei der Abfahrt hinunter, von den immer wieder wechselnden Lichtverhältnissen angestrahlt, blauer Himmel wechselte mit dunklen Wolken im Minutentakt, veränderten sich die Farben von tiefdunkelblau bis hin zu grün, schillernde Wellen wechselten zu fast unbewegtem Wasser. In Geiranger sollte der Weg eigentlich noch weiter führen, geplant war eine Fahrt über den Ørnevegen, eine Fährfahrt über den Norddalsfjord und anschließende Fahrt über den Trollstigveien, die fortgeschrittene Zeit und das in Geiranger wartende Fährschiff nach Hellesylt veranlasste uns zur dramatischen Abkürzung der Route. Warum so viele Kreuzfahrtschiffe gerade den Geirangerfjord ansteuern, davon konnten wir uns während der eineinhalb stündigen Überfahrt nach Hellesylt selbst überzeugen. Norbert konnte die Landschaft genießen ohne selbst fahren zu müssen, sogar das Wetter war uns während der Überfahrt hold. Bei blauem Himmel genossen wir die vielen Sehenswürdigkeiten am Fjord, die dreisprachigen Ansagen dazu rundeten das Erlebnis der Fährfahrt ab. In Hellesylt starteten wir den Wagen mit der Gewissheit, dass es für uns nur noch schwer vorstellbar ist, Urlaub in einem anderen Land zu machen.

03.09.2006

Heute war das Wetter eher zum Kuscheln im Wohnwagen, grau verhangener Himmel, kaum Sicht auf die umliegenden Berge und die konzentrischen Kreise auf dem Oldevatnet verrieten leichten Regen. Aber wir haben ja nicht ewig Zeit auf gutes Wetter zu warten, außerdem, gibt es schlechtes Wetter überhaupt? Unsere Kleidung war ja eigentlich dazu geeignet auch einmal eine Tour im leichten Regen zu unternehmen, so beschlossen wir kurzerhand eine Tour ins Glomsdal. In Hjelle, am Ostende des Strynevatnet gelegen, beginnt eine kleine Stichstraße die uns bis an den Hof Glomnes führte. Dort haben wir das Auto stehen lassen und sind auf einem stetig ansteigenden, gut zu gehenden Stig, zur Alm Segestad aufgestiegen. Schon seit den 60er Jahren nicht mehr bewirtschaftet ist diese Alm dennoch sehenswert. Von freiwilligen Helfern restauriert und liebevoll eingerichtet, konnten wir Scheune, Wohnhaus und Küchenhaus besichtigen. Weiter führte uns der Weg hinein ins Glomsdal, hinter der Alm wurde der Weg aber deutlich schmaler, wohl nur noch von Schafen benutzt geriet dieser Weg zunehmends zum Trampelpfad, der stellenweise nicht mal so breit war, dass wir beide Füße hätten nebeneinander stellen konnten. Durch naturbelassenen Wald, hier dürfte eine Bewirtschaftung auf grund der Lage auch nicht so einfach sein, gelangten wir schließlich an eine weitere Stelle im engen Glomsdal. Zerfallene Unterstände und die Grundmauern kleiner Häuser deuteten auf frühere Landwirtschaft hin, für die Bauern dürfte aber die geographische Lage und Ausgesetztheit des Tales Grund genug sein, ihren Betrieb hier einzustellen. Wir querten einen Bach, eben jenen Bach, der später den Glomnes-Wasserfall speist, und folgten auf der anderen Seite des Tales den Weg zurück Richtung Strynevatnet. Hier schloss sich der Kreis, keinen einzigen Schritt möchten wir von dieser zweifellos sehr schönen Tour missen. Ursprünglichkeit und Ruhe, hier waren sie zu finden, wobei wir uns sicher waren, dass dazu auch das Wetter seinen Teil begetragen hat. Ins Gästebuch der Alm Segestad schrieb ich, dass wir bei der Heimreise unsere Herzen hier lassen werden. Keine leeren Worte, vor allen Dingen dann nicht, wenn man selbst bei nicht so schönen Wetter das herrliche Land bei jedem Atemzug genießen kann.

04.09.2006

Was macht man bei schlechtem Wetter im Urlaub? Man outet sich als Tourist und besucht eben die Stellen des Landes, auf die man eigentlich verzichten könnte, aber in fast allen Touristenberichten Erwähnung finden, so also auch in unserem. Bei Dauerregen legten wir wieder einen Autotag ein und besuchten den westlichsten Punkt Festlandsnorwegen, das Vestkapp. Das Cafe dort war schon geschlossen, die touristische Hochsaison war schon beendet und das Wetter ließ wohl auch keine Touristen in größerer Anzahl erwarten. Nicht weiter schlimm, sparten wir uns doch somit die 45.- NOK Besichtigungsentgeld pro Kopf, die wir eigentlich hätten berappen müssen. Wir waren allein dort, nur ein paar Schafe, die dafür sorgten, dass wir jeden Schritt wohl überlegt tun mussten, die Hinterlassenschaften der Tiere waren jedenfalls überall zu finden (später auch unter unseren Schuhen). Es war kalt dort, windig dazu und die Sicht über das Nordmeer war auch nicht so atemberaubend, nach einem "wir waren hier" Foto verließen wir diesen eigentlich nichtssagenden Ort wieder. Interessanter war da schon der kleine Ort Ervik. Auf einem direkt am Strand gelegenen Friedhof (ihr wisst ja, eine Marotte von mir) besuchten wir dort auch die kleine Gedenkstätte für die 43 Ukrainer und Russen, die während der Errichtung des "Atlantikwall" im 2. Weltkrieg hier als Zwangsarbeiter zu Tode gekommmen waren. Irgendwie fühlten wir uns hier ein wenig an unsere letzte Tour nach Husavik (in Klammern, da unbewohnt) in Island im Jahr 2000 erinnert, ähnliche metallene Kreuze standen dort auch direkt an der Abbruchkante zum Atlantik, so wie hier war auch dort nur das Rauschen des Meeres zu hören. Ein trotz der dunklen Vergangenheit friedlicher Ort...

05.09.2006

Irgendwie zermürbt das schlechte Wetter dann doch, ein Anruf bei unserem Bekannten Andreas im Sørlandet veranlasste uns dann doch zum Aufbruch gen Süden, sollte es doch dort schönes Wetter, und das schon seit Tagen, geben. Wir hätten sicher noch das ein oder andere Ziel hier vom Gryta-Camping erwandern wollen, bei Dauerregen fiel uns der Abschied aber nicht sonderlich schwer. Ein langer Autotag mit Wohnwagen hinten dran stand uns bevor, je weiter wir gen Süden unterwegs waren, um so besser wurde tatsächlich das Wetter. Zunächst über die Europasstraße 39, später entlang des RV 13 genossen wir noch so manches Highlight. Da waren Ziegenherden auf der Straße. Einer Ziege davon musste ich sogar eine Chipstüte vom Kopf ziehen, zu tief hatte sie diesen auf der Suche nach Salz dort hineingesteckt und kam jetzt nicht mehr davon los, irrte geradewegs auf jedes nur denkbare Hindernis zu und stieß sich ihren Kopf ein paarmal ziemlich heftig an. Auch ihre Artgenossen fanden die Verkleidung nicht so toll, ein paar Boxhiebe musste diese arme Ziege bis zur Befreiung durch mich noch einstecken. Einer tollen Streckenführung folgten wir an diesem Tag noch bis nach Vangsnes am Sognefjord, wo wir uns auf dem Tveit-Camping, direkt am Fjord gelegen, für die nächste Nacht niederließen. Die Sonne hatte zum Abend gegen die Regenwolken gesiegt, wir genossen den Blick über den Fjord und beobachteten noch eine ganze Weile den hier regen Schiffsverkehr.

06.09.2006

Dieser Tag startete mit dem berühmten "Schock in der Morgenstunde". Nach dem Frühstück wollten wir Wohnwagen und Auto wieder klar machen zur Weiterfahrt, unser Ziel heute sollte Lofthus-Camping am Sørfjord nahe der Hardanger Vidda sein, doch ein spektakulärer Zwischenfall ließ uns erst einmal auf Tveit-Camping verweilen. Wir waren abfahrtsklar, Norbert wollte den Volvo zum Ankuppeln starten, doch der ließ sich einfach nicht dazu überreden seinen Dienst aufzunehmen, nur ein hässliches Schnarren war aus Richtung Anlasser zu hören. Und so oft es Norbert versuchte desto leerer wurde auch die Batterie bis schließlich alles zusammenbrach und selbst kleine Stromverbraucher, Tacho- und Instrumentenbeleuchtung, ihren Dienst einstellten. Na gut, mit Hilfe des Starthilfekabels sollte sich doch jemand finden, dessen Batteriestrom wir anzapfen können. Ein Pärchen aus Ostdeutschland leistete uns dann auch mit ihrem gemieteten Mobil Starthilfe, der Volvo wollte aber einfach nicht anspringen, das hässliche Schnarren war auch nicht verschwunden und selbst das Licht des Mobils wurde beim Starten des Volvo deutlich dunkler. Der junge Mann aus dem Mobil hatte wohl schon einmal ein ähnliches Problem mit seinem Opel Omega gehabt, er befürchtete einen Zellenschluss in der Batterie, für Norbert die günstigste Variante, ein Anlasser wäre sicher teurer geworden. Zum Glück sind wir ADAC-Mitglied und so konnten wir mit Hilfe der Campingplatzbetreiberin einen Pannendienst aus dem etwa 10 km entfernten Vik organisieren. Etwa eine Stunde später kam Einar, ein freundlicher Pannenhelfer, vorsorglich mit Abschleppwagen und einer neuen Batterie auf dem Campingplatz vorgefahren. Einar maß erst einmal die Spannung der Batterie durch, diagnostizierte einen Verbraucher mit einer Stromaufnahme von 4 Ampére auch bei ausgeschalteter Zündung und hatte abschließend auch einen Batteriekurzschluss in Verdacht. Die neue Batterie war schnell eingebaut und mit dieser konnte auch der Volvo wieder zur Weiterfahrt überredet werden. Die ganze Aktion kostete uns zwar 1687.- NOK, wobei die Pannenhilfe ja über den ADAC abgerechnet wird und für uns keinen finanziellen Verlust darstellt, die Weiterfahrt über den ab hier eher unspektakulären RV 13 war aber gesichert. Dafür war der Lofthus-Camping, den wir gegen 17 Uhr erreichten, eine Wucht. Inmitten einer Obstplantage gelegen, hoch über dem Sørfjord, eigentlich mit Blick auf den Folgefonngletscher. Aber davon ist heute Abend nichts zu sehen, regnet es doch mal wieder in Strömen. Aber das Obst zum Selberpflücken ist spitze und tröstet über den Regen hinweg.

07.09.2006

Der Tag heute war nichts besonderes, sieht man mal vom Dauerregen ab. Da unsere Vorräte auch gerne mal mit landestypischer Kost aufgepeppt werden wollen, kauften wir in Odda entsprechend ein. Odda ist eher unspektakulär, Industriestandort eben, aber das Wasserkraftwerk am Ostufer des Sørfjord wollten wir uns trotzdem ansehen. Leider konnten wir nur den Museumsteil besuchen, eine Führung durch das Kraftwerk wurde nur in englischer Sprache durchgeführt und war bereits unterwegs, eine weitere sollte nicht folgen. Interessant aber war für uns zu sehen, wie norwegische Geschäftsleute abgeholt werden: Unweit der Ausstellung landete kaum 30 Meter von uns entfernt ein Hubschrauber, 5 mit Aktenkoffern bepackte Geschäftsleute stiegen ein und wurden mit dem Hubschrauber ausgeflogen. Kaum 15 Minuten später kam der Hubschrauber wieder, landete und nahm die nächsten Passagiere auf. Shuttleservice auf norwegisch...

08.09.2006

Endlich mal kein Regen! Einem Aufstieg zur Nosi stand jedenfalls nichts im Weg. Direkt vom Campingplatz folgten wir dem Weg zuerst durch die hier überall anzutreffende Obstplantagen, später über eine Forststraße und zum Schluss erreicht man die "Munketreppene", einer von Mönchen angelegte Steighilfe hinauf zur Nosi und zum Wegenetz über die Hardanger Vidda. Die Nosi ist eher unspektakulär, sieht man mal von der tollen Aussicht über die Folgefonn-Halbinsel, die Gemeinde Ullensvang und den Sørfjord ab, der Aufstieg lohnt aber meiner Meinung nach nur in Verbindung mit dem Besuch des Wasserfalles Rjukande, den man von der Nosi in etwa 20 Minuten erreicht. Hier verändert sich die Landschaft, der steile Aufstieg liegt hinter uns und die beginnende Hardanger Vidda zeigt sich lieblich, nur leicht hügelig. Aus dieser Hochfjelllandschaft ergießt sich der Fluss Opo, der den Rjukande speist. Tief eingeschnitten stürzt der in mehreren Kaskaden hinab. Das ist wirklich spektakulär, bis an die tief in den Untergrund geschnittenen Abbruchkanten konnten wir vorgehen, ich traute mich sogar auf einem dieser Vorsprünge hinzusetzen und die Beine über den tosenden Wassermassen des Opo baumeln zu lassen. Leider zogen hier wieder dicke Wolken auf, die Sonne verschwand und auch das Licht hier oben erinnerte mehr an Dämmerung als an 15 Uhr. Auf dem Rückweg verblieben wir auf der Forststraße, beim Aufstieg hatten wir die Serpentinen querbeet abgekürzt, das verlängerte uns zwar den Abstieg, unsere schmerzenden Beine waren aber über die einfachere Wegstrecke erfreut. Trotz der Anstrengungen, -ich weiß nicht, warum ich in diesem Jahr solche Schwierigkeiten bei den Aufstiegen habe-, hat uns auch diese Tour gefallen. Wieder zufrieden blicken wir auf ein Erlebnis zurück, was uns keiner mehr nehmen kann. Es ist einfach schön hier zu sein, obwohl es wieder zu regnen begonnen hat. Aber im Wohnwagen ist es gemütlich und die Sicht aus dem Wohnwagenfenster zwischen die prall gefüllten Obstbäume, das hat was Besonderes und macht das Hiersein auch bei diesem Wetter schön.

09.09.2006

Auch das gab es während unserer Reise: Abhängen! Zum kurzen Einkauf haben wir einen Spaziergang nach Lofthus unternommen. Ein sehr beschauliches Örtchen mit kleinen Häusern in typischer norwegischer Bauweise, liebevoll dekoriert und mit schönen kleinen Vorgärten. Die Lage am Fjord trug sein übriges zur Idylle bei. Etwas unpassend, dennoch ziemlich geschichtsträchtig, ist das große Ullensvang Hotel. Irgendwie passt dieses Gebäude nicht so recht zwischen die von Obstplantagen geprägte Landschaft. Zurück am Wohnwagen haben wir die Muße gefunden einmal nichts zu tun. Mit einem Buch in der Hand im Campingstuhl sitzend den Tag genießen, das muss auch mal sein!

10.09.2006

Gibt es das auch noch? Schönes Wetter? Erst einmal begrüßte uns der Tag mit Sonne und blauem Himmel, ideale Voraussetzungen für eine Tour zum Buarbreen, einer Gletscherzunge des Folgefonn. Als leichter Spaziergang ohne nennenswerte Steigung wurde diese Tour in einer Infobroschüre beschrieben, genau das Richtige für mich, hatte ich nach der Nosi so gar keine Lust mehr bergzuwandern. Trotzdem packten wir sowohl Fleece als auch Outdoorjacken in den Rucksack, wussten wir doch nicht wie sich das Wetter im Laufe des Tages entwickeln würde. Kurz hinter Odda folgten wir einer kleinen Stichstraße zum Hof Buar, hier hatten wir Möglichkeiten den Wagen zu parken und von dort die Wanderung zu beginnen. Aber stand da nicht etwas von "ohne nennenswerte Steigung"? Vom tief im Tal liegenden, sehr idyllisch anzuschauenden Hof konnten wir nur aufblicken zum Gletscher, der sich strahlend weiß im Sonnenlicht präsentierte. Schon zu Beginn der Tour wurde klar, ohne Steigung geht hier gar nichts, aber da wir jetzt mal hier waren folgten wir auch dem ausgewiesenen Weg. Zuerst am Gletscherabfluss entlang, durch lichten Birkenwald war der Weg zuerst noch gemäßigt, später, nach einigen kleinen Stegen wurde der Weg zunehmend steiler. Norbert hatte schon Befürchtungen ich würde zurückgehen wollen, entsprach die Beschreibung der Broschüre ja so gar nicht dem tatsächlichen Weg, doch dieser Weg war ganz nach meinem Geschmack: rauf und runter, über Stock und Stein, dazu die immer besser werdende Sicht auf den Gletscher, der sich nun deutlich über uns abzeichnete. Kaum hatten wir den Birkenwald hinter uns gelassen erreichten wir auch bald den Fuß des Gletschers. Über glatt geschliffene Felsen, vom Schmelzwasser überspült und daher streckenweise glitschig, konnten wir uns teilweise nur an Seilen gesichert hochziehen, so steil wurde der Aufstieg. Auch Leitern waren aufgestellt, hier war der Aufstieg im Vergleich ziemlich komfortabel. Lustig fand ich auch die kleine Hängebrücke über einen der vielen Schmelzwasserabflüsse. Mit weit auseinanderliegenden Holzbohlen als Trittfläche und zwei Drahtseilen, an denen man sich festhalten musste, schaukelte diese Konstruktion beim Betreten doch erheblich. Ich wippte sogar darauf herum, federte die Brücke fast wie ein Trampolin, Norbert hatte aber bei der Überquerung so seine liebe Not. Ihm war die Brücke nicht geheuer, fast krampfhaft klammerte er sich an den Seilen fest und wagte nur langsam einen Schritt vor den anderen. Aber der Mühen wurden wir durch eine immer besser werdende Sicht auf den Gletscher belohnt. Leider ging Norberts Wunsch einmal das Eis des Gletschers berühren zu können nicht in Erfüllung. Der Gletscherabfluss war einfach zu breit und reißend um ihn gefahrlos queren zu können. Erst auf der anderen Abflussseite wäre der Weg zum Eis frei gewesen, Norbert wollte aber kein Risiko eingehen. Ein unfreiwilliges Bad im eiskalten Wasser wäre zwar erfrischend gewesen, mit nassen Klamotten aber den Rückweg antreten, das wollte Norbert dann doch nicht. So blieb nur die Kameraperspektive. Wir sonnten uns noch eine ganze Weile auf einem von der Sonne aufgewärmten Felsen und betrachteten die Eiskletterer, die es irgendwie geschafft hatten an das Eis zu gelangen. Ein traumhafter Ort, trotz des Rauschens des Wassers, trotz des kalten Fallwindes vom Gletscher, die Sonne war so intensiv wie wir sie in diesem Urlaub noch nicht erlebt hatten, hier konnten wir so richtig entspannen. Kein unnötiges Wort, einfach nur genießen, das zeichnete diese wohl bisher schönste Wanderung in diesem Urlaub aus.

11.09.2006

Irgendwann heißt es auch auf einem so schönen Campingplatz wie dem in Loftus Abschied nehmen. Unser Urlaub war nun in der letzten Woche, wir wollten in den Süden um Andreas mit seiner Familie besuchen zu können, außerdem wollten wir in den letzten Tagen des Urlaubes noch das versprochen schöne Wetter genießen. Bevor unsere Reise aber an die Südküste ging machten wir noch einen Zwischenstopp im Setesdal in Valle. Eine letzte Wanderung sollte dort noch folgen. Der Tag heute war jedenfalls super, das Wetter erlaubte entlang der zu befahrenden Strecken eine tolle Sicht, viele kleine Stopps legte Norbert ein. Stehen, schauen, fotografieren und genießen, die Strecke von Haukeligrend nach Bykle lud jedenfalls dazu ein. Nun stehen wir in Valle, einem eher unscheinbaren Örtchen am oberen Ende des Setesdal. Charakteristisch sind die steilen, glatten Felswände, die das Setesdal noch enger erscheinen lassen. Der Campingplatz inmitten des Ortes, direkt am Valle Motell gelegen und zu diesem auch gehörig, ist wirklich nur als Übernachtungsplatz zu empfehlen, trotz der ansprechenden, wohl als gehoben zu bezeichnenden Gastronomie im Motell waren die Sanitäranlagen auf dem Campingplatz das wohl Schlechteste während des Urlaubes. Vollkommen heruntergekommen und für die Größe des Platzes total unterdimensioniert. 2 Toiletten, eine Dusche und die dazu noch nicht mal gereinigt, da waren wir anderes gewohnt! Schön, dass wir im Wohnwagen unsere eigene Toilette und Waschgelegenheiten haben. Alternativ hätten wir ja die beiden anderen Campingplätze im Ort in Erwägung gezogen, in Anbetracht der fortgeschrittenen Saison waren diese aber schon geschlossen, so blieb halt nur dieser Platz inmitten von Valle.

12.09.2006

Sollte es nicht schönes Wetter geben? Der Himmel zeigte sich jedenfalls grau in grau heute morgen, in der Nacht hat es sogar ein wenig geregnet. Trotzdem, wir wollten unsere letzte Tour unternehmen. Unser Ziel sollte die Stavskarhytta, vielleicht sogar der Svarvarnuten, sein. Das machten wir gleich zu Beginn der Tour vom Wetter, der Verfassung und der Zeit abhängig. Je höher wir auf der kleinen Straße Richtung der kleinen Ortschaft Berg unterwegs waren, desto nebeliger wurde es, wir hatten schon die Befürchtung eine Nebelwanderung unternehmen zu müssen. Die dicken Wolken, vom Tal aus gesehen erschienen sie uns wie Regenwolken, wurden aber auf einmal immer dünner und ehe wir die kleine Mautstraße hinauf in das Riskefjell erreichten standen wir über den Wolken. Ein tolles Bild, im Setesdal waberten die Wolken und wir hatten nichts als die Freiheit darüber. Blauer Himmel und Sonnenschein, beste Voraussetzungen für eine schöne Streckenwanderung, deren Profil diesesmal wirklich keine nennenswerten Steigungen aufzeigte. Der Regen der letzten Tage hatte aber auch hier seine Spuren hinterlassen, teilweise folgten wir dem Weg durch lichten Birkenwald und über morastige Wiesen. Nichts als Stille um uns herum, wir hofften hier einen Elch oder sonstiges Wildgetier zu sehen, nicht davon, später zeigte sich nur ein großer Raubvogel den Norbert als Steinadler eingruppierte. Durch die leichte Steigung, man erkannte diese fast gar nicht als solche, veränderte sich die Landschaft schleichend, aus dem Wald wurde Fjelllandschaft mit niederem Bewuchs, Felsen und schroffe Berghänge zeigten sich kurz vor der Stavskarhytta. Am See Rennevatnet vorbei hatten wir gar den Eindruck uns verlaufen zu haben, sahen wir die Hütte bis dahin noch nicht. Aber laut unserer Wegbeschreibung sollte die Stavskarhytta am oberen Ende des Sees liegen. Wir folgten dem Weg trotzdem und gelangten nach Umrundung eines kleinen Bergrückens auch an die versteckt liegende, vergessen wirkende Stavskarhytta. Die Hütte liegt bei etwa 900 Metern over Havet, der Gipfel des Svarvarnuten etwa 400 Meter höher, in Anbetracht der schon fortgeschrittenen Zeit verzichteten wir daher auf einen Aufstieg auf den Svarvarnuten. Sicher hätten wir eine tolle Fernsicht von dort gehabt, das Wetter war einfach klasse an diesem Tag, aber noch je 1,5 Stunden für Auf- und Abstieg erschien uns dafür zu lang. Nur kurz folgten wir der Rampe hinter der Stavskarhytta hinauf in Richtung Bossbu, aus etwas erhabenerer Position konnten wir den gegangenen Weg hierher gut zurückverfolgen. Und dieser Weg erschien uns ziemlich lang, so beschlossen wir die Rückkehr auf gleichem Weg. Früher hatte ich immer etwas gegen "One-Way", die veränderte Blickrichtung erlaubt aber auch andere Perspektiven und so erlebten wir diese letzte Wanderung auf dem Rückweg auch anders als auf der Hintour. Fazit: Eine schöne Tour mit viel Sonne an einem schönen Tag, ein gelungener Abschluss unserer Aktivitäten während des sich zum Ende neigenden Urlaubes.

13.09.2006

Andreas sollte Recht behalten, der Süden zeigte sich wettertechnisch jedenfalls stabiler als Fjordnorwegen. Auf dem Weg nach Farsund erlebten wir einen stetigen Wechsel der Landschaft. Waren im Setesdal die schon erwähnten charakteristischen Felswände dominant, veränderte sich die Landschaft weiter südlich und wurde immer lieblicher. Dichte Wälder herrschten hier in Aust- bzw. Vestagder vor. Eigentlich war dieser Tag ziemlich unspektakulär, es war nur noch das Ankommen in Farsund gefragt, Kilometer abspulen bis in den Süden, den wir so ja noch gar nicht kannten. Wir waren aber von der Landschaft begeistert: kleine Schäreninselchen, teil felsig, teils bewaldet, teils mit Brücken miteinander verbunden, ein kleines Labyrinth, und dazu, man erwartet das in Norwegen eigentlich kaum, Sandstrände und kleine Dünenlandschaften. Wir hatten uns den Campingplatz Lomsesanden ausgeguckt, dort angekommen mussten wir aber feststellen, dass dort schon alles vernagelt war. Rezeption und Kiosk waren geschlossen, die Schranke mit einem Schloss gesichert, lediglich ein handschriftlich beschriebener Zettel wies auf die Telefonnummer des Betreibers hin. Ich ließ mich nicht lange bitten und rief die Nummer vom Handy an, ich erreichte den Betreiber der uns versprach in 10 Minuten da zu sein und uns als seine letzten Gäste in der Saison aufzunehmen. So geschah es, der Campingplatz gehörte uns ganz allein, wir bekamen für die Schranke den Schlüssel und hatten inmitten von Kiefern die freie Platzwahl. Norbert zog es direkt an die erste Reihe, nur von einer flachen Düne getrennt bauten wir den Wohnwagen in Meeresnähe auf. Einfach toll hier, mediterranes Feeling im hohen Norden, auch nicht alltäglich. Nach dem Besuch des wirklich sehenswerten Ortes Farsund, hier kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und gönnten uns das leider in diesem Urlaub viel zu selten gegessene Softeis, wollte Norbert noch ein Bad im Meer nehmen. Es dauerte eine ganze Weile bis Norbert das nur 17° C kalte Wasser über seine "neuralgische Stelle" schwappen ließ, danach aber ließ er nicht lange warten, mit mutigem Satz stürzte er sich in die Fluten und zog seine etwas hektisch wirkenden Bahnen im Wasser des Meeres. Ich schaute da lieber der untergehenden Sonne zu, flach stehend schien sie noch über den Strand, während Norbert verzweifelt versuchte, mich auch zu einem Bad zu überreden. Nein Danke, mir war das einfach zu kalt!

14.09.2006

Zum Abschluss unserer diesjährigen Norwegentour sollte noch ein Highlight folgen. Waren wir ja schon am westlichsten Punkt Festlandsnorwegens, so sollte der südlichste Punkt dann auch besucht werden. Lindesnes Fyr am Kap Lindesnes, ein absolut empfehlenswerter Ort. Hier wird einem erst einmal die Dimension des Reiselandes bewusst, in dem man sich gerade aufhält: 2518 km bis ans Nordkapp, gemessen in Luftlinie! Eine sehr gepflegte Område, mehrere kleine Häuser rings um den Leuchtturm, der als das älteste Leuchtfeuer Norwegens gilt. Eine fantastische Aussicht über die Schären Südnorwegens, weit über den Skagerak schweiften unsere Blicke von der Aussichtsgalerie des Leuchtturms. Die Spuren der Vergangenheit, ob jüngerer oder älterer, sind hier allgegenwärtig. So steht das alte Leuchtfeuer, ursprünglich noch mit Kerzen betrieben, neben den alten Wehr- und Bunkeranlagen des 2. Weltkrieges. Im Rahmen des Atlantikwalls wurden von den deutschen Besatzern hier auch Stellungen errichtet. Vom direkt neben dem Leuchtturm stehenden Kesselhaus wird ein besonderes Superlativ betrieben. Zwar ist mit Hilfe moderner Schiffsnavigation ein Nebelhorn fast überflüssig geworden, hier aber ist das weltweit lauteste Nebelhorn installiert und das wird zu besonderen Anlässen auch einmal in Betrieb genommen. Die vor dem Kesselhaus aufgestellten Drucklufttanks lassen erahnen, mit welcher Wucht und Lautstärke hier das Nebelhorn erklingt. Absolut sehenswert sind auch die vielen Ausstellungen und Filmvorführungen im neu errichteten Felsenhaus. Ich empfinde Lindesnes Fyr jedenfalls als einen der Orte in Norwegen die auf jeder "must see-Liste" zu finden sein sollten.

Zum Nachmittag hatten wir uns zum Besuch bei Andreas und seiner Familie in Vanse angemeldet. Kennengelernt hatte Norbert Andreas über einen Gästebucheintrag auf unserer ersten Internetseite über Norwegen, norway-2004.de, heute sollte ein Besuch unsere Bekanntschaft intensivieren. Wir trafen uns inmitten des Ortes Vanse, von dort führte uns Andreas zu sich nach Hause wo auch Tatjana, seine Frau, uns herzlich empfing. Andreas zeigte uns nicht ohne Stolz sein Haus, direkt auf dem "Bakken" gelegen hat er von der Terrasse und seinem Garten, aber auch aus den großen Wohnzimmerfenstern, eine tolle Aussicht über den Ort Vanse bis hin zum nahe gelegenen Meer. Andreas hatte 1999 Deutschland den Rücken gekehrt und ist mit seiner Frau und einem Kind (heute haben die beiden 3 Söhne) hierher ausgewandert. Bewundernswert, speziell Norbert würde diesen mutigen Schritt auch gerne gehen wollen. So beantworteten Tatjana und Andreas unsere Fragen zum Leben und Arbeiten hier in Norge geduldig. Es war ein kurzweiliger Abend mit gepflegtem Essen, Andreas ließ es sich nicht nehmen uns landestypische Speisen zu reichen, wir hatten unsere Freude am Besuch und hoffen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Erst spät am Abend verließen wir die Familie, wohlwissend, hier eine sicher Bank in Bezug auf Insiderinformationen zu finden. Norbert und ich hoffen jedenfalls, Bekannte, vielleicht auch Freunde, hier in Norwegen gefunden zu haben. Stille dann auf dem Weg zurück zum Campingplatz, Norbert schien sich sehr mit den Möglichkeiten zu beschäftigen hier zu arbeiten. Wie fragte Andreas ein paar mal des Abends: "Na, wann zieht ihr nach Norwegen?" Für Norbert ist das sicher leichter, als gelernter Facharbeiter, Werkzeugmacher und heute Anlagenführer einer Profilschweißanlage, hat er sicher mehr Möglichkeiten als ich, die halt nur Bürosachbearbeiterin ist. Wären unsere finanziellen Möglichkeiten etwas entspannter, wir würden sicher den Weg hierher finden!

15.09.2006

Heute ist Abreisetag und Norbert ließ es sich nicht nehmen, sich noch einmal in die Fluten zu stürzen. Nein Danke, ich werde lieber vom Kaffee wach. Andreas sagte uns am Abend vorher, dass der Weg nach Langesund etwa 4 Stunden mit Wohnwagen betragen würde, daher starteten wir nach gewohnt gutem Frühstück und Abbau des Wohnwagens hier in Lomsesanden um etwa 10 Uhr. Eigentlich viel zu früh, jedoch hatten wir einige Tage zuvor von der Kystlink eine SMS bekommen, in der wir auf eine veränderte, nach vorne verlegte Abfahrtszeit der "Pride of Telemark" hingewiesen wurde. Daher lieber etwas früher da sein als zu spät. Wir erreichten Langesund um 14 Uhr, das Schiff lag festgemacht am Kai, es rührte sich aber nichts. Lediglich ein paar Trucker waren schon dort und holten sich im Büro ihre Papiere zur Überfahrt. Wir taten es denen nach, nachdem auch wir unsere Tickets hatten und wir unsere Linie zugewiesen bekamen, machten wir im Wohnwagen Mittagspause und schliefen noch ein wenig. Die Gespräche von gestern Abend ließen uns gestern erst spät einschlafen, hier konnten wir ziemlich ungestört noch ein bisschen Schlaf nachholen. Um 17 Uhr begann die Verladung, schnell waren wir auch im Bauch der PoT verschwunden, eine letzte SMS an Andreas, dann hieß es Abschied nehmen von dem Land, in dem wir uns so wohl gefühlt haben. Schnürte es mir vor 2 Jahren bei der Abfahrt in Oslo den Hals zu, so konnte ich in diesem Jahr meine Tränen nicht verbergen. Einziger Trost ist im Moment nur für mich, dass nach dem Urlaub auch vor dem Urlaub ist! Wir werden wieder intensiv daran arbeiten müssen, aber der Gedanke nicht hierher zurückkommen zu können betäubt meinen Verstand. Also, bis zum nächsten Jahr, Norge. Takk for alt!

16.09.2006

Lange standen Norbert und ich noch an der Reeling und gaben uns unserem Abschiedsschmerz hin. Im Schiff tobte die Party auf norwegisch: Gut durchgestylt betritt man das Schiff, bezahlt für Hin- und Rückfahrt, kauft sich im Dute-Free-Shop Hochprozentiges noch bevor man sich in der Parfümerie mit verschiedensten Düften einnebelt und gibt sich dann, bei steigendem Promillegehalt, der norwegischen Rockband hin, die, man möge es mir verzeihen, nur besoffen zu ertragen gewesen war. An Schlaf so wie auf der Hinfahrt war jedenfalls kein Denken, so verließen wir heute Nacht um 00:30 Uhr die Fähre. Kontrolle bei den dänischen Zöllnern gab es keine, wir verließen das Hafengelände in Hirtshals und folgten noch eine Weile der Europastraße 45. Erst auf einem Parkplatz in der Nähe von Bronderslev stellten wir den Wagen ab und den Wohnwagen auf. Hier oben in Dänemark ist nachts nicht viel Verkehr, der Parkplatz liegt außerdem hinter einem Erdwall, wir konnten daher gut schlafen. Um 8 Uhr setzten wir unsere Heimreise fort, Kilometer fressen wie auf der Anreise. Um 11:40 Uhr überquerten wir die Grenze zu Deutschland, der Rest der Fahrt unspektakulär, sieht man einmal davon ab, dass der Volvo kurz hinter Hannover einmal kein Gas mehr annehmen wollte und nur noch bockig zu bewegen war. Nach kurzer Pause ließ sich der Wagen aber wieder problemlos starten und auch das Ruckeln war verschwunden. So erreichten wir gegen 20 Uhr unser Zuhause in Soest. Wir wollten nur noch den Kühlschrank ausräumen, Bettzeug holen und uns dann nur noch auf die heimische Terrasse setzen und ein Weißbier trinken und so den Tag und den Urlaub ausklingen lassen, aber dagegen hatten irgendwelche Idioten etwas einzuwenden. Schon vom Wohnzimmer konnten wir eine dichte, weiße Masse in unserem Garten ausmachen. Da war doch tatsächlich Schaumparty angesagt. Irgendwelche Spinner hatten unseren Gartenteich mit Spülmittel versehen, die laufende Springbrunnenpumpe hat dann über Nacht für den Schaum gesorgt. Da war dann erst mal abfischen angesagt, die Fische darin benahmen sich schon ganz eigenartig. Wir konnten sie aber ins zum Glück vorbereitete Aquarium umsiedeln, wo sie sich in frischem Wasser sichtbar erholten. Einen unserer 5 Fische hat es aber dennoch das Leben gekostet, zu viel vom Spüliwasser hat er wohl abbekommen. Da war natürlich nichts mehr mit gemütlichem Bier, da musste Norbert erst mal den Teich leerpumpen. Morgen holen wir unsere 3 Katzen ab, wir freuen uns schon so sehr darauf unsere Stubentiger wieder um uns zu haben und der Rest des Tages wird wohl für die Reinigung des Teiches drauf gehen. So sollte unser Urlaub dann enden, nach solchen Ereignissen könnten wir beide sofort wieder losfahren.


Sicher sind meine Aufzeichnungen nicht dazu geeignet eine genauere Urlaubsplanung vorzunehmen, die eine oder andere Tour spricht sie aber vielleicht dennoch an. Ich schreibe an diesem Tagebuch aus persönlichen Gründen, die Erinnerung und das Erlebte sollen für mich greifbar bleiben. Der Urlaub im Jahr 2004 war schon ein Highlight, der diesjährige Urlaub, dessen Bericht hier endet, stellte jedoch noch eine Steigerung dar. Aktiver habe ich ein Land nie erlebt. Können wir das noch toppen? Wir werden sehen, im nächsten Jahr folgt eine weitere Berichterstattung, danach können Sie selbst urteilen. Viel Spaß dabei und "Tusen Takk" für Ihr Interesse!